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Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.05.2015

Neu im Kino: "Welcome to Karastan"Parodistischer Quatsch

Von Hans-Ulrich Pönack

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Matthew MacFadyen in "Welcome to Karastan" (picture alliance / dpa / Foto: Piffl Medien)
Matthew MacFadyen (2. v. r.) als Emil Forester in einer Szene des Kinofilms "Welcome to Karastan". (picture alliance / dpa / Foto: Piffl Medien)

"Borat" hatte sich bereits vor wenigen Jahren über einen Staat des ehemaligen Ostblocks lustig gemacht. "Welcome to Karastan" von Ben Hopkins versucht jetzt erneut, mit dem Klischee eines mörderischen Diktators hinter den Bergen auf Zuschauerfang zu gehen.

Ben Hopkins: 1969 geboren in Hongkong, aufgewachsenen in London, Studium in Oxford (Germanistik, Italianistik), Filmregie-Studium in London. Kurzfilme. 1999 wird auf der Berlinale sein erster Langfilm "Die neun Leben des Tomas Katz" vorgestellt, für den er später den Preis für die "Vielversprechendste Nachwuchsleistung" erhält ("Evening Standard British Film Award").

Nach dem Dokumentarfilm "Footprints" (2003) über die Auswirkungen der Landminen in Afghanistan, schuf er "37 Arten ein Schaf zu nutzen", ebenfalls ein Dokumentarfilm, der u.a. mit dem "Caligari Filmpreis" im Forum der Berlinale 2006 prämiert und für den "Europäischen Filmpreis" nominiert wurde. Die Tragikomödie "Pazar – Der Markt“ entstand 2007 in der Ost-Türkei und wurde auf verschiedenen internationalen Festivals prämiert. Ben Hopkins lebt in Berlin und Istanbul und spricht fünf Sprachen: Englisch, Deutsch, Italienisch, Türkisch und Französisch.

Gedreht in Georgien

Ein Bummler zwischen den Welten also, dessen neuester (dritter) Spielfilm überwiegend in Georgien entstand. Das Drehbuch schrieb Ben Hopkins zusammen mit Pawel Pawlikowski, dessen eigener Film "Ida" in diesem Frühjahr mit dem Auslands-"Oscar" bedacht wurde. Thema: Der Abgesang des Kinos und eines seiner Vertreter. Er heißt Emil Forester (Matthew MacFayden), ist ein Londoner Filmregisseur und hat mal einen Kurzfilm-"Oscar" gewonnen. Seit geraumer Zeit gibt er sich seiner Melancholie mit Schreibblockade hin. Da kommt dieses Angebot aus dem (fiktiven) Kaukasus-Staat Karastan gerade recht. Dieser neue "frische" Staat, gerade gegründet, setzt auf "Kultur".

Der dortige Diktator, ein gebildeter, aber mörderischer britisch-stämmiger Presidente-Tyrann namens Abashiliev (Richard van Weyden), beauftragt den Etwas-Durch-Den-Wind-Intellektuellen, ein grandioses, opulentes National-Epos zu schaffen. Mit einem "Helden der Historie" in der Hauptrolle. Mit wilden, patriotisch-heroischen Schlachtgemälden, tausenden von Statisten (in Wirklichkeit werden es vielleicht 35) und einem (versoffenen, paranoiden) Hollywood-Star namens Xan Butler (Noah Taylor) in der Helden-("Präsidenten"-)Rolle. Emil macht sich ans komplizierte Werk.

Irgendwann explodiert das Geschehen

Er ignoriert weitgehend die katastrophalen Zustände hier, die Armut und totalitäre Unterdrückung, den Zerfall und die Widerständler in den Bergen. Verknallt sich lieber in diese verführerische Assistentin Chulpan (Myanna Buring/sieht aus wie eine gekaufte Lady aus der Fielmann-Werbung), die aber offensichtlich mit Imperator Presidente verbandelt ist. Ein emotionales, verstörtes Kuddelmuddel, von dem sich der naive Engländer immer wieder etwas erholt, wenn er mit seiner griechischen Zugehfrau Zuhause telefoniert, die sich um seine Wohnung und (vor allem) um den geliebten Hund kümmert. Irgendwann explodiert das Geschehen, das Kino wird zur Realität.

"Lost in Karastan", so der Originaltitel, lebt von parodistischem Quatsch. "Borat" war vorgestern und weitaus radikaler. "Welcome To Karastan" blickt soft auf die kaputte "Beziehung" zwischen Kultur und Politik in dieser Region "Am Arsch der Welt". Ben Hopkins, Erfahrener in Sachen Internationale Festivals, spottet mit absurden Erinnerungen.

Über die Mechanismen derartiger grotesker Veranstaltungen. Um sich zugleich mit seinen erbärmlichen osteuropäischen Milieu- und Zustandsbeschreibungen aufs nicht immer schwarzkomische Glatteis zu begeben. Dummerweise fehlen ironische Kraft und groteske Wut. Stattdessen läppert das Geschehen "freundlich" vor sich hin. "Welcome To Karastan", der neue Film von Multi-Talent Ben Hopkins, ist ein – sagen wir mal – interessanter Komödien-Bastard.  

Welcome to Karastan
D/GB/Georgien 2014, Regie: Ben Hopkins, Darsteller: Matthew MacFadyen, Noah Taylor, MyAnna Buring, Richard van Weyden, 100 Minuten
Filmhomepage

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