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Frühkritik | Beitrag vom 05.04.2018

Neu im Kino: "Transit"Wie eine Fortsetzung von "Casablanca"

Von Anke Leweke

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Paula Beer und Franz Rogowski in Christian Petzolds Film "Transit". Die Verfilmung des Anna-Segher-Romans wird auf der Berlinale 2018 im Wettbewerb gezeigt. (Schramm Film/Marco Krüger)
Paula Beer und Franz Rogowski in Christian Petzolds Film "Transit". Der Spielfilm wurde auch auf der Berlinale 2018 im Wettbewerb gezeigt. (Schramm Film/Marco Krüger)

Regisseur Christian Petzold lässt in "Transit" die Figuren von Anna Seghers' gleichnamigem Roman durch Marseille laufen. Georg, gespielt von Franz Rogowski, ist auf der Flucht und begegnet dabei einer mysteriösen Fremden. Details der Ausstattung verweisen auf die 40er-Jahre, aber die Polizei ist von heute. Eine gelungene Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Worum geht es?

Christian Petzold beschreibt seine Filme stets als Gespenstergeschichten. Es geht um Helden und Heldinnen, die aus ihrem eigenen Leben gefallen sind, die in einem Durchgangsbereich existieren. Etwa die Terroristen, die seit Jahrzehnten auf der Flucht sind, aus "Die innere Sicherheit", oder die Titelheldin "Yella", eine junge Frau aus dem Osten, die Anschluss an den modernen Kapitalismus sucht.

Auch die Protagonisten seines neuen Films "Transit" sind auf ihre Weise Gespenster. In einem gewagten Wurf lässt er die Figuren von Anna Seghers‘ gleichnamigem Roman durch das heutige Marseille laufen – oder sollte man lieber sagen: hetzen? Denn sie alle sind auf der Flucht vor den deutschen Truppen, die bereits Paris eingenommen haben.

Franz Rogowski spielt Georg, der es noch knapp in die Hafenstadt geschafft hat. Er nimmt die Identität eines toten Schriftstellers an, um mit dessen Papieren nach Mexiko zu entkommen. Beim Warten auf das Transitvisum trifft er auf andere Menschen, die ebenfalls der lebensrettenden Papiere harren.

Was macht den Film besonders?

Details der Ausstattung verweisen auf die 40er-Jahre: abgeschabte Lederkoffer, in Sütterlin geschriebene Briefe, auch der Seesack des Helden und das Kleid der mysteriösen Fremden, in die er sich verlieben wird. Die Polizei auf der Suche nach Menschen ohne Papiere hingegen, das ist die heutige. Die Geschichte trifft auf die Gegenwart und alle Erzählungen verbinden sich zu einem ewigen Transitraum.

Die Bewertung

Man könnte diesen Film als eine moderne Fortsetzung des Klassikers "Casablanca" sehen, inklusive eines melancholischen Barbesitzers und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte.

"Transit"
Deutschland 2018
Regie: Christian Petzold
Mit: Franz Rogowski, Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt
101 Minuten, ab 12 Jahren

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