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Kompressor | Beitrag vom 22.03.2018

Neu im Kino: "I, Tonya"Die Punkfee unter den Eiskunstläuferinnen

Doris Akrap im Gespräch mit Gesa Ufer

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Margot Robbie als Tonya Harding im Film "I, Tonya" (DCM)
Pfeift auf Autoritäten - Margot Robbie spielt Tonya Harding im Film "I, Tonya". (DCM)

Sie tanzte auf dem Eis nach Rockmusik von ZZ Top. Die US-amerikanische Schlittschuhläuferin Tonya Harding konnte Autos reparieren und soll einer Konkurrentin geschadet haben. Der Film "I, Tonya" erzählt von ihrem Aufstieg und von ihrem Scheitern.

Schlittschuhlaufen war lange Jahre das Einzige, was Tonya Harding konnte. Die Eiskunstläuferin aus armen Verhältnissen war 1991 mit 21 Jahren amerikanische Meisterin und zweite bei der WM in München. Weltberühmt wurde sie, weil sie die erste Frau war, die einen dreifachen Axelsprung in ihrer Kür zeigte. Noch berühmter aber wurde sie 1994 als "Eislaufhexe", weil sie in das Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan verwickelt war, die mit einer Eisenstange am Knie verletzt wurde, dann trotzdem laufen konnte und sogar erfolgreicher lief. Heute kommt das Biopic "I, Tonya", in die deutschen Kinos. 

Blauer Nagellack statt rosa Tüll 

Auf jeden Fall sei der Film kein Märchen in rosa Tüll, sagt Doris Akrap, Redakteurin bei der "TAZ". Der Film präsentierte eine Figur, die eher den sexy Kampfmaschinen aus den Filmen von Quentin Tarantino entsprungen zu sein scheine als dem Milieu der fragilen, grazilen Eiskunstläuferinnen. Es spritze Blut, es werde geschossen und geschlagen.

"Tonyas tatsächlich irre Biografie und ihre Härte wird im Film einerseits als Produkt der Klassengesellschaft und der Medienhysterie beschrieben – rund um dieses Attentat herum. Andererseits ist es aber auch ganz klar Tonya selbst, die den Ton angibt."

Sie sei super-athletisch, nähe selbst ihre Kostüme, trage blauen Nagellack und tanze statt nach klassischer Musik nach Rockmusik von ZZ Top. Sie könne Autos reparieren und sei die Punkfee unter den Eiskunstläuferinnen. Tonya Harding pfeife auf Autoritäten und Etikette.

"Zu wenig Frau"

"Sie ist aber für die Jurys und die Medien zu wenig Frau. Trotz all ihrer Widerstandskraft und Selbstbehauptung scheitert sie, weil sie nie die volle Punktzahl bekommt von den Jurys – außer als sie einmal amerikanische Meisterin wird."

Tonya Harding sei eine Anti-Heldin, sagt Doris Akrap, eine, die zurückschlägt, auch ihren Ehemann Jeff, und die nicht davor zurückschrecke, anderen wehzutun. Sie werde auch gezeigt als eine, die den Medienbetrieb verstanden hat und ihn sich zu Nutze macht, auch wenn er sie zur Horrorfigur der "Eishexe" gemacht habe.

Einen Oscar für die Rolle der Mutter

Der Film ist im Stil einer Mockumentary gedreht. Zwischen die lineare Erzählung sind immer wieder Interviewsequenzen geschoben, in denen Tonya, ihre Mutter, ihr Ehemann Jeff und ihr Bodyguard – aber eben nicht die Echten, sondern die Schauspieler - über das Geschehene befragt werden. Für die Rolle der Mutter Lavona erhielt Allison Janney einen Oscar.

Nach ihrer Karriere als Eiskunstläuferin war Tonya Harding Boxerin, Autohändlerin, TV-Moderatorin, Sängerin, Schauspielerin – und hat sogar einige Jahre allein im Wald gelebt. Davon ist im Film nur wenig zu sehen.

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