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Kompressor | Beitrag vom 19.05.2017

Netflix-Filme in CannesSollten Filmfestivals nur Kinofilme zeigen?

Stephan Karkowsky im Gespräch mit Anke Leweke

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Filmwerbung für die Netflix-Produktion "Okja" beim Filmfestival in Cannes 2017. (Deutschlandradio / Maja Ellmenreich)
Filmwerbung für die Netflix-Produktion "Okja" beim Filmfestival in Cannes 2017. (Deutschlandradio / Maja Ellmenreich)

Ein Grundsatzstreit verschattet das Filmfestival von Cannes. Es geht um eine Grundsatzfrage: Sollten auf großen Festivals Filme gezeigt werden, die gar nicht fürs Kino gedreht wurden, sondern für Online-Streamingdienste wie Netflix?

In diesem Jahr sind gleich zwei von Netflix produzierte Filme im Wettbewerb von Cannes vertreten. Der neue Film des amerikanischen Regisseurs Noah Baumbach "The Meyerowitz Stories" und "Okja" von dem koreanischen Kultregisseur Bong Jong-Ho. 

Jurypräsident Pedro Almodóvar wünscht sich jedenfalls, dass seine Filme nicht nur weltweit gezeigt werden, sondern auch auf der großen Leinwand. Unsere Filmkritikerin Anke Leweke erinnert daran, dass es nicht das erste Mal sei, dass eine Netflix-Produktion auf einem großen Festival laufe. Nur habe es bisher nicht so große Diskussionen gegeben. Dass das jetzt in Cannes passiere, hat laut Leweke einen klaren Grund:

"Frankreich versteht sich als große Kinonation. Als deutsche Filmkritikerin schaue ich immer mit Bewunderung auf die Franzosen, weil hier die Kinoleidenschaft so tief in der Gesellschaft verankert ist. Diese Kinokultur wird auch gesetzlich gefördert und geschützt (...) und dass auch gegen die Streaming-Dienste. Erst drei Jahre nach dem Kinostart dürfen die Filme auf Internetportalen zu sehen sein."

"Festival unterwirft sich Marktgesetzen"

Das Filmfest ist den französischen Kinobetreibern im Vorfeld entgegengekommen, berichtet Leweke. Ab dem nächsten Jahr werden nur noch Filme im Wettbewerb gezeigt, für die eine Kinoauswertung in Frankreich garantiert ist. Das hält Leweke für bedenklich. Jeder große Name kriege in Frankreich einen Verleih, aber das Meisterwerk eines spannenden Regisseurs aus der Südmongolei bekomme keinen, weil er so unbekannt ist. Und deshalb dürfe er dann auch nicht im Wettbewerb laufen.

"Letzlich unterwirft sich damit das Festival im Dienste der Kinokultur den Marktgesetzen."

Kinokritikerin Anke Leweke ist der Meinung:

"Auf Festivals sollten alle Filme eine Chance haben, egal von wem sie produziert wurden. Auf Festivals geht es um Kino- und Bilderdiskurse jenseits des Business."

Für andere Länder ist das Nebeneinander von Kino und Online-Streamingdiensten offenbar weniger problematisch, wie Leweke berichtet. In China etwa gebe es schon lange Online-Filmportale und das Kino boome trotzdem. Ein spannendes Modell sieht Leweke in England: Während in London Filme noch in Kinos laufen, werden sie im Rest des Landes bereits auf Streaming-Diensten zur Verfügung gestellt.

Fazit

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