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Interview | Beitrag vom 11.10.2017

Najem Wali über die Balkanroute"Diese Route war immer eine Fluchtroute"

Najem Wali im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Zwei Flüchtlinge verlassen das ehemalige Flüchtlingscamp Idomeni in Griechenland. Dieses wurde im Mai 2016 geräumt. (dpa/picture-alliance/Socrates Baltagiannis)
Die Balkanroute bei Idomeni. Seit Jahrhunderten ist die Route ein Flucht- und Austauschweg, sagt der Schriftsteller Najem Wali. (dpa/picture-alliance/Socrates Baltagiannis)

Fluch und Segen der Jahrtausende heißt der Untertitel von Najem Walis neuem Buch "Die Balkanroute". Darin beschreibt der deutsch-irakische Schriftsteller die Kulturgeschichte der Balkanroute als Flucht- und Austauschroute und er beschreibt, was er selbst 2016 in Idomeni erlebt hat.

Die Bilder der gestrandeten Flüchtlinge aus dem griechischen Idomeni veranlassten im Jahr 2016 den deutsch-irakischen Schriftsteller Najem Wali, noch einmal die Balkanroute zu bereisen. 1980, als er selbst nach Deutschland geflohen war, hatte er sie schon einmal selbst genutzt – auf dem Weg nach Europa über Bulgarien.

Die Realität war schrecklicher als die Bilder

Im Vergleich zu dem, was er 2016 gesehen habe, sei seine Reise damals "Luxus" gewesen, erinnerte sich Wali im Deutschlandfunk Kultur. "Egal, wie schrecklich die Bilder waren, die wir gesehen haben – es gab eine noch schrecklichere Realität."

Ein Mann mit zwei Kindern sitzt am 11.03.2016 vor seinem Zelt im Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien.  (picture alliance / Kay Nietfeld)Alptraum Idomeni: Ein Mann mit zwei Kindern sitzt am 11.03.2016 vor seinem Zelt im Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. (picture alliance / Kay Nietfeld)

Die Flüchtlinge seien den Schleppern hoffnungslos ausgeliefert gewesen und viele seien von diesen "reingelegt" worden. "Man hat ihnen versprochen: 'Ich bringe euch nach Deutschland! Wenn ihr 4000 zum Beispiel zahlt, dann kriegt ihr eine Aufenthaltsgenehmigung, Job et cetera und alles wird leicht'", sagt der Schriftsteller. Doch dann habe es keinen Weg aus dem Lager herausgegeben, weder nach vorne noch zurück. "Viele wollten auch sogar zurück, und sie konnten nicht mehr zurück, weil: Sie hatten keine Papiere."

Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)Der deutsch-irakische Schriftsteller Najem Wali am Landwehr-Kanal in Berlin. (imago/stock&people)

Route für Flüchtlinge, Händler und Kreuzfahrer

Ursprünglich habe er nicht geplant, ein Buch über die Balkanroute zu schreiben, so Wali. "Ich wollte nur hinfahren und meine Hilfe anbieten." Doch die Erlebnisse haben ihn dazu veranlasst, sich mit Geschichte und Gegenwart der Balkanroute zu beschäftigen. Denn, so sagt der Schriftsteller: "Diese Route war immer eine Fluchtroute, auch eine Austauschroute." Und während heute vor allem viele Menschen die Route von Süden nach Norden benutzten, habe es früher viele gegeben, die die Route Richtung Süden benutzt hätten - "wie die Kreuzzügler". (uko)

Najem Wali: "Die Balkanroute. Fluch und Segen der Jahrtausende"
Übersetzt von Markus Lemke, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2017
160 Seiten, 15 Euro

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