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Dienstag, 12.12.2017

Kulturnachrichten

Sonntag, 30. April 2017

Nahles will höhere Löhne für den Dienstleistungssektor

Bundesarbeitsministerin kündigt einen Gipfel für "Tarifvertrag Soziales" an

"Wir brauchen in Deutschland einen Pakt für anständige Löhne", sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag". Für einen "Tarifvertrag Soziales" wolle sie Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und der Koalition am 19. Juni ins Arbeitsministerium einladen. Denn nur ordentliche Löhne könnten den Fachkräftemangel beheben: "Wer Dienst am Menschen leistet - zum Beispiel in Pflegeberufen - muss besser bezahlt werden", fordert Nahles. Nach Angaben der Ministerin sind vor allem Arbeitnehmer im Bereich Gesundheit und Soziales, in Einzel- und Versandhandel, in der Logistik oder in der Gastronomie von stagnierenden oder sinkenden Einkommen betroffen. Ihre Löhne seien zudem von der guten Entwicklung abgekoppelt. "Mit dem riesigen Niedriglohnsektor in Deutschland dürfen wir uns nicht abfinden", mahnte sie: "Es gibt Millionen Deutsche, die viele Jahre hart arbeiten, und trotzdem nicht zurechtkommen. Das zerreißt eine Gesellschaft und schadet der Konjunktur." Nahles kritisierte zugleich die Millionengehälter der Manager und forderte die Aufsichtsräte auf, "solche Auswüchse zu stoppen".

Musikalische Hundert-Tage-Bilanz

Präsident Trump verärgert

US-Senator Chuck Schumer hat Präsident Trump mit einer musikalischen Bilanz seiner ersten hundert Tage im Amt geärgert. Der Chef der Demokraten im Senat erstellte beim Musik-Streamingdienst Spotify eine Playlist, deren Titel allesamt als Anti-Trump-Songs verstanden werden können: "Lies" (Lügen) von den Thompson Twins, "Lyin' Eyes" (Lügende Augen) von den Eagles und "Beautiful Liar" (Schöner Lügner) von Beyonce und Shakira spielen auf Trumps Verhältnis zur Wahrheit an. Dazu wählt Schumer Lieder aus, die die häufigen Wochenendtrips des Präsidenten in seine Residenz in Florida verspotten. Titeln wie "Won't Get Fooled Again" (Wir werden uns nicht noch einmal 'reinlegen lassen) von The Who und "You Haven't Done Nothin'" (Du hast nichts getan) von Stevie Wonder runden die Playliste ab.

ILB will vom Bund finanziert werden

Nobelpreisträger setzen sich für Literaturfestival Berlin ein

In einen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) fordert das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) eine gesicherte finanzielle Förderung durch den Bund. Mehr als 250 Autoren und Autorinnen haben den Brief unterschrieben, darunter die Literaturnobelpreisträger Elfriede Jelinek, Mario Vargas Llosa, John M. Coetzee und Wole Soyinka. Auch renommierte Autoren wie David Grossman, Daniel Kehlmann, Mircea Cartarescu, Jeffrey Eugenides, Salman Rushdie und Peter Stamm schlossen sich an. Die Unterzeichner seien "in großer Sorge um eines der renommiertesten Literaturfestivals der Welt", heißt es.
2001 gegründet, verharre es immer noch "im Status eines Projekts", klagte der ilb-Gründer und Leiter, Ulrich Schreiber. Grütters habe das Festival als "Berlinale der Literatur" bezeichnet, erklärt Schreiber und fragt: "Wie kommt es, dass in Ihrer nun fast vierjährigen Amtszeit in Hinsicht auf das ilb nichts geschah?"

Venske wirbt für Demokratie und Menschenrechte

PEN hat eine neue Präsidentin

Die neue Präsidentin der Schriftstellervereinigung PEN, Regula Venske, hat angekündigt, dass ihre Organisation sich weiterhin intensiv für Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte engagieren will. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Venske, in den "härter werdenden Zeiten" fühle es sich richtig an, sich zu engagieren. Wenn man das nicht tue, könne man derzeit beim Verfolgen der Nachrichten depressiv und pessimistisch werden. Die Situation in der Türkei bezeichnete Venske als "höchst besorgniserregend". Das Land sei schon immer im Fokus des PEN gewesen, man habe sich dort auch bereits vor dem Putschversuch stark um die türkischen Kollegen gekümmert. Inzwischen sei die Anzahl der inhaftierten Schriftsteller und Journalisten nicht mehr wirklich zu überblicken, beklagte sie. Auch den Rechtspopulismus in Deutschland bezeichnete Venske als "gefährlich". Die Schriftstellerin war am Freitag in Dortmund an die Spitze des deutschen PEN-Zentrums gewählt worden.

Eminem klagt gegen neuseeländische Regierungspartei

Nicht lizenziertes Lied im Wahlkampf verwendet

Die in Neuseeland regierende National Party muss sich vor Gericht verantworten. In Wellington begann heute die Anhörung im Verfahren um mutmaßliche Urheberrechtsverletzung. Geklagt hatten die Musikverleger des US-Rappers Eminem. Es geht um den Hit "Lose Yourself" aus dem Jahr 2002. Den Klägern zufolge soll die Partei eine nicht lizenzierte Version dieses Liedes 2014 in einem Wahlkampfvideo eingesetzt haben. Die Partei bestreitet dies und sagt, sie hatte die Rechte zu einem anderen, ähnlich klingenden Song von einem anderen Musikanbieter gekauft. Die Anhörung ist für sechs Tage angesetzt.

Bosbach stellt sich hinter de Maizière

SPD und Opposition kritisieren Leitkultur-Debatte

Diese Diskussion gehe an den echten Problemen in Deutschland vorbei, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann den Dortmunder "Ruhr Nachrichten": "Unser Leitbild ist das Grundgesetz. Das gilt ohne Wenn und Aber - und zwar für alle". SPD-Vize Ralf Stegner sagte den "Ruhr Nachrichten", de Maizières Leitkultur-Thesen seien "ein billiger Versuch, bei den Konservativen in der Union Stimmung zu machen und hinter den Rechtspopulisten herzulaufen". Grünen-Chef Cem Özdemir forderte in den "Ruhr Nachrichten", der Innenminister solle lieber erklären, was die Bundesregierung konkret für das Zusammenwachsen in Deutschland tue. Rückendeckung bekam der Minister hingegen aus der Union. Der CDU-Innenpolitiker, Wolfgang Bosbach, meinte angesichts der anhaltenden Zuwanderung, es sei "richtig und wichtig" über das zu sprechen, was eine Gesellschaft zusammenhalte. Der Begriff "Leitkultur" solle nicht ausgrenzen, sondern einladen, sagte Bosbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger". De Maizière hatte seine Thesen in der "Bild am Sonntag" veröffentlicht. Unter dem Begriff "Leitkultur" verstehe er eine "Richtschnur des Zusammenlebens", schrieb der Minister: "Über Sprache, Verfassung und Achtung der Grundrechte hinaus gibt es etwas, was uns im Innersten zusammenhält, was uns ausmacht und was uns von anderen unterscheidet".

71. Ruhrfestspiele eröffnet

Gesellschaftliche Umbrüche künstlerisch hinterfragt

Mit dem Kulturvolksfest am 1. Mai beginnt heute in Recklinghausen das älteste Theaterfestival Europas. In seiner neuen Spielzeit unter dem Motto "Kopfüber Weltunter" setzt es sich mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen künstlerisch auseinander. Die Ruhrfestspiele beschäftigen sich in diesem Jahr mit Chaos und Unsicherheit und damit und stellen die Frage, was die Zeit aktuell mit uns macht. Die Themen reichen von der Reformation über die Industrialisierung und den digitalen Wandel bis zu den Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung und dem Erstarken radikaler Parteien. Als Eröffnungsproduktion präsentieren die Ruhrfestspiele in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus und Unlimited Performing Arts E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" in einer Inszenierung von Regisseur Robert Wilson und der britischen Singer-Songwriterin Anna Calvi. Bis zum 18. Juni stehen in 21 Spielstätten insgesamt 108 Schauspiel-, Musiktheater- und Tanzproduktionen auf dem Spielplan.

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"

Islamforscher befürwortet Einschränkung von Rechten wegen des Terrors

Sich zu radikalisieren habe oft viel mit Zufall zu tun, sagte der französische Islamkenner, Fethi Benslama, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Hätte die Radikalisierung nur politische oder soziologische Ursachen, dann müsste es bei den heutigen Verhältnissen weitaus mehr Fälle von Radikalisierung geben", meint der Psychoanalytiker, der mit Radikalisierten arbeitet: Viele von ihnen "haben in ihrem alten Leben unverschuldet eine traumatische Erfahrung gemacht. Sie wurden beispielsweise vergewaltigt oder erlebten einen schweren Unfall. Oder sie haben irgendwann eine schlechte Bekanntschaft gemacht". Die Pubertät sei eine psychologisch sehr turbulente Zeit, in der man nach Bestätigung und Idealen suche. Und genau da setze der Dschihad an und biete eine Mission: "Der Islamismus sagt: Komm zu uns, dann bist du bedeutsam, stark und wirst ein großer Krieger. Vielen jungen Leuten erscheint die Aussicht auf Krieg als Abenteuer", so Benslama. Anlässlich des vom Bundestag verabschiedeten Sicherheitspakets sagte er, der drohende Terror mache es notwendig, viele Rechte einzuschränken. Mit dem Ausnahmezustand sei man dabei in Frankreich "noch viel weiter gegangen", da die Bedrohung dort größer sei als in Deutschland. Zudem interveniere Frankreich im Nahen Osten militärisch stärker als Deutschland, unterstrich der Islamforscher.

Iranischer Filmregisseur Karimi frühzeitig aus Haft entlassen

Dank internationalen Drucks blieben ihm 223 Peitschenhiebe erspart

Dank internationalen Drucks auf Teheran habe der preisgekrönte iranische Filmregisseur Keywan Karimi nur fünf Monate seiner einjährigen Haftstrafe ableisten müssen, sagte Karimi der Nachrichtenagentur AP. Außerdem seien ihm 223 Peitschenhiebe erspart geblieben. Karimi war im vergangenen Jahr wegen Religionsbeleidigung verurteilt worden. Grund war ein von ihm gedrehter Film über politisches Graffiti im Iran von der Revolution 1979 bis zur umstrittenen Wahl 2009. Nach seiner Entlassung sagte Karimi der AP, er wolle weiter Filme machen, wisse aber nicht, ob das im Iran möglich sei.

De Maizière: "Wir sind nicht Burka"

Bundesinnenminister legt zehn Thesen zur deutschen Leitkultur vor

"Über Sprache, Verfassung und Achtung der Grundrechte hinaus gibt es etwas, was uns im Innersten zusammenhält, was uns ausmacht und was uns von anderen unterscheidet", schreibt de Maizière in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Wer sich seiner eigenen Kultur sicher sei, sei stark, erklärte der Christdemokrat. De Maizière führt zehn Eigenschaften auf, die seiner Auffassung nach Teil einer deutschen Leitkultur sind, wie etwa soziale Gewohnheiten: In Deutschland gebe man sich zur Begrüßung die Hand, zeige sein Gesicht und nenne seinen Namen. "Wir sind nicht Burka", schreibt er. Zur Leitkultur gehörten zudem Allgemeinbildung, der Leistungsgedanke, das Erbe der deutschen Geschichte mit dem besonderen Verhältnis zu Israel und der kulturell-philosophische Reichtum. Deutschland sei ein christlich geprägter, Religionen freundlich zugewandter, aber weltanschaulich neutraler Staat, so de Maizière. Die Gesellschaft sei konsensorientiert und Kompromisse konstitutiv für die Demokratie. Auch einen "aufgeklärten Patriotismus" zählt der CDU-Politiker zur Leitkultur. Deren Teil seien auch die Westbindung Deutschlands, sein Bekenntnis zu Europa sowie ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte, Ereignisse und Traditionen. Bei Einwanderern, die "eine solche Leitkultur weder kennen, vielleicht nicht kennen wollen oder gar ablehnen (...) wird die Integration wohl kaum gelingen", gab de Maizière zu bedenken.

Coppola: "Der Pate" würde heute nicht mehr finanziert

US-Starregisseur über die Entwicklungen in Hollywood

Die großen Hollywood-Studios finanzierten heute nur noch Filme, von denen "mehrere Fortsetzungen" gedreht werden könnten, sagte der 78-Jährige beim Tribeca-Filmfestival in New York. Er sei überzeugt, dass kein Studio grünes Licht für eine so aufwändige Mafia-Trilogie geben würde. Coppola erzählte, das Filmstudio Paramount habe anfangs weder seinen späteren Hauptdarsteller Marlon Brando noch Al Pacino engagieren wollen. An der Gesprächsrunde mit Coppola nahmen auch Pacino, Robert Duvall, Robert DeNiro und Diane Keaton teil. "Der Pate" war vor 45 Jahren Coppolas Durchbruch als Regisseur. Für den ersten Teil der Trilogie erhielt er 1972 den Oscar für das beste Drehbuch, für den zweiten Teil bekam er 1975 sogar drei Oscars.

Sybille Steinbacher tritt bundesweit erste Holocaust-Professur an

Historikerin von international besetzter Berufungskommission empfohlen

Die Historikerin Sybille Steinbacher übernimmt die bundesweit erste Holocaust-Professur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie tritt ihr Amt offiziell an diesem Montag an. Steinbacher wurde von einer international besetzten Berufungskommission empfohlen und von Senat und Präsidium der Universität berufen. Die 1966 in München geborene Steinbacher hatte zuletzt an der Universität Wien Zeitgeschichte gelehrt. Sie gilt als renommierte Expertin auf dem Gebiet der Holocaust-Forschung. Die Professur ist im Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften angesiedelt. Der neue Lehrstuhl ist zudem mit der Leitung des Fritz-Bauer-Institutes in Frankfurt verbunden, das den Holocaust erforscht und dokumentiert.

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