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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.05.2016

Nachkriegsliteratur Wie Bücher das Kriegsende überdauerten

Christian Adam im Gespräch mit Joachim Scholl

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Christian Adam, Autor des Buches "Der Traum vom Jahre Null: Autoren, Bestseller, Leser: Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945", im Park vor dem Funkhaus von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)
Christian Adam, Autor des Buches "Der Traum vom Jahre Null: Autoren, Bestseller, Leser: Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945", im Park vor dem Funkhaus von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

1945 war für den deutschen Buchmarkt eine Zäsur, eine "Stunde Null" aber war es nicht. Christian Adams zeichnet in seinem Buch "Der Traum vom Jahre Null" die Brüche und Kontinuitäten auf.

Die "Stunde Null" sei wissenschaftlich längst widerlegt, sagte der Germanist Christian Adam im Deutschlandradio Kultur über das Kriegende 1945. Dennoch sei dieses Bild immer noch sehr wirkungsmächtig.  Alle hätten diesen Traum gehabt, sagte Adam, am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam arbeitet. "Ich glaube, dass das auch auf der individuellen Ebene ein wichtiger Moment war, zu sagen: Wir fangen neu an."  

Überraschungen in Ostdeutschland

Für sein Buch mit dem Titel "Der Traum vom Jahre Null" habe er sich vor allem mit Werken beschäftigt, die eine gewisse Massenwirkung erzielt hätten. Es gehe vor allem um die Bestseller nach 1945.  Es zeige sich dabei, dass es einen breiten Strom von Büchern gebe, die über die historischen Zäsuren hinweg reichten. "Das Gros der Lektüre, aber auch die Machart vieler Texte und vor allem die Akteure, die dahinter stehen,  da ist eben ein breiter Strom, der eben zusammenhängend ist." Bei der Literatur in Ostdeutschland sei er überrascht gewesen, dass auch in der DDR in den 1950er-Jahren noch von einer Nationalliteratur die Rede gewesen sei. "Also man hat im Prinzip auch versucht, an das gemeinsame kulturelle Erbe anzuknüpfen", sagte Adam. In der DDR seien sogar gezielt Verlage, wie den Verlag der Nationen, gegründet worden, um die alte Elite einzubinden. "Der hatte es praktisch in seinem Programm stehen: Wir sind der Verlag für ehemalige NSDAP-Angehörige und Wehrmachtsangehörige." Entsprechende Literatur sei dort auch verlegt worden.

Form des Beschweigens

Adam sagte, ihn habe interessiert, wie mit der Schuldfrage umgegangen worden sei. In Westdeutschland habe es in den 1950er-Jahren eher eine "Form des Beschweigens" von Täterschaft und Schuld gegeben. Im Osten seien da schon klarere Worte für deutsche Schuld gefunden worden. In der Bundesrepublik komme das erst später. 

Christian Adam: Der Traum von der Stunde Null. Autoren, Bestseller, Leser: Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945
Galiani Verlag, 28,00 Euro

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