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Lesart | Beitrag vom 07.03.2017

MyPoolitzerDer Online-Agent hilft neuen Autoren

Von Philipp Banse

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Aus Manuskripten sollen Bücher werden: Helfen könnte Autoren dabei die Plattform "MyPoolitzer". (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Aus Manuskripten sollen Bücher werden: Helfen könnte Autoren dabei die Plattform "MyPoolitzer". (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

Wer ein Buch schreibt und veröffentlichen will, versucht in der Regel, einen Verlag zu finden. Nur wie? Das Berliner Startup "MyPoolitzer" will Literaturagent sein für (fast) – jeden. Auf dieser Online-Plattform sollen Verlage, Texte und Autoren zueinander finden.

"MyPoolitzer ist eine Plattform, internet-basiert, wo sich Autoren und Verlage begegnen können. Wir sitzen hier. Da. Alles sehr einfach, aber funktionell."

MyPoolitzer sitzt in Berlin Mitte, auf einer alten Fabriketage, gemeinsam mit Dutzenden anderer Startups.

Die Website MyPoolitzer soll eine Art Literaturagent für alle sein: Autoren laden unveröffentlichte Textproben hoch, Literaturwissenschaftler von MyPoolitzer bewerten die Texte nach festen Kriterien, und vergeben 1 bis 5 Punkte.

Und wer größer gleich 3 ist, kommt weiter, alle anderen werden nicht auf die Plattform zugelassen.

Plattform heißt: Auf MyPoolitzer sollen sich auf diese Weise belletristische Textproben und Exposés sammeln, die kooperierende Verlage dann durchsuchen können, beziehungsweise das System soll den Verlagen dann automatisiert Texte vorschlagen, die zum Verlag passen. Tilo Gehrke ist der Gründer:

"Für die Autoren lösen wir das Problem, dass sie sich nicht mehr sequentiell bewerben müssen, also eine Bewerbung nach der anderen, ein Exposé nach dem anderen an die verschiedenen Verlage zu senden, oft gar nicht durchzudringen."

Autoren können oder wollen nicht mit allen Verlagen reden; die Verlage wollen nicht alles lesen und freuen sich über eine professionelle Vorauswahl – dafür hat der Markt längst eine Lösung gefunden: Literatur-Agenten sichten Exposés und Manuskripte und tragen nur aussichtsreiche Kandidaten an die Verlage heran. Seriöse Agenten bekommen dann einen Anteil vom Verkaufserlös des Buches.

Tilo Gehrke: "Also wird ein ganz großer Teil der literarischen Produktion einfach ausgeblendet durch die Agenten. Denn die schauen sich das an und sagen, das mag vielleicht interessant sein, aber daran verdiene ich nichts."

Die Verkaufszahl ist dem Portal egal

MyPoolitzer dagegen will von den Autoren eine monatliche Gebühr kassieren, das kommerzielle Potential eines Textes ist der Plattform daher nicht so wichtig:

"Wenn sich Autor und Verleger gefunden haben, sind wir aus dem Spiel raus. Wie die sich vertraglich einigen, ob da 100 Bücher bei rumkommen oder 100.000, ist für uns irrelevant. Deswegen sind wir da unabhängig und haben keinerlei Agenda."

MyPoolitzer ist noch sehr jung, eine Rohversion der Website ist seit einem Monat online, Konzept und Geschäftsmodell sind noch im Fluss. Aktuell haben zwölf Autoren Texte oder Exposés eingereicht, aber keiner dieser Autoren steht für ein Interview zur Verfügung.

Nun würde man aber schon gern wissen, was das für Autoren sind, die einer völlig unbekannten Plattform ihre unveröffentlichten Texte und Ideen anvertrauen.  Vielleicht sind die Verlage ja gesprächiger. Gründer Tilo Gehrke sagt, MyPoolitzer arbeite bereits mit kleinen- und mittelständischen Verlage zusammen:

"Zum Beispiel den Braumüller-Verlag in Wien, genauso Acabus Hamburg, genauso Axel Dielmann ausFrankfurt."

Ist Mundpropaganda doch der bessere Weg?

"Axel Dielmann ist mein Name, ich betreibe in Frankfurt den Axel Dielmann-Verlag mit einem Literaturprogramm im Jahr etwa 20 Titel."

"MyPoolitzer sagt, Sie arbeiten zusammen. Wie läufts denn so?"

"Mit mein MyPoolitzer haben wir bisher keine Kooperation. Der Herr Dr. Gehrke hat sich mal auf der Buchmesse vorgestellt, aber mehr Kontakt gab es da bisher nicht."

Upps. Auch der Braumüller-Verlag in Wien lässt ausrichten, man habe MyPoolitzer mal auf der Buchmesse getroffen, aber von Zusammenarbeit oder Kooperation könne keine Rede sein, man sei aber offen für neue Ideen. Axel Dielmann vom Dielmann Verlag sagt, dass Kontakte zu neuen Autoren anders zustande kommen, über Mundpropaganda:

"So findet das in der Regel doch eigentlich statt und da kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass das Geschäftsmodell von MyPoolitzer direkt greift."

Hm. Bleibt noch ein Verlag aus der Kooperationsliste von MyPoolitzer:

"Ich bin Björn Bedey, bin Verleger des Acabus-Verlags in Hamburg."

Sein Verlag habe von MyPoolitzer tasächlich bereits Texte bekommen:

"Ja, wir haben etwas bekommen, das ist aber noch in der Prüfung, da kann ich noch nicht sagen, ob das was ist."

Verleger Björn Bredey sagt, der Ansatz von MyPoolitzer sei neu:

"Der Zugang ist relativ einfach für die Autoren, das heißt, dass schon über MyPoolitzer noch mal wieder einen andere Autorenklientel angesprochen wird, eine Klientel, die nicht so kapitalintensiv ist, um sich eine klassische Literaturagentur leisten zu können, die aber auch ein bisschen mehr sich umgeschaut haben und nicht einfach nur direkt was zuschicken. Es ist eine Vorselektion und eine recht einfache Art der Kommunikation mit denen."

Okay, es scheint bei mindestens einem Verlag Interesse zu geben. MyPoolitzer ist erst wenige Monate alt, die Idee wird noch getestet und kann dauernd angepasst werden. Natürlich will jedes Startup möglichst schnell, möglichst erfolgreich aussehen, aber etwas mehr Vorsicht sollte walten lassen, wer viel Vertrauen braucht, um erfolgreich zu sein.

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