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Im Gespräch | Beitrag vom 11.12.2017

Musiker Till Brönner"Jazz ist so etwas wie ein Therapeut"

Moderation: Matthias Hanselmann

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Der Jazztrompeter Till Brönner  (imago / STAR-MEDIA)
Der Jazztrompeter Till Brönner (imago / STAR-MEDIA)

Jazz ist eine Sprache, die ohne Worte auskommt und doch von allen verstanden wird - diese Erkenntnis hatte Till Brönner bereits als Kind. Schon in jungen Jahren war er der bekannteste Jazz-Trompeter Deutschlands. Heute kämpft er für eine bessere Förderung seines Musikgenres.

Für den Trompeter Till Brönner ist Jazz der direkte Weg zu den Gefühlen der Menschen, eine Sprache, die ohne Worte auskommt und doch von allen verstanden wird. Brönner fand schon in seiner Kindheit zum Jazz und wurde innerhalb weniger Jahre zum populärsten Jazz-Trompeter Deutschlands. Im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur sagte er:

"Ich habe mein Herz schon früh bei Jazzmusik schlagen hören. Mein Vater hörte damals im WDR immer Sonntags eine Sendung, die 'Swing und Balladen' hieß und da hörte ich zum ersten Mal Louis Armstrong und für mich war das unfassbar, was der Mann auf der Trompete so spielte. Das war das, was ich machen wollte."

Brönner bezeichnete Jazz als Lebensgefühl. Jazz sei nicht nur intellektuelle Musik, als die er heute gelte, sondern vor allem Musik, die aus dem Bauch komme.

"Wenn ich Jazz spiele, spüre ich, in welchem Zustand ich bin"

"Es ist Musik, die Emotion in sich trägt und es ist ein Ausdruck dessen, wie man sich fühlt. Und es ist fast so etwas Ähnliches wie ein Therapeut, der immer mit einem reist. Wenn ich Jazz spiele, dann spüre ich, in welchem Zustand ich bin. Das kann physisch sein, aber auch seelisch. Wir kennen das aus der Psychologie, wenn man zumindest schon einmal gesagt hat, wie es einem geht, dann besteht immerhin die Chance, dass es einem ein kleines bisschen besser geht als vorher."

Außerdem stecke hinter Jazz-Improvisation "wesentlich weniger Mysterium" als viele Menschen annähmen, sagte Brönner. "Jazz und das Improvisieren kann man lernen."

Schon als kleiner Junge zog der Klang der Trompete Till Brönner in den Bann:

"In den 70er-Jahren sah ich bei den großen Samstag-Abend-Shows im Fernsehen immer die ganzen Bands links und rechts der Showtreppe und da fand ich die Trompeten einfach total attraktiv. Also der optische Aspekt, sich der Trompete zu nähern, war mindestens so stark wie der akustische, nämlich der Klang."

Das "House of Jazz" könne ein kultureller Leuchtturm

Heute setzt Till Brönner sich dafür ein, dass der Jazz so gefördert wird wie andere Musikgenres. Er wünsche sich für Deutschland ein "House of Jazz" als Repräsentanz und Zentrale für die vielen guten ausgebildeten Jazz-Musiker in Deutschland. Es gebe bereits eine flächendeckende Jazz-Ausbildung in Deutschland, es fehle aber ein offener Ort für kreative Arbeit fernab der Gesetze des Musikmarktes und für die Diskussion und Reflexion dessen, was Jazz war und heute ist.

Seiner Ansicht nach sei es wünschenswert, dass das "House of Jazz" in Berlin angesiedelt werde. Berlin brauche Leuchttürme und das "House of Jazz" könne ein solcher kultureller Leuchtturm sein. "Als Kulturnation steht uns so etwas gut zu Gesicht und ich arbeite daran."

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