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Freitag, 24.11.2017

Kompressor | Beitrag vom 22.12.2016

Museum der zerbrochenen Beziehungen Zeugnisse verflossener Liebe

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Timo Grampes

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"Liebe! Hass" steht auf einer Häuserwand ( imago/wrongside pictures)
Wenn die Liebe zuende geht, werden oft Abgründe sichtbar. Eine Ausstellung in Heidelberg widmet sich nun den Reliquien zerbrochener Beziehungen. ( imago/wrongside pictures)

Eine Ausstellung der zerbrochenen Beziehungen in Heidelberg findet der Kunstwissenschaftler Nikolaus Bernau unbedingt sehenswert. Es gebe viel zu lachen, aber auch einige dramatische Liebesgeschichten. Es stelle sich beim Besuch die Frage: Was hätte ich abgegeben?

Im neuen Interkulturellen Zentrum in Heidelberg läuft jetzt die Ausstellung "Museum of Broken Relationships", die eine Sammlung von Erinnerungsstücken an zerbrochene Beziehungen zeigt.  Die Ausstellungsstücke liegen auf Podesten in der alten Industriehalle, in der früher Zigarren produziert wurden, erzählt der Kunstwissenschaftler und Journalist Nikolaus Bernau im Deutschlandradio Kultur. Er spricht von einer "lustigen Auswahl".

So gebe es ein Glas mit Asche, das eine wütende Braut offenbar als Erinnerung aufgehoben hatte, nachdem sie vor lauter Ärger über den Bräutigam ihr Hochzeitkleid verbrannt hatte. Zu den weiteren Objekten gehöre auch eine Packung mit russischen Kondomen, die niemals benutzt worden seien, weil die Beziehung zu schnell zerbrach. "Oder ein grottenhässlicher Hase", zählt Bernau ein weiteres Zeugnis verflossener Liebe auf, das im Museum gelandet sei.

Frauen spenden mehr  

Beim Überblick über die Relikte der zerbrochenen Beziehungen entdeckt Bernau vor allem eine weibliche Handschrift. Es seien überwiegend Frauen, die dazu bereit seien, ihre Erinnerungsstücke an das  Museum abzugeben.

"Es sind einige Schwule dabei, das ist auch sehr deutlich."

Das erschließe sich aus den Texten der Spender.

"Es sind allerdings auch einige hochdramatische Angelegenheiten dabei", sagt der Journalist nach seinem Rundgang. Als Beispiel nennt er einen Rosenkranz, der von einem Mann abgegeben wurde, um ihn endlich loszuwerden. Die Freundin des Mannes sei neben ihm im Auto gestorben und seither habe der Trauernde den Rosenkranz immer bei sich getragen.

"Nun wollte er endlich diese Geschichte loswerden."  

Anfänge in Zagreb

Die Ausstellung bestehe zur einen Hälfte aus Geschichten und Objekten, die sich in Heidelberg ereignet hätten. Die andere Hälfte der Objekte komme aus dem Zentrallager im kroatischen Zagreb, wo es bereits zehntausende Ausstellungsstücke gebe.

Das dortige Museum der zerbrochenen Beziehungen zeigt schon seit 2010 Zeugnisse schmerzvoller Trennungen und Relikte verlorener Lieben. Es wurde 2011 mit einem Sonderpreis zur Auszeichnung "Europäisches Museum des Jahres" gewürdigt und organisiert in anderen Ländern zeitweise entsprechende Präsentationen.

Museum der zerbrochenen Beziehungen

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