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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 20.12.2013

MedizinZähne aus dem Drucker

3-D-Scanner sorgen für technische Revolution in der Zahntechnik

Von Ludger Fittkau

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Ein künstliches Gebiss wird in einem Dentallabor in Euskirchen bearbeitet (AP)
Ein künstliches Gebiss wird in einem Dentallabor in Euskirchen bearbeitet (AP)

Zahnersatz aus dem Computer - das ist keine technische Utopie. Mit Hilfe von 3-D-Technik werden am Bildschirm grafisch Brücken oder Kronen konstruiert und zum fertigen Zahnersatz verarbeitet.

Zahnersatz aus dem Computer - das ist seit langem keine technische Utopie mehr. Mit Hilfe von 3-D-Technik werden am Bildschirm grafisch Brücken oder Kronen konstruiert und anschließend binnen weniger Minuten zum fertigen Zahnersatz verarbeitet.

"Seit dem Jahr 2000 ermöglichen wir es unseren Studierenden, die CAD/CAM-Technologie in der Zahnersatzkunde kennenzulernen. Und was Sie hier sehen, dass sind sogenannte 3-D-Aufnahmegeräte. Damit können Aufnahmen im Mund des Patienten angefertigt werden. Auf Basis dieser dreidimensionalen, virtuellen Aufnahmesituationen konstruieren wir Zahnersatz und fertigen ihn dann auch vor Ort bei uns."

Helmut Dietrich ist Oberarzt in der Polyklinik für zahnärztliche Prothetik der Mainzer Uni-Medizin. Er zeigt, wie die 3-D-Aufnahme eines maroden Patientenzahnes anschließend sofort vom Zahnarzt in einem Gerät von der Größe eines Tischkopierers zu einer Zahnkrone aus Keramik verarbeitet wird. Das dauert weniger als zehn Minuten:

"Selbstverständlich ist das für den, der er herstellt, eine absolute Befriedigung, den gesamten Herstellungsprozess von der klinischen Tätigkeit am Patienten über die Fertigung zu kontrollieren, selbst durchzuführen und letztendlich auch selbst für das Ergebnis verantwortlich zu sein."

Allerdings: Es hängt vom technischen Können des Zahnarztes oder Zahntechnikers ab, ob sich der Einsatz der Computerscanner bei Zahnersatz wirklich lohnt. Etwa zehn Prozent der Mainzer Absolventen des Zahnmedizin-Studiengangs wenden die Computer-Scanner anschließend in der eigenen Praxis an, schätzt Helmut Dietrich. Nicht in allen Fällen ist die Technik geeignet, so der Mainzer Uni-Zahnmediziner:

"Das heißt, es gibt Indikationseinschränkungen. Das heißt, nicht jedes Inlay, nicht jede Krone kann so gefertigt werden, nicht jede Brücke. Im Wesentlichen muss man die präparierten Zähne sehen können. Das heißt, wenn es tief unterhalb des Zahnfleischs liegt oder Blut durch die Präparation die direkte Sicht verhindert, ist es unmöglich, mit dieser Präparation zu arbeiten."

Revolution in der Zahntechnik

Dennoch: Der Einsatz von 3-D-Comutertechnik bei der Herstellung von Zahnersatz setzt sich seit rund 20 Jahren mehr und mehr durch. Der Bochumer Diplomingenieur Jörg Friemel stellt mit seiner Firma "Smart Optics" seit 1996 3-D-Scanner für die Zahntechnik her. Bei der Frankfurter Industriemesse "Euromold" stellte er vor wenigen Wochen seine neuen Produkte aus dem Revier vor:

"Wir wollen natürlich nicht den Zahntechniker überflüssig machen. Es ist einfach nur eine Veränderung der Arbeitsweise in der Zahntechnik. Wir haben hier praktisch, man kann schon sagen eine technische Revolution in der Zahntechnik, wo es darum geht, die Arbeitsmethoden modernen Anforderungen anzupassen. Wo es auch darum geht, verschiedene Materialien, die man früher in der alten Technologie gar nicht verarbeiten konnte, letztlich umzusetzen."

Das sind neben Keramik auch Metalle aller Art und künftig auch mehr und mehr hochwertige Faserverbundstoffe, die vor allem beim 3-D-Drucken zur Anwendung kommen werden. Die Computermodelle der Zähne ermöglichen auch den Einsatz von CNC-Fräsmaschinen etwa bei Kobalt-Chrom-Legierungen. Eine gute Alternative zum 3-D-Print, der für Zähne oft noch zu ungenau ist. Findet jedenfalls Matthias Forster, der in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main seit sechs Jahren im Feld der Dentaltechnik arbeitet:

"Der Vorteil vom Fräsen, es ist schneller. Die Oberflächen kriegen eine ganz andere Qualität, gerade wenn man Teleskopverbindungen herstellen möchte. Da haben sie beim Printen immer eine raue Oberfläche. Oder im Implantat-Bereich. Das ist so fein und so aufs Mü genau, das kriegen sie mit dem Printing gar nicht hin."

Keine Verlagerung in Billiglohnländer

Die technische Entwicklung im Feld des computergestützten Designs von Zahnersatz ist rasant, stellen die Experten fest. Im Schnitt alle zwei Jahre kommt ein neuer Innovationszyklus. Das Berufsbild der Zahntechniker ändert sich dadurch dramatisch. Doch es besteht auch die Chance, mit den Kronen aus dem Drucker in der Zahnpraxis oder dem Dentallabor die Verlagerung der Zahnersatz-Produktion in Billiglohnländer zu stoppen. Das hofft zumindest Zahntechniker Matthias Forster aus Neu-Isenburg:

"Es ist natürlich ein großes Thema, die Fertigung von Zahnersatz in den nahen Ostblock auszulagern oder nach China. Aber man stellt halt fest, dass dort das Know-How nicht gegeben ist, das in Deutschland existiert."

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