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Im Gespräch | Beitrag vom 11.03.2017

Medizin Wie hängen Psyche und Gesundheit zusammen?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Mit ihren Händen verdeckt eine Frau ihr Gesicht. (picture alliance / ZB)
Dauerhafte Konflikte, etwa am Arbeitsplatz oder in der Familie, können Krankheiten begünstigen. Das werde in der Medizin zu wenig beachtet, sagt Christian Schubert von der Universität Innsbruck. (picture alliance / ZB)

Dauerhafte Konflikte oder Stress haben auch körperliche Auswirkungen, zum Beispiel auf das Immunsystem. Über die Zusammenhänge zwischen seelischen Belastungen und Gesundheit diskutieren wir mit Christian Schubert, Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Rücken- und Kopfschmerzen, Magenprobleme, Depressionen: Krankheiten können Ausdruck von Stress, Überlastung und Konflikten sein. Womit hängt das zusammen? Wie entstehen Krankheiten? Was entscheidet darüber, ob man schneller gesund wird oder krank bleibt? Was können wir vorbeugend tun?

Diese Fragen beschäftigen Prof. Dr. Christian Schubert seit mehr als 20 Jahren. Der Arzt und Psychotherapeut leitet das Labor für Psychoneuroimmunologie (PNI) an der Medizinischen Universität Innsbruck. Dort erforscht er das komplexe Wechselspiel von Psyche, Gesundheit und Krankheit. Seine Erkenntnis:

"Wenn jemand dauerhaft Konflikte erlebt, am Arbeitsplatz, in seinen emotional wichtigen Beziehungen, wird sein Immunsystem geschwächt und er bekommt häufiger als andere Virusinfekte, etwa auch eine Grippe. Wunden heilen schlechter, es kommt schneller zu allergischen Reaktionen."

Andauernder Stress könne zudem langfristig zu schweren Leiden führen, wie Autoimmunerkrankungen oder Krebs. Dieser Zusammenhang lasse sich anhand von Entzündungswerten ebenso nachweisen, wie umgekehrt die positive Wirkung von Achtsamkeit und stabilen sozialen Bindungen auf die Selbstheilungskräfte. Dennoch werde dies in der ärztlichen Praxis zu wenig berücksichtigt.

Paradigmenwechsel in der Medizin gefordert 

"Die klassische medizinische Behandlung erschöpft sich leider häufig im Verschreiben von Medikamenten und in chirurgischen Eingriffen."

Kliniken ähnelten all zu oft "Menschen-Reparaturwerkstätten", das Geld werde oft an den falschen Stellen ausgegeben.

"Ich bin überzeugt, dass es längst nicht mehr darum geht, dass die Menschen gesund werden. Man verdient viel mehr an kranken Menschen."

Der Psychologe fordert einen Paradigmenwechsel in der Medizin:

"So wie Muskeln, Sehnen und Wirbel miteinander verbunden sind, so sind auch Körper und Seele als eine Einheit zu betrachten. Und ich weiß, dass genau hier der Schlüssel zu einer besseren, individuelleren und erfolgreicheren Medizin liegt."

Wie hängen Psyche, Gesundheit und Krankheit zusammen? Darüber spricht Klaus Pokatzky heute von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Christian Schubert.

Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:
Über Prof. Dr. Christian Schubert: http://www.christian-schubert.at/

Literaturhinweis:
Christian Schubert und Madeleine Amberger: "Was uns krank macht, was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin", Fischer & Gann-Verlag, 2016

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