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Interview | Beitrag vom 10.08.2017

Markus Beckedahl über Googles Infobox"Ein zweischneidiges Schwert"

Markus Beckedahl im Gespräch mit Julius Stucke und Axel Rahmlow

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Ein Laptop mit Symbolen von Google-Diensten (imago/Ulrich Roth)
Die Welt ist eine Google: Wer seine Informationen ausschließlich von dem IT-Konzern erhält, muss diese genau einschätzen können, meint Netzaktivist Markus Beckedahl. (imago/Ulrich Roth)

Vor einer Wahl interessieren sich die Wähler ganz besonders für die Positionen der Politiker. Mit individuellen Infoboxen möchte Google nun im Bundestagswahlkampf mitmischen. Journalistische Zwischenfilter entfallen dabei jedoch. Netzaktivist Markus Beckedahl findet das heikel.

Mit einer Infobox möchte der Suchmaschinenanbieter Google den bundesweit rund 4000 zur Bundestagswahl aufgestellten Politikern die Möglichkeit geben, ihre Positionen im Netz zu platzieren - an prominenter Stelle und leicht auffindbar. Medienjournalist und Netzaktivist Markus Beckedahl vom Berliner Online-Magazin Netzpolitik hält das Angebot für "ein zweischneidiges Schwert", wie er im Gespräch im Deutschlandfunk Kultur erklärt.

Den Serviceaspekt könne er zwar gut nachvollziehen: Google sei ein streng serviceorientiertes Unternehmen, das sich stets frage, was die Suchmaschinennutzer eigentlich wollen. Vor der Bundestagswahl suchen viele nach Informationen - ein Prozess, den Google mit seinem Angebot optimiere. Jedoch gestatte es der IT-Konzern den Politikern damit auch, sich in Szene zu setzen. 

Filterfunktion von Journalisten

Aus "medien- und demokratietheoretischer Sicht" sei das durchaus bedenkenswert, sagte Beckedahl. Denn: 

"In der früheren Medienwelt gab es Filter in Form von Journalisten, die erstmal kritisch drauf geschaut haben, ob die Aussagen von Politikern im besten Fall stimmen. Oder diese einem Fact-Checking unterziehen, bevor dann bei den Rezipienten diese Infos ankommen. Google hat auch durch seine Arbeit, durch seine Suchmaschine diese Zwischenrollen aufgehoben.

Das heißt, sie bieten einen direkten, ungefilterten Zugang zu Politikerversprechen, wo gar nicht klar ist: Stimmt das jetzt? Kann der Politiker oder die Politikerin das überhaupt einhalten? Hat die Politikerin vielleicht  früher was ganz anderes gesagt? Diese Zwischenfilter fallen weg. Für die einen ist das ein super Service. Für die anderen - da wissen wir nicht, wie sich das auswirken wird."

Markus Beckedahl beim Start der 10. Ausgabe der Digitalkonferenz re:publica im Jahr 2016 (picture alliance / dpa - Sophia Kembowski)Der Medienjournalist Markus Beckedahl in einer Aufnahme von 2016 (picture alliance / dpa - Sophia Kembowski)

Medienöffentlichkeit im Wandel

Für die Handhabe dieses Angebots brauche es demnach ein hohes Maß an Medienkompetenz, unterstrich Beckedahl:

"Es könnte spannend werden zu sehen, ob tatsächlich die Suchmaschinennutzer verstehen werden, ob das jetzt Wahlkampfaussagen sind oder ob das neutrale Informationen sind. Viele Menschen nutzen ja Suchmaschinen wie Google und haben noch nicht ausreichend gelernt, mangels Medienbildung und -vermittlung, dass nicht alles, was da steht, auch stimmt.

Früher konnte man sich weitgehend auf Journalismus verlassen, das Ganze einzuordnen. In der heutigen neuen Öffentlichkeit verändert sich das alles rasant. Und ich weiß nicht, ob das Publikum dem jetzt schon hundertprozentig hinterherkommt."

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