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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.03.2015

Marianna SalzmannWas passiert im Studio Я?

Moderation: Britta Bürger

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Die Schriftstellerin und Dramaturgin Marianna Salzmann (privat)
Die Schriftstellerin und Dramaturgin Marianna Salzmann (privat)

Hausautorin, Dramaturgin und Leiterin des Studio Я: Marianna Salzmann ist erst 29 Jahre alt und hat schon einen bekannten Namen am Berliner Maxim-Gorki-Theater. "Im Gespräch" äußert sie sich über Gesellschaftskritik, die deutsche Provinz - und Theater als lebendiges Medium.

"Muttermale Fenster blau" und "Muttersprache Mameloschn" heißen zwei ihrer preisgekrönten Theaterstücke. Mit ihren 29 Jahren kann die Theaterautorin und Regisseurin Marianna Salzmann schon auf ein beachtliches Werk und eine Vielzahl von Preisen zurückblicken. Mit zehn Jahren kam sie aus dem russischen Wolgograd nach Deutschland.

Als Hausautorin des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin schreibt sie pro Spielzeit ein Stück, arbeitet als Dramaturgin und kümmert sich gleichzeitig um das von ihr mit aufgebaute Studio Я, die ehemalige Studiobühne des Theaters. Außerdem ist sie Mitherausgeberin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext.

Ihre Inspiration findet sie im Lebensalltag unserer Gesellschaft sowie in der deutschen Politik. Beides ist in ihren Augen alles andere als perfekt: So finde sie es "wahnsinnig brutal", wie Deutschland das Grundrecht auf Asyl "fast zunichte macht", sagt sie. "Ich bin überhaupt nicht illusioniert, was Deutschland angeht." Auch den Hype um die "vermeintlich heile Insel Berlin" könne sie nicht mittragen.

"Von wegen: Niemandem geht es schlecht hier"

Durch ihre Arbeit im Studio Я merke sie, in welchen Verhältnissen Menschen hier leben und arbeiten müssten: "Sie kommen zu uns wahnsinnig prekarisiert, zum Teil unversichert, und du denkst: von wegen soziales Netz! Von wegen: Niemandem geht es schlecht in Deutschland!" Nichtsdestotrotz lebe sie sehr gern hier.

Immer wieder setzt sich Marianna Salzmann auch mit ihren jüdischen Wurzeln auseinander. Sie sei zwar nicht religiös, aber kulturell spiele ihre jüdische Identität eine große Rolle. Früher habe es in Deutschland "einen positiv rassistischen Blick" auf sie gegeben, erinnert sie sich. Das sei zwar nicht besonders förderlich gewesen: "Aber ich hatte immer das Gefühl, dass Juden per se etwas Gutes waren."

Inzwischen kehre der Antisemitismus aber "in so einer Brutalität" wieder zurück. So habe ihr sieben Jahre jüngerer Bruder auf deselben Gymnasium wie sie ganz andere Erfahrungen gemacht: "Bei ihm war Jude schon ein Schimpfwort auf dem Schulhof."

Wie hat sie das Theater aus der Enge der deutschen Provinz gerettet? Wann wird ein Inhalt so drängend, dass man darüber schreiben muss? Und was passiert im "Studio Я"?

Mehr zum Thema:

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