Seit 15:05 Uhr Interpretationen
 

Sonntag, 19.11.2017

Lesart | Beitrag vom 17.07.2017

Mariana Leky: "Was man von hier aus sehen kann"Vor dem Tod und vor der Liebe

Von Manuela Reichart

Beitrag hören Podcast abonnieren
Trauergesellschaft an seinem Sarg / Buchcover (Imago / epd / Buchcover Dumont)
Trauergesellschaft an seinem Sarg / Buchcover (Imago / epd / Buchcover Dumont)

Einer alten Frau erscheint in der Nacht ein Okapi. Es ist ein Zeichen: Sie träumt regelmäßig den Tod voraus - allerdings sieht sie dabei nicht, wer sterben wird. Mariana Leky erzählt in ihrem Roman vom Le­ben, Lieben und Sterben auf dem Land.

Eine Dorfgemeinschaft im Westerwald voll ungewöhnlicher Bewohner: Die kluge, in die Zukunft träu­mende Großmutter der Ich-Erzählerin hat eine ausgeprägte Leidenschaft für alkoholgesät­tigte Prali­nen und großes Mitgefühl für andere Menschen. Sie wohnt in ei­nem alten Haus mit baufälligem Boden, das einst ihr verstorbener Mann gebaut hatte. Ihr Sohn ist Arzt und will endlich in die Welt, die Schwiegertochter braucht schon zu lange, um aus dem gemein­samen Leben auszubrechen, und der Freund traut sich seit Jahrzehn­ten nicht, der alten Selma seine Liebe zu gestehen, obwohl es doch so­wieso alle wissen.

Die­ser alte Freund ist Optiker und trägt in seinem Ein-Mann-Laden gerne die Plakette "Mit­arbeiter des Monats". Außerdem kommen vor: ein gewalttätiger Mann, der sei­nen Sohn durch ei­nen tragischen Unfall verliert, in dessen Folge er zum guten wird, eine Frau, die nicht ganz bei Trost ist, ein uralter Hund, ein Mann mit wunderschönen blauen Au­gen, der in Japan als Bud­dhist lebt, aber aus Hessen stammt und ein Bauer, der sich über Selmas Traum wirklich freut, denn er ist uralt und "der festen Überzeu­gung, dass der Tod höf­lich sein würde, so wie Bauer Häubel selbst es sein Leben lang war. Er war si­cher, dass der Tod ihm das Leben nicht entrei­ßen, sondern behut­sam aus der Hand neh­men würde."

Es gibt den Beweis für die wahre Liebe

Mariana Leky führt ihren skurril-eigensinnigen Personenreigen gekonnt und voller Em­pa­thie durch eine verwi­ckelte Geschichte, die virtuos zwischen den Zeiten springt und von nichts weni­ger erzählt als dem Leben, der Liebe und dem Tod.

Immer hatte der Okapitraum einen Todesfall nach sich gezogen. Deswegen wollen "die ei­gent­­lich unabergläubischen Leute im Dorf" alles tun, um von sich abzulenken. Wie sie das machen, warum es schade ist, "dass die Zeit schneller vergeht, je älter man wird", und warum man sich die Abenteuer, für die man gemacht ist, nicht immer aussuchen kann, darum geht es in diesem lebenssatten, sympathischen und gekonnt erzählten Ro­man, an dessen Ende sich die wahre Liebe darin beweist, dass ein weit gereister Mann warten kann.

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann
Dumont Verlag, Köln 2017, 320 Seiten, 20 Euro

Lesart

Wundermittel oder Krebsgefahr?Der Kampf um Glyphosat & Co.
Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) Ende März über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze zur Saatbettbereinigung Glykosphat aus (undatierte Aufnahme). Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und der vollständigen Nennung der Quelle) - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa (Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa)

Ist Glyphosat ein ungefährliches Wundermittel zur Bekämpfung von Unkraut? Oder schädigt es die DNA und zerstört die Vielfalt unserer Natur? Wir diskutieren mit dem Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden und dem Dokumentarfilmer Alexander Schiebel über die leidenschaftlich geführte Debatte. Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur