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Kompass / Archiv | Beitrag vom 09.08.2005

Männerröcke für alle

Das Münchner Modelabel MenInTime ist Spezialist für Männerbeinkleider

Von Katinka Strassberger

Schottenröcke sind viel zu konventionell für die Münchner Designer Landinger und Anders. (AP Archiv)
Schottenröcke sind viel zu konventionell für die Münchner Designer Landinger und Anders. (AP Archiv)

Schotten tragen sie schon lange, Stars wie David Bowie oder Robin Williams haben gezeigt, dass sie durchaus kleidsam sind: Röcke für Männer. Ein kleines Modelabel in München hat sich ganz auf die aparten Beinkleider für die Herren spezialisiert.

Robert Landinger: " Wir haben zwar auch ein paar karierte Röcke, die aber definitiv keine Kilts sind. Kilts sind eine sehr traditionelle Geschichte. Ein karierter Rock ist für die Leute so ein Bild: das darf man.
So einen Kilt oder auch eine Lederhose trägt man auf einer Hochzeit, auf einer Kindstaufe, aber nicht im normalen Leben. Wir wollen, dass man den Rock zu jeder Gelegenheit anzieht."

Wir - das sind Robert Landinger, Designer und Musiker, und Doreen Anders, Designerin und Schneiderin, beide Mitte 30. Gemeinsam gründeten sie vor sechs Jahren ihr Modelabel MenInTime, um etwas frischen Wind in die ansonsten ja eher langweilige Männermode zu bringen.

Angefangen hat alles mit langen Wickelröcken, die Robert Landinger aus Bequemlichkeitsgründen im Sommer gerne auf der Bühne trug. Dann kam der kalte bayerische Winter und er suchte nach einem wärmeren Exemplar - ohne Erfolg. Doch dann trat glücklicherweise Doreen Anders in sein Leben:

Doreen Anders: ""Weil ich ja Schneiderin bin, habe ich gesagt: weißt du was - ich mach dir einen Rock. Wir haben ein bisschen herumexperimentiert, ich hab ihm den Rock genäht, er hat ihn nicht mehr ausgezogen, und ist dann damit die Woche danach bummeln gegangen, war auch in seinem Stammladen und der Verkäufer sagte: "Das ist ja stark, was hast du denn da an?" Und er hat eine große Klappe und sagte: "Ja, das ist unsere eigene Kollektion." Super, meinte der, "kannst Du liefern? Ich nehme fünf". Daraufhin rief mich Robert an, ich hab damals noch in einer Boutique gearbeitet und sagte: "Hi, wir müssen eine Firma gründen". "Was für eine Firma?". "Ja, eine mit Männerröcken! Ich hab die ersten fünf schon verkauft." Ja, wir haben's gemacht." (lacht)

Und das mit großem Erfolg. Sogar Museen interessieren sich mittlerweile für ihre Kreationen. 2003 waren sie an der Ausstellung "Bravehearts - Men In Skirts" im New Yorker Metropolitan Museum Of Arts beteiligt. In ihrem kleinen Atelier mitten in der Münchner Innenstadt stapeln sich Stoffballen aller Art: Baumwolle, Seide, Leinen und edle Wollstoffe.

Ihre Modelle schneidern sie nicht nur für Kunden in aller Welt, sie tragen sie auch selbst. Doreen Anders erschien bei unserem Treffen eher schlicht, ganz in schwarz, Robert Landinger dagegen schrill und bunt: zum groß gemusterten langen Jeansrock im 70er Jahre Retro-Look trug er ein ebenso farbenfrohes Strickoberteil mit V-Ausschnitt, dazu Glatze und ein Ulbrichtbärtchen, aus dem lange afrikanische Zöpfe herausbaumelten.

Robert Landinger: "Also wir werden immer nach einer Zielgruppe gefragt, der Jüngste ist fünf, der älteste knapp 80. Vom Internet her ist es schwierig zu sagen, aber wenn ich die nehme, die hier in den Laden kommen: Das sind oft normale Paare. Es ist sicher ein homosexueller Anteil da, das hat man immer, wenn man was Besonderes macht. Wir haben die Theorie, dass Schwule eher ein Problem haben, einen Rock zu tragen, wenn sie sich noch nicht geoutet haben."

Sich öffentlich in einem Männerrock zu zeigen, dazu gehört immer noch etwas Mut, auch wenn einige Promis bereits mit gutem Beispiel voran gehen. David Bowie etwa, der gerne bei Gaultier schneidern ließ. Robert Landinger hat es lieber etwas dezenter:

"Bei uns schreit nicht jeder Männerrock von Ferne schon "Ich bin ein Rock!" Bei vielen anderen Designern z. B. einem, den jeder kennt, Gaultier, finde ich es eigentlich sehr schade, dass er eher schocken will, als die Männer damit wirklich anziehen."

Doreen Anders: " Die meisten Leute sind ganz überrascht, wenn sie unsere Modelle sehen, die sagen dann: Ach, so kann das also ausschauen! Bei unseren Röcken ist ganz wichtig, man sieht zwar von der Silhouette, dass es ein Rock ist, aber wir sind da so schlicht gehalten, dass es nicht so auffällt. Ich glaub, dass das ästhetisch angenehm ist zu sehen."

Genau das ist es, was nicht nur Benjamin Neudek an ihren Modellen sehr schätzt. Er arbeitet als Erzieher in München und betreibt einen Stammtisch, wo sich begeisterte Rockträger regelmäßig treffen können. Bei unserem Gespräch trug er einen langen schwarzen Rock mit Kuhfellmuster zum schlichten schwarzen T-Shirt.

Benjamin Neudek: "Ich trage sehr häufig Röcke, auch am Arbeitsplatz, da habe ich wenig Probleme. Es ist sehr angenehm, man hat unten nichts, was einen irgendwie einschnürt, man fühlt sich frei. Man fällt natürlich auf auf der Strasse. Aber das ist mittlerweile für mich einfach Alltag."

Benjamin Neudek sieht im Rock nicht nur toll aus, findet Doreen Anders, sondern tut darüber hinaus auch noch etwas für seine Gesundheit:

Doreen Anders: " Also wenn man's jetzt aus der Sicht des Dermatologen sieht, ist es klar, dass mit einem Rock die Luft besser zirkulieren kann, das ist besser für die Haut. Wenn man es aus der Sicht des Urologen betrachtet, ist es wohl für jeden einleuchtend, wenn ein Mann den ganzen Tag in einer engen Hose sitzt, dass das nicht gut ist für die Zeugungsfähigkeit und es definitiv besser wäre, einen Rock zu tragen."

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Externe Links:

Modelabel MenInTime

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