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Im Gespräch | Beitrag vom 21.04.2018

Loslassen könnenVon leichten und schweren Abschieden

Christine Westermann und Peter Walschburger im Gespräch mit Gisela Steinhauer

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Abschiednehmen  (imago/McPHOTO/S.Niehoff)
"Es kann nur etwas Neues kommen, wenn etwas Altes geht." (imago/McPHOTO/S.Niehoff)

Abschiede begleiten uns ein Leben lang: Trennung vom Partner, der Verlust eines geliebten Menschen, vom Jungsein, körperlicher Fitness. Wozu sind Abschiede gut und kann man lernen, damit umzugehen? Darüber diskutieren die Autorin Christine Westermann und der Biopsychologe Peter Walschburger mit Hörern.

"An einem Abgrund zu stehen und springen zu müssen, ohne zu wissen, was einen auffangen könnte", so beschreibt Christine Westermann das Gefühl, das sie oft hatte, wenn es ans Abschiednehmen ging. Die Fernsehmoderatorin und Autorin hat im Laufe ihres Lebens viele dieser Umbruchsituationen erlebt. Der wohl schwerste Abschied war der von ihrem Vater; er starb, als sie 13 Jahre alt war.

Diese Erfahrung sei wie eine "emotionale Dunkelkammer" gewesen. Lange habe sie geglaubt, dass Abschiede nur schlimm sein könnten. Erst später lernte sie: "Es kann nur etwas Neues kommen, wenn etwas Altes geht. Das ist ebenso abgenudelt wie wahr."

Abschiede haben auch etwas Positives

Über ihre Erfahrungen mit großen und kleinen Abschieden erzählt sie in ihrem Buch "Manchmal ist es federleicht". Mit mittlerweile 69 Jahren weiß sie Abschieden auch immer mehr Positives abzugewinnen:

"Ich glaube, man bekommt im Alter, wenn die Schönheit geht oder Dinge, die man hatte, als man jung war, – man bekommt andere Geschenke. Und das finde ich sehr schön. Ich bekomme eine unglaubliche Gelassenheit und ich kann auf Dinge gucken. Und ich merke, dass ich immer noch lerne, dass ich sehr, sehr ruhig geworden bin; dass ich viel freundlicher bin, dass ich mich sehr viel weniger aufrege."

"Die menschliche Entwicklung ist eine Abfolge von Entwicklungsphasen, in denen es um Umbrüche geht", sagt der emeritierte Biopsychologe Prof. Dr. Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin.

Ohne Abschiede keine Weiterentwicklung

Ohne Veränderungen, ohne Abschiede könnten wir uns nicht weiterentwickeln. "Die Jungen sind geborene Rebellen; sie müssen Abschied nehmen."

In späteren Lebensphasen falle vielen die Anpassung an Umbrüche schwerer: zum Beispiel, wenn man merke, dass man eben nicht mehr 20 ist und man sich von manchen Lebensträumen verabschieden müsse.

Sein Rat: "Eine Liste aufstellen mit dem, was man erreicht hat – und was man verändern möchte."

Es sei nie zu spät, nach einem Abschied etwas Neues zu beginnen. Frei nach Hermann Hesse: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …". 

Loslassen können – Von leichten und schweren Abschieden

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer am Sonnabend von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Christine Westermann und Peter Walschburger. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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