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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 24.09.2007

Loblied auf das Kohlendioxid

Kurt G. Blüchel: "Der Klimaschwindel", C. Bertelsmann Verlag, München 2007, 334 Seiten

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Steinkohlekraftwerk in Deutschland (AP)
Steinkohlekraftwerk in Deutschland (AP)

Allen neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz bemüht der Journalist Kurt G. Blüchel in seinem Buch "Der Klimaschwindel" zweifelhafte Argumente, um darzulegen, dass es den Klimawandel schon immer gegeben hat. Für ihn ist die akute Erderwärmung eine gewöhnliche Temperaturschwankung.

CO² ist gut für das Klima, die Menschen und die sonstige Natur. Es gibt keinen Treibhauseffekt, schon gar keinen, den Umweltminister beeinflussen könnten. Die akute Erderwärmung ist eine gewöhnliche Temperaturschwankung, der UN-Weltklimarat (IPCC) ist ein politisches Manipulationsgremium und wissenschaftlich unseriös: Diese Thesen vertritt der Journalist und Sachbuchautor Kurt G. Blüchel in "Der Klimaschwindel". Blüchel munitioniert sich mit den Argumenten der wissenschaftlich-publizistischen Fraktion, die jene energiepolitisch und ökonomisch folgenreichen, bisweilen krass hysterischen Kassandra-Gesänge ("Klimakatastrophe ab 2015 unumkehrbar") für geistige Barbarei halten. Blüchels polemisches, oft grob gestricktes Werk bringt den Leser exemplarisch in Verlegenheit: Innerhalb der streitenden Expertenkulturen kann er das bessere Argument kaum identifizieren; am Ende bleibt die Frage, wer Autorität überhaupt beanspruchen kann und welcher Autorität man glaubt.

Am Anfang von "Der Klimaschwindel" blickt Kurt G. Blüchel auf Paradies- und Sintflutmythen aus vorchristlicher Zeit zurück, in denen man heute Auseinandersetzungen mit realen Klimaschwankungen und -katastrophen liest. Der Tenor: Klimawandel gab es immer und er hat immer die Kultur gewandelt.

"Porträt eines 'Killers'" heißt das entscheidende Kapitel zum CO². Blüchel wählt u. a. den ehemaligen ZDF-Meteorologen Wolfgang Thüne ("Der Treibhausschwindel") und den Klimatologen Bert Küppers als Gewährsmänner, um ein Loblied auf das akut verteufelte Kohlendioxid zu singen. Nicht die Absenkung der CO²-Konzentration, sondern die Erhöhung (wie in Gewächshäusern üblich) würde der Biosphäre nutzen und zu vermehrtem Pflanzen- und Tierwachstum - mit allen Vorteilen für den Menschen führen - bis dann "CO²-Fresser" für die passende "Schwellenkonzentration" sorgen. Die beklagte Erd-Erwärmung durch industriellen CO²-Ausstoß ist für Küppers schlicht ein Märchen. Er zitiert Schätzungen, nach denen durch Insekten-Atmung "etwa 100-mal mehr CO²-Emissionen" erzeugt werden als durch Abgase menschlicher Herkunft. Und für die Erdtemperatur selbst gelte wie für die CO²-Konzentration: Je höher, je besser, zumindest im Prinzip und in Grenzen.

Rasch skizziert Blüchel, warum die Erde kein Treibhaus ist und dennoch als (zum Weltraum) offenes System ihre Temperatur halten kann. Er macht Sonnenaktivität für irdische Klimaschwankungen verantwortlich. Und egal welches Unterthema: Teils wutschnaubende Ausfälle gegen die "getürkten IPCC-Schreckenszenarien" sind der Refrain des Werks. Blüchel ist von einer Gesamtweltverdummung durch opportunistische Klimaexperten im "politischen Begünstigungsmäntelchen" (Thüne) überzeugt. Dass das Klima anhand von Computersimulationen geweissagt wird, hält er für den theoretischen Offenbarungseid, denn solche Klimaforschung sei "weder Naturwissenschaft im weiteren noch Physik im engeren Sinn". In der Summe stehen alle Parteigänger der IPCC-Thesen - wie etwa Großumweltschützer Al Gore - lächerlich-dümmlich da, die Gegen-Experten namentlich in Spiegel und FAZ erhalten Ritterschläge für Redlichkeit.

Am Ende des CO²-Lobs hat Blüchel sein Pulver zur aktuellen Diskussion verschossen. Die Kapitel zur Kontroverse 'Eiszeit oder Erwärmung?', zur Geschichte der Wettermanipulation und zum apokalyptischen Ton im Klimastreit verzögern nur die eigentliche, knappe Pointe. Blüchel hält das unterseeisch gespeicherte Methangas für den potentiellen Klimakiller Nr. 1 und gleichzeitig für die wichtigste Energiequelle der Zukunft.

"Der Klimaschwindel" lässt jederzeit erkennen, dass Kurt G. Blüchel selbst keine Klima-Autorität ist. Der dünne Anmerkungsapparat offenbart, dass er oft nicht die Forschung rezipiert, sondern Zeitungs- und Zeitschriftenartikel von Parteigängern. Viele sachliche Passagen sind durchsichtig auf simple Lexikon- und Einführungsartikel. Blüchels notorische Häme schwächt die Überzeugungskraft seiner - stets geliehenen - Argumente. Und dennoch: Einige der Fragezeichen, die man hinter Blüchels Ausführungen setzen muss, gehören genauso hinter die Prophezeiungen und falschen Gewissheiten der politischen Klimawächter. Mit Blick auf die Extrempositionen erscheint der Klimawandel als Vexierbild, dem der Weltuntergang genauso eingetragen ist wie blühende Landschaften.

Rezensiert von Arno Orzessek

Kurt G. Blüchel: Der Klimaschwindel. Erderwärmung Treibhauseffekt Klimawandel - Die Fakten
C. Bertelsmann Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2007
334 Seiten, 14,95 Euro

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