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Dienstag, 16.01.2018

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.09.2015

Lobby Control zum VW-Abgas-Skandal"Schützende Hand der Politik über der Autoindustrie"

Timo Lange im Gespräch mit Katja Schlesinger und Frank Meyer

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Ein kaputter grüner VW (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
"Man hat manchmal den Eindruck, die Autoindustrie sieht die Bundesregierung oder die Politik so ein bisschen als Handlanger ihrer Interessen", kritisiert Timo Lange von Lobby Control. (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)

Die Automobilindustrie gehöre "ganz klar" zu den einflussreichsten Lobbygruppen in Deutschland, sagt Timo Lange vom Verein Lobby Control. Das zeige sich auch beim VW-Skandal, denn das betrügerische Prüfverfahren werde schon länger kritisiert.

Timo Lange, Leiter des Berliner Büros des Vereins Lobby Control, bemängelt den hohen Stellenwert der Autohersteller und deren Einfluss.

"Das hat (...) eine lange Tradition. Man hat manchmal den Eindruck, die Autoindustrie sieht die Bundesregierung oder die Politik so ein bisschen als Handlanger ihrer Interessen", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Das Emissions-Prüfverfahren für PKW, bei dem es im jüngsten VW-Skandal gehe, stehe schon lange in der Kritik, so Lange. Es sei ferner auch schon länger bekannt, dass viele Hersteller die neue EU-Abgasnorm für Dieselfahrzeuge hinsichtlich der Stickoxid-Grenzwerte nicht einhalten würden:

"Die Politik scheint hier aber in Deutschland doch eher eine schützende Hand über die Autoindustrie zu legen."

Lange: Autoindustrie bauscht ihre Mitarbeiterzahl auf

Wenn es um Regulierungen und strengere Vorschriften gehe, werde seitens der Automobilindustrie schnell das Argument des drohenden Arbeitsplatzverlustes vorgebracht, meinte Lange. Hier "plustere" man sich allerdings auf:

"Indem man sozusagen die Zahl der Mitarbeiter, die von der Automobilindustrie abhängen, sehr weit nach oben schraubt. Das lässt sich ganz gut machen, indem man eben die Grundannahmen der Studien verändert."

Bei diesen Arbeitsplatzzahlen würden oft auch indirekte und induzierte Arbeitsplätze berücksichtigt werden, bemängelte Lange:

"Das ist ein bisschen irreführend, alle diese Jobs, die irgendwie im weitesten Sinne mit der Automobilindustrie zusammenhängen, direkt dort einzurechnen. Bei einer realistischen Zahl spricht man eher von einer Million Arbeitsplätzen, was immer noch viele sind."

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