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Donnerstag, 18.01.2018

Frühkritik | Beitrag vom 22.12.2017

Liza Cody: "Krokodile und edle Ziele"Zu viele Vielleichts

Von Sonja Hartl

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Buchcover Liza Cody: Krokodile und edle Ziele (Ariadne / dpa)
"Krokodile und edle Ziele" - Lady Bag ist back! (Ariadne / dpa)

Runter von der Straße, Schluss mit dem Alkohol, zurück in ein geordnetes Leben – Angela May, besser bekannt als "Lady Bag", kommt aus dem Gefängnis frei und will mit ihrem alten Leben brechen. Doch nichts läuft nach ihren Vorstellungen.

Lady Bag ist back! Nachdem die obdachlose Angela May am Ende von Liza Codys "Lady Bag" im Gefängnis landete, setzt der zweite Teil "Krokodile und edle Ziele" wenige Monate später am Ende ihrer Haftstrafe ein. Sie hat neue Zähne bekommen, die zwar nicht richtig passen, aber immerhin ihr gehören. Außerdem ist sie trocken, gegen ihren Willen, doch im Gefängnis hat sie niemand gefragt. Also giert sie der Freiheit vor allem aus zwei Gründen entgegen: ihrer Hündin Elektra, die sie als einzige auf der Welt zu verstehen scheint, und Rotwein.

Entführungen, Hausbesetzungen, Angriffe

Allerdings hat sie sich im Gefängnis von ihrer Zellengenossin Kerrilla das Versprechen abnehmen lassen, nach ihrer Entlassung nach deren Sohn Connor zu schauen, der bei der Oma lebt. Anfangs hat sie natürlich keineswegs vor, sich an ihr Versprechen zu halten. Schließlich ist sie nun endlich wieder frei. Aber nichts läuft nach ihren Vorstellungen: Ihre liebenswürdige Bewährungshelferin Kaylee Yost will verhindern, dass sie wieder obdachlos wird und säuft, die einzigen beiden Menschen, die dem nahekommen, was man Freunde nennen könnte, haben sich anscheinend gegen sie verschworen und sind nun nahezu bürgerlich geworden. Außerdem scheinen sie und Elektra langsam zu alt für das Leben auf der Straße zu werden. Deshalb macht sie sich doch auf den Weg, um nach Kerrillas Sohn zu schauen – und handelt sich gewaltigen Ärger ein - mit Entführungen, Hausbesetzungen und tätlichen Angriffen.

Eigentlich wollte Liza Cody keine Reihen mehr schreiben, aber mit "Edle Ziele und Krokodile" liegt nun doch der zweite Roman mit Lady Bag vor. Er erzählt von Alkoholsucht und dem Leben auf der Straße, von Kindesmisshandlung und missbräuchlicher Liebe, von Kontrolle und Freiheit. Dabei bleibt er perspektivisch so eng an Lady Bag, dass ihre Entwicklung nicht einfach geschildert, sondern miterlebt wird – so dass man auf Gedeih und Verderben Lady Bags Entscheidungen und Leben ausgeliefert ist. Oftmals reagiert sie impulsiv, aber immer in der Absicht zu überleben, und wird mit schmerzhaften Erkenntnissen über eigene Fehler konfrontiert.

Gesellschaft ohne Herz

"So viele Vielleichts, so wenig Gewissheit" konstatiert sie an einer Stelle – und es sind die Vielleichts, die diesen Roman vorantreiben. Dabei blickt Liza Cody hellsichtig auf eine Gesellschaft, in der Obdachlose ausgestoßen und oftmals schutzlos der Willkür anderer ausgeliefert sind. Es ist eine Gesellschaft, die scheinbar angepasstes Verhalten eher toleriert als eine Schwäche, die lieber nicht genau hinsieht, wenn ein Kind misshandelt wird, und in der nur wenige tatsächlich ein Herz besitzen.

Liza Cody: Krokodile und edle Ziele
Aus dem Englischen von Elsa Laudan
Ariadne, Hamburg 2017
432 Seiten, 20 Euro

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