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Sonntagmorgen | Beitrag vom 13.08.2017

Linkshänder Lechts und Rinks

Von Matthias Hanselmann

Jimi Hendrix beim Auftritt auf Fehmarn. (Lutz Rauschnick )
Jimi Hendrix beim Auftritt auf Fehmarn. (Lutz Rauschnick )

Fast alle Musikinstrumente sind asymmetrisch, besonders Tasten-, Harmonika- und Streichinstrumente. Sie können also nicht einfach spiegelbildlich gespielt werden. Deshalb lernen Linkshänder diese Instrumente bisher meist in gleicher Weise wie Rechtshänder. Es gibt aber viele Linkshänder, die trotz dieser "seitenfalschen" Spielweise großes Können erlangen.

In der Regel arbeiten unsere Hände zusammen: Die eine ist "dominant", übernimmt also die komplizierteren Tätigkeiten. Sie ist schneller, genauer, oft kräftiger als die andere. Diese assistiert der Haupthand, reicht zu, hält den Nagel, währen die andere den Hammer schwingt. Wissenschaftler nennen dies "Beidhändigkeit höherer Ordnung".

Warum aber die überwiegende Mehrheit der Menschen Rechtshänder ist, ist nicht abschließend erforscht. Es gibt Grund zur Annahme, dass es damit zusammenhängt, dass Menschen über Jahrhunderte umerzogen wurden. In manchen Kulturen galt die linke Hand als unrein, weil man sich mit ihr u.a. den After reinigte. Sie wurde daher nicht zum Essen oder zum Hand-Geben verwendet.

In Deutschland wurden noch bis in die 70er Jahre Linkshänder mit der Einschulung gezwungen, die rechte Hand als Schreibhand zu benutzen. Heute sieht man das meist anders: Beim Ausprobieren und Erkunden der Fähigkeiten beider Hände sollen Kinder möglichst nicht mehr beeinflusst werden. Die individuelle "Händigkeit" festigt sich während der ersten Lebensjahre.

Und hier zum "Nachsplechen" das vollständige Gedicht von Ernst Jandl:

lichtung 

manche meinen 
lechts und rinks 
kann man nicht 
velwechsern. 
werch ein illtum! 

(Ernst Jandl, Laut und Luise)

Musikalische Histörchen

Diese Gitarre trägt den Namen ihres Schöpfer: Les Paul. Er wurde 1915 in Wisconsin geboren, die Gitarre verließ 1952 die Fabrik. Dazwischen lagen Jahre der Entwicklung, die bereits 1934 begonnen hatten. Damals, als Les Paul noch Hillbilly-Musik spielte, wollte er schon mehr, als ihm die handelsüblichen E-Gitarren bieten konnten und legte folgerichtig selbst Hand an. Aber noch war die Zeit nicht reif, er machte weiter als DJ im Radio und als Musiker im Trio. Einen musikalischen Durchbruch brachte das Jahr 1944. Da durfte er als Ersatzmann bei "Jazz at the Philharmonic" und mit Nat King Cole auf der Bühne stehen. Im gleichen Jahr trat Bing Crosby in sein Leben und der bezahlte ihm nicht nur seine tontechnischen Experimente mit Multitrack-Aufnahmen, mit Crosby hatte 1945 auch seinen ersten Nummer 1-Hit: "It’s Been A Long, Long Time".

1949 heiratete er Mary Ford und das Paar feierte Pop-Erfolge und sicher nicht nur durch die von Les Paul entwickelten technischer Effekte wie Overdubbing und Tapedelay. Mit dem Song "How High The Moon" erklomm er zwar nicht den Erdtrabanten, aber die Spitzenposition der Charts, das war 1951. Und der Erfolg brachte dem Paar Les Paul und Mary Ford auch eine eigene Fernsehshow. Vier Jahre nach dem Ende der TV-Karriere, 1964, ließ sich Mary Ford scheiden und Ende des Jahrzehnt zog sich Les Paul mehr oder weniger aus dem Geschäft zurück. Doch so richtig zur Ruhe kam er nicht. 2004 begann er in Jazzclubs aufzutreten und kommentierte diese Auftritte mit den Worten: "Die Leute sind überrascht, dass weder eine Gitarre, noch ich tot bin". Gestorben ist der Mann, der dem Jazz und Rock, die Les Paul-Gitarre gab, an einer Lungenentzündung. Es war der 13. August 2009.
US-Gitarrist Les Paul, gestorben 12.08.2009 (picture alliance / dpa /  )US-Gitarrist Les Paul (picture alliance / dpa / )

Wer schrieb dieses Gedicht?

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Das "Sonntagmorgen"-Team erreichen Sie per E-Mail: sonntagmorgen@deutschlandfunkkultur.de.
Oder per Post: Deutschlandfunk Kultur, Hans-Rosenthal-Platz, 10825 Berlin;
Stichwort: Sonntagmorgen

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