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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.12.2015

Liedanalyse"Wir sind die Beatles" von Flowerpornoes

Von Florian Werner

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Szenenfoto aus dem "Beatles"-Film "A Hard Day's Night"  (picture alliance / dpa / Foto: dpa-Film Arthaus)
Szenenfoto aus dem "Beatles"-Film "A Hard Day's Night" mit Paul McCartney (l.), George Harrison, John Lennon (hinten r.) und Ringo Starr. (picture alliance / dpa / Foto: dpa-Film Arthaus)

Seit 1985 ist die Duisburger Indie-Band Flowerpornoes bereits im Musikgeschäft, der große Durchbruch gelang ihr bislang nicht. In einem neuen Song behauptet sie nun, die Beatles zu sein. Daraus ergeben sich einige Fragen, denen Florian Werner nachgeht.

"Wir sind die Beatles" ...

Ein erster Satz, vier Wörter nur - und schon eine offensichtliche Lüge: Es sind natürlich nicht die fabelhaften Vier aus Liverpool, die hier singen, sondern Tom Liwa und seine Band die Flowerpornoes aus Duisburg. Und was machen diese Wiedergänger der Fab Four?

"Wir sind die Beatles 
George, Paul, Ringo und John 
Wir machen diesen Scheiß schon seit der 
Industriellen Revolution."

Müde und viel zu lange dabei

Sie sind müde. Sie sind schon viel zu lange dabei. Und - der Verweis auf die industrielle Revolution liefert das Stichwort - sie fühlen sich von ihrer Kunst so entfremdet wie ein Fließbandarbeiter von dem Produkt, das er herstellt. Entfremdung, so Karl Marx, resultiert unter anderem daraus, dass der Arbeitende sich als unfrei empfindet: Er steht "im Dienst, unter der Herrschaft, dem Zwang und dem Joch eines anderen Menschen". Dies gilt den Flowerpornoes zufolge nun nicht nur für das Industrieproletariat, sondern auch für die Malocher in den Montagehallen des Pop:

"Wir sind die Beatles 
Und damit jeder uns mag 
Tun wir alles 
Was Brian Epstein uns sagt."

Tatsächlich hatten die Beatles ihrem Manager Brian Epstein zu Beginn ihrer Karriere vertraglich das Recht eingeräumt, sie "in sämtlichen Angelegenheiten" zu beraten, unter anderem "die Kleidung, Aussehen, Präsentation und Strukturierung des Auftritts betreffend". So wurden die Beatles zu den netten Schwiegersöhnchen im Anzug mit den zunächst eher harmlosen Texten:

Du-di-di-di-di-di 
Di-di-di-du-di-di  
Du-di-di-di-di-di  
Di-di-di-du-di-di.

Spätestens 1967 war es damit allerdings vorbei: Die Beatles ließen sich das Gesichts- und Haupthaar wachsen, nahmen LSD, zogen Fantasieuniformen an und feierten den Sommer der Liebe - auch wenn es bandintern bereits mächtig kriselte, wie die Flowerpornoes süffisant vermerken:

Wir sind die Beatles 
Im verflixten siebten Jahr 
Wir würden euch gerne mit nach Hause nehmen 
Aber nur zu Ringo Starr.

Ein Zeichen tiefgreifender Entfremdung

Das ist natürlich ein Verweis auf das Titelstück des Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" - für das die Beatles ihrerseits in die Rolle einer anderen Gruppe schlüpften:

It's wonderful to be here 
It's certainly a thrill 
You're such a lovely audience 
We'd like to take you home with us, we'd love to take you home

Was die Frage aufwirft: Wer singt hier überhaupt? Die Flowerpornoes behaupten, die Beatles zu sein - die behaupten aber, er handele sich bei ihnen um Sergeant Peppers Band der einsamen Herzen.

Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr sucht man in dieser fiktiven Formation allerdings vergebens, er nennt sich auf "Sgt. Pepper" Billy Shears - eine pseudonyme Figur, von der sich lange das Gerücht hielt, sie ersetze heimlich Paul McCartney, der 1966 bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei ...

Es ist also, gelinde gesagt, kompliziert. Vor allem aber ist es ein Zeichen tiefgreifender Entfremdung.

Du-di-di-di-di-di 
Di-di-di-du-di-di.

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(Deutschlandfunk, On Stage, 12.07.2013)

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