Seit 15:05 Uhr Interpretationen
 

Sonntag, 19.11.2017

Kulturnachrichten

Freitag, 27. Oktober 2017

Leo-Baeck-Preis für Norbert Lammert

Lammert habe sich nie gescheut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen

Der Zentralrat der Juden zeichnet den früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert mit dem Leo-Baeck-Preis aus. Lammert gehöre zu jenen Politikern, "die glaubwürdig und aus tiefer demokratischer Überzeugung die Verbrechen der NS-Zeit beim Namen nennen und Verantwortung für ihr heutiges politisches Handeln daraus ableiten", begründete Zentralrats-Präsident Josef Schuster in Berlin die Entscheidung. Der CDU-Politiker habe sich nie gescheut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, "vor allem wenn es um Hass gegen Juden in unserem Land geht". Der Leo-Baeck-Preis erinnert an den Rabbiner Leo Baeck, der ein bedeutender Vertreter des liberalen Judentums seiner Zeit war. Mit der Auszeichnung ehrt der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten, die sich für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben. Sie ist mit 10.000 Euro dotiert.

GEMA erleidet Niederlage beim Bundesgerichtshof

Musikverlage dürfen nicht pauschal beteiligt werden

Die GEMA muss im Rechtsstreit um die Vergütung von Kreativen eine Niederlage einstecken. Der Bundesgerichtshof (BGH) wies nach Angaben einer Sprecherin eine Beschwerde der Musik-Verwertungsgesellschaft gegen ein Urteil des Berliner Kammergerichts zurück. Dieses hatte 2016 entschieden, dass Musikverlage kein Recht haben, pauschal an den Urheberrechten von Komponisten und Textern beteiligt zu werden. Die Musikverlage dürfen demnach nicht ohne weiteres die Verlagsanteile von den Vergütungen für die Künstler abziehen. Geklagt hatten der ehemalige Piratenpolitiker und Musiker Bruno Kramm und sein Bandkollege Stefan Ackermann. Die GEMA habe nun damit begonnen, die Rechtsbeziehungen ihrer rund 70 000 Mitglieder abzufragen, erklärte die Gesellschaft. Schon jetzt stehe aber fest, dass der überwiegende Teil der Autoren die Zahlungen an die Verlage bestätigt habe. Nur ein Bruchteil der ausgeschütteten Gelder müsse daher zurückbezahlt werden.

Bachs h-Moll-Messe ist Weltdokumentenerbe

Beim Festakt wurde die Messe von den Berliner Philharmonikern gespielt

Das handschriftliche Manuskript der h-Moll-Messe aus der Feder des Komponisten Johann Sebastian Bach ist bei einem Festakt in Berlin mit einer Urkunde als Unesco-Weltdokumentenerbe ausgezeichnet worden. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Verena Metze-Mangold, überreichte in Berlin die Urkunde an Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Zu dem Festakt führten die Berliner Philharmoniker das Werk aus den Jahren 1748 und 1749 auf. Der Vorsitzende des deutschen Nominierungskomitees für das UNESCO-Weltdokumentenerbe, Joachim-Felix Leonhard, erklärte, die h-Moll-Messe stehe in einem weltweiten Register neben der Göttinger Gutenberg-Bibel, den Archiven des Warschauer Ghettos und den Kolonialarchiven Benins, Senegals und Tansanias.

Kasachstan will lateinische Buchstaben einführen

Ablösung des kyrillschen Alphabets bis 2025

Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew hat seine Regierung angewiesen, bis 2025 das kyrillische durch das lateinisches Alphabet zu ersetzen. Der zentralasiatische Staat entfernt sich damit ein kleines Stück von seinem engen Verbündeten Russland. Seit 1940 wird in Kasachstan das kyrillische Alphabet mit seinen 42 Buchstaben benutzt. Abgelöst werden soll das bisherige Alphabet durch 32 lateinische Buchstaben, die eine Sprachkommission der Regierung festgelegt hat. Viele Einwohner sind jedoch unzufrieden mit der Arbeit der Kommission. Für besonders viel Unmut sorgt die neue Schreibweise des Landes: "Qasaqstan". Nach Regierungsangaben ist die Umstellung Teil einer Modernisierungsstrategie des Landes.

Susanne Pfeffer wird Direktorin des Frankfurter MMK

Pfeffer kehrt damit zu ihren Wurzeln zurück

Die Kunsthistorikerin Susanne Pfeffer wird von Januar 2018 an die Leitung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) übernehmen. Pfeffer leitet derzeit das Fridericianum in Kassel. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie in diesem Jahr als Kuratorin des Deutschen Pavillons in Venedig, der als bester nationaler Beitrag mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Für Pfeffer ist die Leitung des Frankfurter Museums auch eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln: Von 2002 bis 2004 arbeitete sie bereits als Assistentin des damaligen Direktors Udo Kittelmann im MMK. Die postmoderne Architektur des MMK-Gebäudes, in dem kein Raum dem anderen gleiche, erlaube künstlerische und kuratorische Experimente, freute sich Pfeffer auf ihren künftigen Einsatzort. Vorgängerin Susanne Gaensheimer wechselte als Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nach Düsseldorf.

Günter Wallraff reist erneut in die Türkei

Journalist will "Cumhuriyet"-Prozess beobachten

Der Kölner Journalist Günter Wallraff reist am Sonntag erneut in die Türkei, um auf das Schicksal inhaftierter Kollegen aufmerksam zu machen. Das gelte besonders für den Fall des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel. In Deutschland erfahre Yücel zwar große Solidarität - in der Türkei lasse das aber zu wünschen übrig, sagte Wallraff der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Er will Yücels Anwalt und Ehefrau treffen. Am 31. Oktober verfolgt der Autor zudem die Fortsetzung des "Cumhuriyet"-Prozesses gegen 18 Angeklagte. Mehrere Mitarbeiter der Zeitung, deren früherer Chefredakteur Can Dündar in Berlin im Exil lebt, sitzen zum Teil seit vielen Monaten in Untersuchungshaft.

Neuer Intendant Kröck will Ruhrfestspiele "für alle"

Olaf Kröck übernimmt Mitte 2018 die Festspiele

Der neue Intendant der renommierten Ruhrfestspiele in Recklinghausen, Olaf Kröck, hat "poetische und politische" Festivals angekündigt. "Es sollen Festspiele für alle werden", sagte Kröck bei seiner Vorstellung. Sein Wunsch sei, dass die Festspielzeit zum "größten Fest der Stadt" werde. Der 45-Jährige löst am 1. August 2018 Frank Hoffmann ab, der das Theaterfestival dann 13 Jahre lang leitete. Kröck ist derzeit Interimsintendant am Bochumer Schauspielhaus. Die 1947 gegründeten Ruhrfestspiele gehören zu den ältesten und größten Theaterfestivals in Europa.

Osterkamp neuer Präsident der Akademie für Sprache

Ernst Osterkamp für drei Jahre gewählt

Der Literaturwissenschaftler Ernst Osterkamp ist neuer Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der 67-Jährige wurde auf der Herbsttagung bei der Mitgliederversammlung in Darmstadt gewählt. Osterkamp war von 1992 bis 2016 Professor für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er folgt auf Heinrich Detering. Der 57-Jährige war nach zwei Amtsperioden nicht mehr angetreten. Eine Amtszeit dauert drei Jahre.

Farbaktion am Trevi-Brunnen

Italienische Medien bemängeln zu wenig Kontrollen

Nachdem ein Aktivist das Wasser des Trevi-Brunnens in Rom rotgefärbt hat, bemängeln italienische Medien zu wenig Kontrollen. Graziano Cecchini, der sich selbst als "futuristischer Künstler" bezeichnet, hatte Färbemittel ins Wasserbassin der berühmten Fontäne gekippt, bevor er von der Polizei gefasst wurde.
Das Wasser des Brunnens wurde sofort abgestellt und Spezialisten zur Prüfung der Schäden gerufen, wie italienische Medien berichteten. Laut "Messaggero" wurde das Personal für die Kontrollen am Trevi-Brunnen erst jüngst aus Geldmangel gekürzt. Der Täter bekam eine Anzeige wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Verschmutzung von Kulturgütern und muss wegen Verstoß gegen die römische Brunnenordnung 500 Euro Strafe zahlen. Laut Polizeianagaben können solche Delikte mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und drei Jahren bestraft werden.

Deutscher Fernsehpreis wird 2018 in Köln verliehen

Turnusgemäß übernimmt Sat.1 die Ausrichtung der Veranstaltung

Der Deutsche Fernsehpreis 2018 wird am 26. Januar in Köln verliehen. Diese Entscheidung haben die Stifter getroffen, wie das Sekretariat des Fernsehpreises mitteilte. Turnusgemäß übernehme Sat.1 die Federführung für die Ausrichtung der Veranstaltung. Bei der Gala werden Produktionen, Macher und Darsteller in 25 Kategorien ausgezeichnet. 2017 fand die Preisverleihung in Düsseldorf statt. Preisträger waren unter anderem Jan Böhmermann, die Schauspieler Martin Brambach und Sonja Gerhardt sowie Darstellerin Senta Berger, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde.

Lebenszeichen von verschwundenem Buchhändler

Gui Minhai habe seine Frau treffen können, stehe aber noch unter Bewachung

Nach seiner Haftentlassung in China gibt es erstmals ein Lebenszeichen des Buchhändlers Gui Minhai. Bei Ling, ein chinesischer Schriftsteller und Freund des 57-Jährigen mit schwedischem Pass, teilte auf Twitter mit, dass Gui Minhai in der ostchinesischen Stadt Ningbo mit seiner Frau zusammengekommen sei und auch seine Mutter und Schwester habe treffen können. Bei Ling deutete aber an, dass sein Freund noch immer unter Bewachung stehe. Er halte sich demnach in einer Mietwohnung auf und warte auf eine Ausreiseerlaubnis. Er wolle nach Deutschland reisen. "Ich wünschte, er wäre komplett frei". Gui Minhai ist einer von fünf Buchhändlern, die in Hongkong heikle Bücher über China herausgegeben hatten und 2015 verschwunden waren. Alle fünf tauchten in China auf. Bis auf Gui Minhai sind alle wieder auf freiem Fuß. Drei von ihnen schweigen über die Vorfälle.

Neuer Geschäftsführer für Deutschen Museumsbund

Vorgängerin Schaluschke wechselt ans Museum für Kommunikation

David Vuillaume ist neuer Geschäftsführer des Deutschen Museumsbunds. Er übernimmt damit die Geschäfte von Anja Schaluschke, die an das Berliner Museum für Kommunikation wechselt, wie der Museumsbund in Berlin mitteilte. Der studierte Kunsthistoriker Vuillaume hatte zuvor zehn Jahre den Verband der Museen der Schweiz sowie den Schweizer Verband der Museumsfachleute als Geschäftsführer geleitet. Der Deutsche Museumsbund mit Sitz in Berlin wurde 1917 gegründet und hat derzeit rund 3.300 Mitglieder.

Araber als "Gerechter unter den Völkern" geehrt

Ägyptischer Arzt Mohamed Helmy hatte Juden vor den Nazis versteckt

Die israelische Gedenkstätte "Yad Vashem" hat zum ersten Mal einen Araber als "Gerechten unter den Völkern" ausgezeichnet. Bei einer Feierstunde in der israelischen Botschaft in Berlin wurde der Titel posthum an den Ägypter Mohamed Helmy verliehen. Der Arzt habe die Juden "als Menschen wahrgenommen" und "es als seine Pflicht empfunden, aufzustehen und zu handeln", erklärte Irena Steinfeldt, die die zuständige Abteilung der Holocaust-Gedenkstätte leitet. Der 1982 verstorbene Mediziner hatte während der NS-Zeit in Berlin gelebt und mehreren Juden das Leben gerettet. Die Ehrung "Gerechter unter den Völkern" ist die höchste Auszeichnung des Staates Israel für Nicht-Juden. Seit 1963 wird sie Menschen verliehen, die in der NS-Zeit ihr Leben riskierten, um jüdische Mitmenschen zu retten. Bisher wurden über 26.500 Männer und Frauen mit dem Titel geehrt, darunter 600 Deutsche und rund 70 Muslime. Ein Araber war bislang nicht dabei.

Hertie-Stiftung zeichnet Flüchtlingsprojekte aus

Integrationspreise gehen nach Freiburg, Frankfurt am Main und Berlin

Drei Flüchtlingsprojekte sind am Donnerstagabend mit dem Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung ausgezeichnet worden. Der erste Platz und 50.000 Euro gingen an das Projekt "Bike Bridge" aus Freiburg. Es richte sich an geflüchtete Frauen und soll deren soziale Integration mit Hilfe von Fahrradtraining, Touren und Ausflügen erleichtern, teilte die Stiftung mit. Den mit 30.000 Euro dotierten zweiten Rang eroberte das Projekt "ZuBaKa" aus Frankfurt, das jungen Flüchtlingen den Einstieg in den Schulalltag erleichtern will. Grundlage ist der Stiftung zufolge ein "Zukunftsbaukasten", aus dem individuell passende Elemente gewählt werden. Der mit 20.000 Euro verbundene dritte Preis ging an "Flüchtlinge Willkommen", ein Wohnraumprojekt aus Berlin. Es setzt auf dezentrale Unterbringung abseits von Massenunterkünften. Insgesamt hatten sich 250 Projekte um den Integrationspreis beworben, acht standen im Finale.

Weitere Frauen werfen Toback sexuelle Übergriffe vor

Selma Blair und Rachel McAdams berichten von obszönen Annäherungen

Der Filmregisseur James Toback ("Bugsy") soll zwei weitere Frauen sexuell belästigt haben. Das geht aus einem Interview des US-Magazins "Vanity Fair" mit zwei Schauspielerinnen hervor, die von Übergriffen am Anfang ihrer Karriere berichten. So schildert Selma Blair ("Hellboy", "The Fog") eine Begegnung in einem Hotelzimmer 1999, bei dem Toback darauf bestanden habe, dass sie ihr Oberteil ablege. Dann habe er sich selbst befriedigt und sie gezwungen, ihm dabei in die Augen zu schauen. "Ich habe mich eklig gefühlt und geschämt, so als ob mich niemand je wieder als sauber empfinden würde, nachdem ich dem Teufel so nah gekommen bin", sagte Blair. Nach dem Vorfall habe Toback ihr gegenüber angedeutet, falls sie jemandem etwas sage, lasse er sie töten. Rachel McAdams ("Sherlock Holmes", "Spotlight") schildert ein Vorsprechen, bei dem sie verbal belästigt worden sei. Toback habe gesagt, er habe beim Masturbieren an sie gedacht. Inzwischen erheben bereits über 200 Frauen ähnliche Vorwürfe gegen Toback. Dieser weist die Anschuldigungen zurück.

Twitter verbannt Werbung russischer Medien

Reaktion auf angebliche Beeinflussung der Präsidentschaftswahl

Der Kurznachrichten-Dienst Twitter hat Werbung der russischen Medien Sputnik und RT mit sofortiger Wirkung verboten. Die Entscheidung gehe auf Untersuchungen rund um die US-Präsidentschaftswahl 2016 und die Einschätzung der US-Geheimdienste zurück, wonach beide Medien versuchten hätten, "im Auftrag der russischen Regierung die Wahl zu beeinflussen". RT (vormals "Russia Today") und Sputnik könnten aber weiterhin Twitter-Nutzer bleiben, betonte der Internetkonzern. RT-Chefredakteurin Maragarita Simonjan bezeichnete die Entscheidung als "höchst bedauerlich". US-Medien dürften nun in Russland mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen haben. "Ich hätte nie gedacht, dass Twitter von den US-Geheimdiensten kontrolliert wird. (...) Aber jetzt hat Twitter es selbst zugegeben", erklärte sie. Nach der Präsidentschaftswahl im vergangenen November war deutlich geworden, dass russisch finanzierte Inhalte in Online-Netzwerken gezielt platziert wurden, um die Wahl zugunsten von Donald Trump zu beeinflussen.

Silvia Bovenschen gestorben

Die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin wurde 71 Jahre alt

Die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Silvia Bovenschen ist tot. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihr 2006 erschienenes Buch "Älter werden". Erst vor wenigen Wochen brachte sie ihren neuen Roman zum Abschluss: "Lug und Trug und Rat und Streben". Jörg Bong vom S. Fischer Verlag nannte Bovenschen eine der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit – und noch viel mehr als das. Weiter sagte Bong: "Sie hat eine ganze Generation von Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern, von Kritikerinnen und Kritikern tief geprägt. Sie hat vielen Autorinnen und Autoren geholfen – und unzählige inspiriert." Silvia Bovenschen starb im Alter von 71 Jahren in Berlin.

Kulturnachrichten hören

Oktober 2017
MO DI MI DO FR SA SO
25 26 27 28 29 30 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur