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Montag, 18.12.2017

Kulturnachrichten

Freitag, 1. Dezember 2017

Höcke-Überwachung ist ein Fake

Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit outet sich in einem Video

Es war alles nur ein Spaß. Das Künstlerkollektiv Zentrum für politische Schönheit erklärte auf seiner Homepage in einem Video, die Überwachung des AfD-Politikers Björn Höcke sei nur eine Inszenierung gewesen. Die Künstler hatten zunächst verbreitet, Höcke über Monate verfolgt und ausspioniert zu haben. Der Thüringer AfD-Vorsitzende nannte die Gruppe daraufhin eine „terroristische Vereinigung, der Erfurter Landtagspräsident Christian Carius (CDU) verglich die gefakte Aktion mit Stasimethoden. Auf der Website des Künstlerkollektivs heißt es nun: „Mit einer aufwändigen Filmproduktion, bei der auf die Präsentation von billigstem Überwachsungsspielzeug und lächerlichen Kostümen gesetzt wird, gelang es uns überraschenderweise, den Eindruck einer lückenlosen Überwachung zu vermitteln."

Milo Rau erhält Peter-Weiss-Preis

Der Regisseur nutzt die Darstellungsform des "Reenactment"

Der Schweizer Theater- und Filmemacher Milo Rau wird mit dem Peter-Weiss-Preis 2017 ausgezeichnet. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung würdige sein "globalhumanistisches Engagement und seine dezidiert politischen Inszenierungen", teilte die Stadt Bochum mit, die den Preis vergibt. Mit der Darstellungsform des "Reenactment", die Rau 2009 mit dem Stück "Die letzten Tage der Ceausescus" auf die Bühne brachte, habe er die Theaterwelt revolutioniert. Zuletzt erregte Rau internationales Ansehen mit dem "Kongo Tribunal" über den Wirtschaftskrieg im Ostkongo. In seiner "Europa-Trilogie" wiederum setzt sich Rau mit dem Mythos und der Realität Europas auseinander. Deren dritter Teil wird am 4. Dezember in Bochum aufgeführt.

Fernsehfilmpreise in Baden-Baden vergeben

Psychodrama "Zwiespalt" als bester Film ausgezeichnet

Das Psychodrama "Zwiespalt" hat den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste beim Festival in Baden-Baden gewonnen. In dem Beitrag des Schweizer Fernsehens SRF um einen forensischen Psychiater und eine Polizistin seien die Lebenswirklichkeiten der beiden Hauptdarsteller klug verknüpft und ungeschönt gezeichnet worden, hieß es in einer Mitteilung der Jury. Der Sonderpreis für herausragende darstellerische Leistungen ging an Bibiana Beglau, Franziska Hartmann und Joachim Król. «Die drei Protagonisten in Jan Bonnys 'Über Barbarossaplatz' lassen uns in drei verwundete Seelen blicken und zwingen uns, die Wohlfühlzone zu verlassen», begründete die Jury ihre Wahl. Den 3sat-Zuschauerpreis 2017 gewann "Zuckersand", ein Drama um eine innige Freundschaft und die Kraft der Fantasie.

Kolosseum bekommt neue Direktorin

Alfonsina Russo setzte sich gegen 78 Kandidaten durch

Die Italienerin Alfonsina Russo wird Direktorin des neuen "Archäologischen Parks" im Zentrum Roms mit Kolosseum, Forum Romanum, Palatin und Domus Aurea. Italiens Kulturminister Dario Franceschini gab die Ernennung der 59-jährigen Archäologin heute bekannt. Er erwarte von der neuen Leiterin, dass sie "Forschung, Innovation und Schutz für eines der berühmtesten Denkmäler der Welt" verbinde. Russo war unter 78 Kandidaten aus dem In- und Ausland ausgewählt worden. Das Kolosseum in Rom, Publikumsmagnet in der italienischen Hauptstadt, und die angrenzenden Ausgrabungsstätten waren Anfang des Jahres zum Archäologischen Park erklärt und mit einer eigenen Leitungsstruktur versehen worden. Russo war seit 2009 leitende Mitarbeiterin im Kulturministerium, nachdem sie unter anderem die archäologischen Abteilungen der staatlichen Museen in Potenza, Melfi und Policoro sowie zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland kuratierte.

Hörspielleitung im BR wird nicht neu besetzt

ARD-Hörspielredaktionen werden geschrumpft

Die Leitung der Abteilung Hörspiel und Medienkunst im Bayerischen Rundfunk wird nicht neu besetzt. Der bisherige Leiter der Abteilung, Herbert Kapfer, geht in den Ruhestand. Künftig werden die beiden Redaktionen "Hörspiel und Medienkunst" sowie "Dokumentation und Feature" zu einer neuen, trimedialen Redaktion "Hörspiel/Dokumentation/Medienkunst" zusammengeführt. Die Redaktionsleitung übernimmt Ulrike Ebenbeck, die bisher die Redaktion "Dokumentation und Feature" leitete. Im Mai hatte bereits der Saarländische Rundfunk eine Kürzung des Hörspieletats angekündigt. Nach Medienberichten soll das Angebot um ein Drittel gekürzt werden. Auch der SWR und der MDR wollen im kommenden Jahr Sendeplätze für das Hörspiel streichen.

Kurt-Wolff-Preis geht an Elfenbein Verlag

Auszeichnung erfolgt für herausragende Buchgestaltung

Für seine herausragende Buchgestaltung erhält der Berliner Elfenbein Verlag den Kurt-Wolff-Preis 2018. Die mit 26.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 16. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse übergeben. Der Elfenbein Verlag habe dem deutschen Publikum zum ersten Mal den gesamten Romanzyklus "Ein Tanz zur Musik der Zeit" von Anthony Powell zugänglich gemacht, erklärte das Kuratorium des Wolff-Preises in Leipzig. Seit gut zwei Jahrzehnten verbinde der Verlag in schön gestalteten Büchern die Literatur der Gegenwart mit der Erinnerung an die ästhetische Moderne.

"Paulinum" in Leipzig feierlich eröffnet

Kirche oder Universität?

In Leipzig ist heute das "Paulinum" eröffnet worden - ein Gebäude, über das jahrelang erbittert gestritten wurde. Der Wiederaufbau der Kirche Sankt Pauli fungiert zugleich als Aula der Leipziger Universität. Es ist ein Ersatzbau für die spätgotische Universitätskirche, die das SED-Regime 1968 trotz internationaler Proteste sprengen ließ. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich würdigte das neue Paulinum als "tolles Bauwerk". Es könne den "Frevel der Sprengung nicht tilgen", aber helfen, "eine Wunde in den Herzen der Leipziger zu schließen". Tillich räumte ein, das Projekt habe "drei Mal solange gedauert" und sei "doppelt so teuer geworden", wie ursprünglich geplant - rund 117 Millionen Euro. Der Architekt Erick van Egeraat nannte den Bau das "schwierigste Projekt seiner Karriere". Das vielfältige Nutzungskonzept habe zu zahlreichen Widersprüchen geführt und zu unnötigen Rechtsstreitigkeiten beitragen.

Schriftstellerin Verena Stefan gestorben

"Häutungen" - Kultbuch der Frauenbewegung

Knapp zwei Monate nach ihrem 70. Geburtstag ist die Schriftstellerin Verena Stefan an ihrem Wohnort in Montreal an Krebs gestorben. Das bestätigte ihr Verlag Nagel & Kimche. Stefans erstes Buch "Häutungen" wurde 1975 zum Kultbuch der Neuen Frauenbewegung und auch international ein großer Erfolg. Es folgten weitere Monographien und Herausgeberschaften. Das Werk von Verena Stefan, die seit 1998 im kanadischen Montreal lebte, wurde mehrfach ausgezeichnet - etwa 2008 mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung für ihren Roman "Fremdschläfer". Zuletzt erschien 2014 ihr Roman "Die Befragung der Zeit". Darin verarbeitet die Autorin ihre Kindheit in der Nähe von Bern und die Biographie ihres Großvaters Julius Brunner. Brunner war Landarzt und nahm Ende der 40er Jahre bei notleidenden Frauen Abtreibungen vor. Er wurde dafür angeklagt und in die psychiatrische Klinik Waldau eingeliefert.

Ana Jotta erhält Rosa-Schapire-Kunstpreis

Hamburger Kunsthalle ehrt portugiesische Künstlerin

Die portugiesische Künstlerin Ana Jotta erhält den mit 20 000 Euro dotierten Rosa-Schapire-Kunstpreis. Die Auszeichnung ist nach der Vorkämpferin für die zeitgenössische Moderne, Rosa Schapire, benannt. Ana Jotta, geboren 1949, arbeitet als Malerin, Bildhauerin, Zeichnerin und Fotografin. Über die Jahre hat sie immer wieder neue Techniken erforscht, mit Stoffen, Stickerei, Ton oder Keramik gearbeitet und sich durch gefundene Objekte und Dinge zu ihren Assemblagen, Collagen oder Installationen inspirieren lassen. Mit dem Rosa-Schapire-Kunstpreis soll "eine bemerkenswerte Künstlerpersönlichkeit der Gegenwart" geehrt werden, "deren Werk geeignet ist, traditionsreiche und qualitätsvolle Museen wie die Hamburger Kunsthalle zu bereichern", so der Freundeskreis ders Museums. Ausgewählt wurde die Künstlerin von der diesjährigen Jurorin Penelope Curtis.

Hannah-Arendt-Preis für Étienne Balibar

"Nimmermüder Kämpfer für Europa"

Der französische Philosophie-Professor Étienne Balibar wurde heute im Bremer Rathaus mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ausgezeichnet. Damit würdigen die Stadt Bremen und die Heinrich Böll Stiftung Balibar als einen "nimmermüden Kämpfer für ein Europa, das sich erneuern muss". In seinem Buch "Europa: Krise und Ende?" habe Balibar herausgearbeitet, wie es Europa gelingen könne, wieder die Gestalt eines "politischen Projekts" anzunehmen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist nach der jüdischen Publizistin Hannah Arendt benannt und wird seit 1995 verliehen.

Kirchen schalten Bibel-Apps frei

Katholische und Evangelische Kirche wetteifern um Online-Bibel-Fans

Die Katholische und die Evangelische Kirche buhlen um Online-Bibel-Fans. Seit heute ist die neue, kostenlose App des katholischen Bibelwerks verfügbar. Zeitgleich teilte die ebenfalls in Stuttgart beheimatete evangelische Deutsche Bibelgesellschaft mit, sie könne bereits 200.000 Downloads ihrer Luther-Bibel-App verzeichnen. Sie ist seit gut einem Jahr in den App-Stores. Ob im Wettstreit der Digital-Experten auch das Bibelwort gilt, "die letzten werden die ersten sein", wird sich zeigen.

Wiedmann-Bibel kommt ins Guinness-Buch

Größtes Leporello der Welt

Die Stuttgarter Wiedmann-Bibel erhält als größtes Leporello der Welt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Die aus 3.333 handgemalten Bildern bestehende Bibel füllt eine Fläche von 645,2 Quadratmetern. Präsentiert wurde die aufklappbare, über 1500 Meter breite Bibel im vergangenen Mai in Magdeburg. Die Wiedmann-Bibel war ein Jahr nach dem Tod des Künstlers Willy Wiedmann auf dem Dachboden seiner Galerie in Bad Cannstatt entdeckt worden. Mittlerweile gibt es die Bilder auch digital zu sehen, unter anderem als App. Im Februar erscheint die Wiedmann-Bibel zum ersten Mal in einer limitierten Auflage als Buch.

Wiedereröffnung August-Macke-Haus in Bonn

Neuer Auftritt kostete 7,25 Millionen Euro

Nach rund zwei Jahren Pause öffnet das August-Macke-Haus in Bonn am Sonntag wieder für Besucher. Im neu gestalteten ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Malers gibt es nun eine multimediale Dauerausstellung. In einem Erweiterungsneubau werden Sonderausstellungen präsentiert. Die Kosten für den Anbau beliefen sich auf 7,25 Millionen Euro. Zum Auftakt wird darin die Schau "August Macke und Freunde - Begegnung in Bildwelten" gezeigt. 150 Werke von Macke und anderer Künstler erinnern an den 130. Geburtstag des Expressionisten, der am 3. Januar 1887 im Sauerland geboren wurde. Macke lebte in Bonn, Düsseldorf und in der Schweiz und starb 1914 mit nur 27 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg.

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