Mittwoch, 23.05.2018
 

Kulturnachrichten

Mittwoch, 23. Mai 2018

Nach Theaterkritik: Ostermeier feiert, Stromberg wiegelt ab

Enge Koalition aus Schauspieler und Autor ideal

Entmündigte Schauspieler und Militärübungen auf der Bühne – beides will der Schauspieler Fabian Hinrichs beim Theatertreffen gesehen haben und bekennt, bei den zehn Inszenierungen gelitten zu haben. Schauspieler und Theaterregisseur Herbert Fritsch gab ihm recht: junge Schauspieler seien mit Angst besetzt und würden funktionieren, aber nicht künstlerisch wirken. Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier wundert sich, dass die Generalkritik der Schauspieler erst jetzt kommt. In "Fazit" sagte er: "Ich glaube, dass es sehr gute Bündnisse gibt zwischen Autoren und Schauspielern und dass das auch die besten Bündnisse sind. Und dass ein Regisseur nur dazu da sein könnte, diese Koalition liebevoll zu begleiten, das ist für mich so ne Idealvorstellung vom Theater, das lese ich aus der Kritik von Fabian Hinrichs heraus. Und ich kann das nur feiern, dass sich ein Schauspieler so selbstverständlich als Künstler darstellt und sich darauf beruft, dass Schauspieler als Künstler wahrgenommen werden." Der ehemalige Intendant des Hamburger Schauspielhauses, Tom Stromberg, zeigt sich hingegen überrascht von der Kritik: Er habe selbstbewusste Schauspieler auf dem Theatertreffen wahrgenommen. Fabian Hinrichs habe vielleicht nicht genau genug hingeschaut.

Neeson soll Rolle in "Men in Black"-Film übernehmen

Für die Überwachung von Aliens zuständig

Der britische Schauspieler Liam Neeson ("Schindlers Liste") soll dabei helfen, die Erde vor Außerirdischen zu beschützen. Der 65-Jährige verhandele über eine Rolle in einem Spin-Off-Film der "Men in Black"-Reihe, wie die Branchenblätter "Variety" und "Hollywood Reporter" berichteten. Demnach soll Neeson den Leiter einer Behörde in London spielen, die für die Überwachung von Aliens zuständig ist. Die Hauptrollen in dem Film, der im Sommer 2019 in die Kinos kommen soll, spielen "Thor"-Darsteller Chris Hemsworth (34) und Tessa Thompson (34). In den ersten drei Filmen hatten Will Smith und Tommy Lee Jones zwei Agenten der Behörde gespielt, die sich selbst als "Men in Black" bezeichnen.

Frauenquote beim Festival DOK Leipzig

2017: Eine Co-Regisseurin gegenüber zehn Regisseuren

Das Internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig wird weiblicher. Für den Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm habe man eine 40-Prozent-Quote für Regisseurinnen festgelegt, teilte das Festival mit. Die Frauenquote gilt zunächst zwei Jahre, mit ihr verbunden ist der "Wunsch ein vollkommen ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern im gesamten Programm zu haben". Anlass für die Einführung der Quote war das Missverhältnis zwischen Regisseurinnen und Regisseuren im vergangenen Jahr. 2017 war nur eine Frau als Co-Regisseurin bei DOK Leipzig vertreten - gegenüber zehn Männern als Regisseure.

Starautor und Pulitzer-Preisträger Philip Roth tot

Autor starb an Herzversagen in einem New Yorker Krankenhaus

US-Schriftsteller Philip Roth ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Zuerst meldete die "New York Times" den Tod des Autors, inzwischen hat der Hanser Verlag diesen bestätigt. Roth galt als einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation und war mehrfach für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch. Zu den bekanntesten Werken des Pulitzer-Preisträgers gehören unter anderem die Roman-Trilogie "Der Ghostwriter", "Zuckermans Befreiung" und "Die Anatomiestunde". Insgesamt schrieb Roth fasst drei Dutzend Bücher, die voller voller Sarkasmus, Humor und Melancholie stecken. Wut, Sex, komische Familienszenen prägten sein Werk, vor allem in "Portnoys Beschwerden", mit dem Roth der Durchbruch gelang.

Olga Tokarczuk gewinnt Man-Booker-Prize International

Autorin wird für ihren Roman "Flights" ausgezeichnet

Die Gewinnerin des wichtigsten britischen Buchpreises, der Man-Booker-Prize International, steht fest. Die polnische Autorin Olga Tokarczuk erhält die renommierte Auszeichnung für ihren Roman "Flights". Das Buch handelt von Reisen im 21. Jahrhundert und der menschlichen Anatomie. Die Jury beeindruckte, wie Tokarczuk in ihrem Roman Reiseerzählungen und Reisereflexionen perfekt mit Reisen durch Zeit, Raum und den menschlichen Körper verbindet. Bereits 2008 war Olga Tokarczuk für ihren Roman mit dem größten Literaturpreis Polens ausgezeichnet wurde. Seit 1969 wird der Man-Booker-Prize vergeben und neben dem beträchtlichen Preisgeld von 50000 Pfund - umgerechnet rund 57000 Euro – beschert es den Preisträgern meist auch einen hervorragenden Verkauf ihres ausgezeichneten Werks. Die Autorin teilt sich die Siegesprämie mit ihrer englischen Übersetzerin.

Stefan-Zweig-Biograf Alberto Dines gestorben

Der Brasilianer setzte sich zeitlebens für das Andenken an den Autor ein

Der brasilianische Journalist Alberto Dines ist tot. Er starb in Sao Paulo mit 86 Jahren, wie örtliche Medien berichteten. Prägend für sein Leben war die Begegnung, die er 1940 mit Stefan Zweig hatte. Im deutschen Sprachraum wurde Dines vor allem durch das Buch "Tod im Paradies" bekannt. Darin beschreibt er die letzten Lebensjahre des österreichischen Schriftstellers (1881-1942) in Brasilien.1981 veröffentlichte er die Zweig-Biografie "Morte no Paraiso", im Jahr 2006 wurde das Buch in Deutschland veröffentlicht. Als Journalist war Dines Chefredakteur der Tageszeitung "Jornal do Brasil" und lehrte in den 1970er Jahren an der Columbia-Universität in New York. Ab 1995 leitete er die Medienbeobachtungsstelle "Observatorio da Imprensa", die kritische Analysen zum brasilianischen Journalismus veröffentlichte. Dines gründete die gemeinnützige Gesellschaft "Casa Stefan Zweig", die dessen letztes Wohnhaus in der Stadt Petropolis 2012 in ein Museum umbaute. In dem Haus hatte der österreichische Autor unter anderem sein letztes und bekanntestes Buch "Schachnovelle" (1942) verfasst und seinem Leben im gleichen Jahr ein Ende gesetzt.

Bei Youtube Musik streamen

Alphabeth-Tochter mit Antwort auf Musikindustrie

Youtube startet einen Musik-Streamingdienst. Die Google, bzw. Alphabet-Tochter mit rund einer Milliarde Nutzern, tritt damit in Konkurrenz zu Spotify und Apple-Music. Der Musikwirtschafts-Forscher Peter Tschmuck sieht dies auch als eine Reaktion auf den Druck der Musikindustrie. „Auf Youtube wurde von Seiten der Musikindustrie ständig Druck ausgeübt. Man hat immer wieder kritisiert, dass viel zu wenig Geld an die Rechteinhaber von dem Werbekuchen abfällt.", sagte Tschmuck gegenüber Deutschlandfunkkultur. Von den 10 Milliarden US Dollar Werbevolumen, die nach Aussage Tschmucks im Musikumfeld vorhanden sind, wird bei den Musikschaffenden wenig ankommen, befürchtet der Musikwirtschaftsforscher. In Deutschland startet der neue Streamingdienst in Kürze.

Schauspielerin Renate Delfs mit 93 Jahren gestorben

Ihre Fernsehkarriere startete sie mit Mitte 50

Die Schauspielerin Renate Delfs ist tot. Sie starb bereits am Montag vergangener Woche im Alter von 93 Jahren in ihrer Geburtsstadt Flensburg, wie ihre Agentur mitteilte. Delfs Fernsehkarriere startete spät, nachdem sie nach dem Krieg verschiedene Berufe, fern der Bühne ausübte. Fernsehauftritte an der Seite von Manfred Krug brachten ihr mit Mitte 50 den Durchbruch. Renate Delfs war vor allem in Fernsehserien zu sehen. Von „Jauche und Levkojen" über „Adelheid und ihre Mörder" bis zur Donna-Leon-Verfilmung „Reiches Erbe" und der Komödie „Ein Tick anders" reicht die Palette. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt.

Deutscher Filmmusikpreis für Rachel Portman

Britische Komponistin schuf Musik zu mehr als 100 Filmen

Die britische Komponistin Rachel Portman erhält den Deutschen Filmmusikpreis. Die 57-Jährige habe sich mit ihren kreativen Kompositionen in der von Männern dominierten Filmmusikbranche durchgesetzt und werde die Auszeichnung in der Kategorie International erhalten, teilten die Organisatoren der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt mit. Am 26. Oktober wird der Deutsche Filmmusikpreis im Rahmen des Festivals zum fünften Mal vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören beispielsweise Harold Faltermeyer, Klaus Doldinger, Jeff Beal und Trevor Johnes. Rachel Portmann gelang den Angaben zufolge 1992 in Hollywood der Durchbruch mit der Musik zu "Die Herbstzeitlosen" mit Shirley MacLaine und Marcello Mastroianni in den Hauptrollen. Insgesamt habe sie Musik zu mehr als 100 Filmen verschiedener Genres geschaffen. Für ihre Musik zum Film "Emma" gewann sie im Jahr 1997 als erste Frau einen Filmmusik-Oscar.

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