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Samstag, 23.06.2018
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 22. Juni 2018

Oleg Senzow durch Hungerstreik sehr geschwächt

Ukrainischer Regisseur verbüßt Haftstrafe in Russland

Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow hat durch seinen seit 40 Tagen andauernden Hungerstreik etwa 20 Kilogramm verloren. Sein Anwalt Dmitri Dinse besuchte ihn am Freitag und sagte, er sei "sehr schwach und sehr blass". Senzow erhalte Vitamine und Nährstoffe intravenös, doch sein Gewicht habe sich von 97 Kilogramm auf etwa 77 Kilogramm verringert. Senzow ist ein vehementer Gegner der Annexion der Krim durch Russland. Er wurde für schuldig befunden, terroristische Taten geplant zu haben, und verbüßt eine 20-jährige Gefängnisstrafe. Er hat die Vorwürfe bestritten. Westliche Staaten haben seine Freilassung gefordert. Dinse sagte, Senzow werde keine Begnadigung beantragen und bestehe auf eine Freilassung.

"Berliner Appell" zum Erhalt des Kulturerbes

Erhalt von Traditionen, Denkmälern, Kunst und Kultur soll als Schwerpunkt von EU-Finanzpolitik anerkannt werden

In einem "Berliner Appell" haben Kulturverantwortliche aus ganz Europa dazu aufgerufen, das kulturelle Erbe stärker für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft zu nutzen. "Was uns zu Europa macht, ist die Kultur", sagte EU-Kulturkommissar Tibor Navracsics zum Abschluss eines Kulturerbe-Gipfels in Berlin. "Ziel ist, die Schubkraft von Kultur für Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung optimal einzusetzen." Der Gipfel war die europaweit größte Veranstaltung zum Kulturerbejahr 2018. In dem Appell forderten die Teilnehmer, den von der EU angekündigten Aktionsplan für das Kulturerbe möglichst schnell vorzulegen und umzusetzen. Der Erhalt von Traditionen, Denkmälern, Kunst und Kultur müsse als strategischer Schwerpunkt von der EU-Finanzpolitik anerkannt werden. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Botschafter des Welterbejahres, sagte gerade angesichts von zunehmendem Nationalismus und Rückzugstendenzen in der EU sei die Besinnung auf die gemeinsamen kulturellen Wurzeln wichtig.

Blog "netzpolitik.org" erhält Günter-Wallraff-Preis

Blog hat auf Twitter mehr als 400.000 Follower

Der politische Blog "netzpolitik.org" erhält den mit 5.000 Euro dotierten Günter-Wallraff-Preis 2018. Die Autoren engagierten sich in herausragender Weise dafür, Nachrichten zu recherchieren, zu verifizieren und zu korrigieren, begründete die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) in Köln die Preisvergabe.
"netzpolitik.org" befasse sich mit Themen aus Internet, Gesellschaft und Politik, die andere Medien wenig bis gar nicht beleuchteten. "netzpolitik.org" begann Anfang der 2000er als kleines Projekt. Mittlerweile nutzten täglich mehr als 60.000 Menschen den Blog, auf Twitter habe er mehr als 400.000 Follower. Die 1997 gegründete Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) versteht sich als medienkritische Nichtregierungsorganisation. Dem Verein gehört der für seine investigativen Recherchen bekannte Journalist Günter Wallraff an.

Jüdische Verbände kritisieren Ruhrtriennale-Chefin

Ausgeladene Band nimmt Wiedereinladung aber nicht an

Im Streit um eine Einladung der israelkritischen Band Young Fathers durch die Ruhrtriennale haben die jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen die Intendantin des Festivals, Stefanie Carp, scharf kritisiert. In einem offenen Brief warfen drei Landesverbände und die Synagogengemeinde Köln der 62-jährigen Dramaturgin "grundlegende Unwissenheit um den Begriff des Antisemitismus und Fakten des Nahostkonflikts" vor. Carp hatte die schottische Pop-Band zunächst ausgeladen, nachdem sie sich nicht von der BDS-Bewegung distanziert hatte, die sich für einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik einsetzt. Gestern lud sie die Band wieder ein. Die Young Fathers hätten glaubhaft gemacht, dass sie Antisemitismus in jeder Form ablehnen. Die Band hat nun die Wiedereinladung abgelehnt.

Vorstellungen von Billy-Elliot-Musical abgesagt

Ungarische Tageszeitung hatte homophobe Kampagne gestartet

Nach einer homophoben Kampagne in der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung "Magyar Idö" hat die ungarische Staatsoper 15 Vorstellungen des Musicals "Billy Elliot" abgesagt. Das Bühnenstück von Elton John und Lee Hall handelt vom schwierigen Schicksal eines elfjährigen Jungen aus armen Verhältnissen in Großbritannien, vor dem Hintergrund der Bergarbeiterstreiks der Jahre 1984-1985. Homosexualität spielt dabei eine Rolle. Ein Sprecher des Opernhauses sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass das Musical nicht ganz abgesetzt wurde, sondern dass nur 15 Vorstellungen abgesagt worden seien - von insgesamt 44, die im Juni und Juli geplant waren. Grund sei das zurückgegangene Interesse der Zuschauer, welches man auf die homophobe Kampagne zurückführe. Das Musical, das 2016 in Budapest Premiere hatte, bleibe auf dem Spielplan, auch in der kommenden Herbstsaison, betonte der Sprecher.

Neue Doppelspitze bei der Berlinale

Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek folgen auf Dieter Kosslick

Die Berlinale wird in Zukunft von einer Doppelspitze geleitet. Nachfolger von Festivaldirektor Dieter Kosslick werden der Italiener Carlo Chatrian als künstlerischer Leiter und die gebürtige Niederländerin Mariette Rissenbeek als geschäftsführende Leiterin. Das gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin in Berlin bekannt. Chatrian ist bislang Chef des Filmfests von Locarno. Die seit den 80er Jahren in Deutschland lebende Rissenbeek ist Geschäftsführerin von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Beide erhalten einen über fünf Jahre laufenden Vertrag. Kosslick wird bei der Berlinale vom 7. bis 17. Februar 2019 das letzte Mal als Festivaldirektor auf dem roten Teppich stehen.

Martin Schläpfer wird Direktor des Wiener Staatsballetts

Er wird sein Amt zur Saison 2020/2021 antreten

Der Chefchoreograph und Künstlerische Direktor des Balletts am Rhein Düsseldorf Duisburg, Martin Schläpfer, ist zum neuen Direktor des Wiener Staatsballetts, der Compagnie der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien, sowie der Wiener Ballettakademie berufen worden. Er wird sein neues Amt zur Saison 2020/2021 mit Beginn der Intendanz von Bogdan Roščić an der Wiener Staatsoper antreten. Bis dahin wird er seine Arbeit am Rhein fortsetzen.

Personenschutz für Roberto Saviano auf dem Prüfstand

Autor hatte neue italienische Regierung scharf kritisiert

Die neue Regierung in Italien stellt den Personenschutz für den Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano ("Gomorrha") in Frage. Innenminister Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, kündigte an, die zuständigen Stellen würden den Schutz auf den Prüfstand stellen. Der Schriftsteller Saviano wurde mit seinem Buch "Gomorrha" über die Mafia in Neapel auch international bekannt und erhielt Todesdrohungen. Er kritisierte aber auch die rechten und fremdenfeindlichen Strömungen in Italien und setzt sich für Migranten ein, die Salvini aus dem Land werfen will. "Statt gegen die Mafia vorzugehen, droht Innenminister Matteo Salvini denen, die von ihr erzählen, sie zum Schweigen zu bringen", erklärte Saviano auf Twitter und Facebook.

Filmfest München soll internationaler werden

Dafür hat Bayern zusätzliche Gelder zugesagt

Mit staatlicher Hilfe soll das Filmfest München zu einem internationalen Medienfestival ausgebaut werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte dafür bis zu drei Millionen Euro zusätzliche Förderung pro Jahr zu. Ziel sei "ein echtes neues Highlight für die deutsche Kulturszene, in München und für ganz Bayern". Zu den geplanten Neuerungen zählen ein neues Festivalzentrum, ein neuer zentraler Wettbewerb, ein Bürgerfest und neue Formate für Begegnungen mit Stars. Das Festival will neue Erzählformen fördern und soll auch zur Bühne für Serien, Animation, Games und Virtual Reality werden. Filmfest-Leiterin Diana Iljine begrüßt die Initiative der bayerischen Staatsregierung. Das Filmfest München ist nach der Berlinale das zweitgrößte Filmfestival in Deutschland.

"Roseanne" bekommt Ablegerserie - ohne Roseanne

Grund dafür sind rassistische Tweets der Hauptdarstellerin

Nach einem rassistischen Tweet ihrer Hauptdarstellerin geht die beliebte Comedyserie ohne Roseanne Barr und unter anderem Namen weiter.
Der US-Sender ABC bestätigte, dass er an einer Ablegerserie arbeite. Arbeitstitel: "Die Connors". Die zehn Folgen sollen noch in diesem Jahr in den USA ausgestrahlt werden. Roseanne Barr werde finanziell und kreativ nichts mit der neuen Serie zu tun haben, teilt der Sender mit. Die anderen Schauspieler wie John Goodman oder Sara Gilbert seien wieder an Bord. Die beliebte US-Show "Roseanne" um die Arbeiterfamilie Connor wurde zwischen 1988 und 1997 ausgestrahlt und in diesem März neu aufgelegt. Trotz der guten Einschaltquoten wurde sie nach nur wenigen Folgen abgesetzt, weil Barr zuvor bei Twitter eine afro-amerikanische Politikerin rassistisch beleidigt hatte.

US-Publizist Charles Krauthammer gestorben

Krauthammer galt als einer der wichtigsten konservativen Publizisten der USA

Der US-Publizist Charles Krauthammer ist im Alter von 68 Jahren an Krebs gestorben. Das bestätigte sein Sohn Daniel US-Medien. Krauthammer war einer der profiliertesten und einflussreichsten konservativen Publizisten und Kolumnisten der USA. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, auch mit dem Pulitzer-Preis. Krauthammer veröffentlichte in einer Vielzahl von Medien und war auch im Fernsehen sehr präsent. Er warb für eine streng neokonservative Außenpolitik der USA und rechtfertigte auch die Invasion des Iraks im Jahr 2003. Er hatte sich unter Verweis auf seine tödliche Krankheit am Anfang Juni in einer viel beachteten Notiz von der Öffentlichkeit verabschiedet.

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