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Montag, 23.04.2018
 
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Kulturnachrichten

Montag, 23. April 2018

Auch Daniel Barenboim gibt Echo-Preise zurück

Liste der zurückgegebenen Echos wird damit immer länger

Gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und dem West-Eastern Divan Orchestra
Berlin will nun auch der argentinisch-israelische Pianist und Dirigent Daniel Barenboim seinen Echo-Auszeichnungen zurückgeben. Er habe die Diskussion um die Echo-Auszeichnung "für ein Rap-Album, dessen Texte eindeutig als antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und allgemein menschenverachtend zu charakterisieren sind, mit großer Bestürzung verfolgt", so Barenboim in einer Stellungnahme. "Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen auszeichnen und dadurch legitimieren." Aus diesem Grund habe er sich entschieden, seine Auszeichnungen zurückzugeben: "Kommerzielle Interessen dürfen nicht überwiegen, wenn es um so essenzielle Fragen des Anstands und unserer Menschlichkeit geht." Barenboim reiht sich damit ein in eine Reihe von Echo-Preisträgern, die ihre Auszeichnungen aus Protest zurückgegeben haben, darunter auch die Sächsische Staatskapelle Dresden und Chefdirigent Christian Thielemann.

Haftstrafen wegen Diebstahl von Baselitz-Werken

Landgericht München spricht drei Angeklagte schuldig

Im Prozess um den millionenschweren Diebstahl von Kunstwerken aus dem Besitz des Malers Georg Baselitz hat das Landgericht München mehrjährige Haftstrafen gegen die Angeklagten verhängt. Ein 40-jähriger Düsseldorfer und ein 52-Jähriger aus Leverkusen wurden zu Freiheitsstrafen von je drei Jahren verurteilt. Laut Urteil hatte der 40-Jährige die Kunstgegenstände zwischen Juni 2015 und März 2016 aus einem Lager in Aschheim bei München entwendet. Der 52-Jährige bot die Sachen anschließend auf dem Kunstmarkt an. Das Gericht sprach ihn deshalb der gewerbsmäßigen Hehlerei schuldig. Sein 26 Jahre alter Sohn wurde wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Insgesamt bezifferte das Gericht den Wert der Werke auf 1,8 Millionen Euro. Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz gehört zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart.

Online-Archiv zur "Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland"

91 Zeitzeugen-Interviews berichten von deutscher Besatzung

Heute eröffnet ein Online-Archiv zur "Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland". Die Sammlung umfasst 91 Interviews mit Zeitzeugen der deutschen Besatzung in Griechenland durch das nationalsozialistische Deutschland in den Jahren 1941 bis 1944. Unter den Zeitzeugen befinden sich beispielweise griechische Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Überlebende von Massakern, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter oder verfolgte Juden, aber auch Menschen, die die Deutschen im Alltag erlebt haben. Neben den Videos enthält die Sammlung Transkripte, Fotos, Dokumente und weitere Begleitmaterialien, die ab sofort für Bildung und Wissenschaft zur Verfügung stehen. Die deutsche Okkupation Griechenlands forderte mehr Opfer als in allen anderen nicht-slawischen Ländern: 100000 Menschen verhungerten, 60000 griechische Juden wurden deportiert, um die 50000 Zivilisten wurden als Vergeltung für Partisanenangriffe ermordet. Ziel des Onlinearchives ist es, zur Aufarbeitung der Geschichte in beiden Ländern beizutragen.

Zu wenig Spenden für documenta-Kunstwerk

Unklare Zukunft für den documenta-Obelisken

Wenige Tage vor dem Ende einer Spendenaktion für den Ankauf eines documenta-Kunstwerks in Kassel ist erst ein geringer Teil der geforderten Summe zusammengekommen. Etwa 130 000 Euro von den erforderlichen 600000 Euro sind nach Angaben der Stadt bisher eingegangen. Bei dem Kunstwerk handelt es sich um den umstrittenen Obelisken des nigerianisch-amerikanischen Künstlers Olu Oguibe. Es setzt sich mit dem Thema Flucht auseinander und trägt die in Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch verfasste Inschrift "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt" aus dem Matthäus-Evangelium. Oguibe möchte, dass sein Werk auf dem Königsplatz in der Innenstadt bleibt. Der Ankauf von documenta-Werken hat in Kassel Tradition: 16 Installationen stehen in der nordhessischen Stadt, in der alle fünf Jahre die weltweit bedeutendste Ausstellung für moderne Kunst stattfindet.

Offener Brief für die Streichung des Paragrafen 219a

26 Verbände fordern freien Zugang zu Informationen über Schwangerschaftsabbrüche

Sozial- und Frauenverbände, sowie Gewerkschaften und Fachverbände wie pro familia fordern die Bundesregierung und die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD in einem Offenen Brief auf, den Strafrechtsparagrafen 219a abzuschaffen. Ärzte müssten ohne Risiko vor Strafverfolgung über Abtreibungen informieren dürfen, fordern die Verbände. Frauen bräuchten einen Zugang zu sachlichen Informationen über Schwangerschaftsabbrüche und Ärzte, die sie vornehmen, heißt es in dem Offenen Brief. Über das in Paragraf 219a festgeschriebene Werbeverbot für Abtreibungen wird seit Monaten diskutiert. Anlass für die Debatte war die Verurteilung der Gießener Ärztin Kristina Hänel Ende 2017 wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche auf ihrer Internetseite. Linkspartei, Grüne und große Teile der SPD wollen den Paragrafen abschaffen. CDU und CSU halten an dem Werbeverbot fest.

Prominente Franzosen warnen vor Antisemitismus

Manifest fordert nationales Vorgehen

In einem Aufruf wurde von französichen Prominenten ein nationales Vorgehen gegen "neuen Antisemitismus" gefordert und islamischer Extremismus für diesen verantwortlich gemacht. Das Manifest wurde in der Zeitung «Le Parisien» veröffentlicht. Zu den 300 Unterzeichnern gehören der Sänger Charles Aznavour und der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy. Außerdem finden sich die Unterschriften von anderen Politikern aus dem linken und rechten Lager sowie von prominenten Juden, Muslimen und Katholiken. Der Text forderte prominente Muslime auf, anti-jüdische und anti-christliche Aussagen im Koran als überholt anzuprangern, damit kein Gläubiger sich auf die heilige Schrift berufen könne, um ein Verbrechen zu begehen.

Brief Wagners soll in Jerusalem unter dem Hammer

Schreiben ist Zeugnis der antisemitischen Position Wagners

Ein Brief des deutschen Komponisten Richard Wagner (1813-1883) mit sehr deutlichem antisemitischem Inhalt soll in dieser Woche in Jerusalem versteigert werden. Dabei handelt es sich um ein Schreiben Wagners an den französischen Schriftsteller Édouard Schuré aus dem Jahre 1869. Das versteigernde Auktionshaus Kedem kündigte auf seiner Webseite an, dass Wagner in seinem Brief vor einem angeblich zerstörerischen Einfluss der Juden auf die moderne Kultur warne. Wagner und der Umgang mit seinem Werken ist in Israel sehr umstritten. Viele Israelis leisten bis heute erbitterten Widerstand gegen die Aufführung von Wagners Werken. Hintergrund dieser Ablehnung sind die antisemitischen Positionen Wagners und seine Beliebtheit während des NS-Regimes.

Studie: Kunstmarkt ist von Männern dominiert

Die 50 gefragtesten Maler sind alle männlich

Unter den 50 gefragtesten Malern auf dem Kunstmarkt befindet sich nach einer Studie gegenwärtig keine einzige Frau. Als erste Künstlerin steht die abstrakte Expressionistin Joan Mitchell mit einem Auktionsumsatz von umgerechnet 25,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf dem 51. Platz. Dies geht aus dem neuen Kunstindex des "manager magazin" hervor, den der Ökonom Roman Kräussl von der Luxembourg School of Finance ermittelt hat. Angeführt wird das Ranking durch den Renaissancekünstler Leonardo da Vinci mit einem Auktionsumsatz von 450 Millionen Dollar an. Diese Summe zahlte das Kulturministerium von Abu Dhabi im November 2017 für das Bild "Salvator Mundi". Es ist damit das bisher teuerste je ersteigerte Kunstwerk.

Autor Schätzing warnt vor sozialen Medien

Facebook sei eine "Verdummungsmaschine"

Bestsellerautor Frank Schätzing warnte in der "Welt am Sonntag" vor sozialen Netzwerken. Der "Schwarm"-Autor messe den Entschuldigungen von Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach dem jüngsten Datenskandal wenig Bedeutung bei. "Zuckerberg wollte immer nur Kohle verdienen. Um Fragen der Ethik und der Datensicherheit hat er sich nicht geschert." Facebook und andere Netzwerke seien im Grunde Verdummungsmaschinen. Viele Nutzer glaubten, sie bekämen im Netz alles umsonst, doch "sie zahlen mit ihrer kostbarsten Währung überhaupt: mit ihren persönlichen Daten", so Schätzing. Bei dem Datenskandal wurden Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern von einem App-Entwickler an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben. Zuckerberg hatte Fehler eingeräumt und sich entschuldigt.

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