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Kulturnachrichten

Freitag, 28. April 2017

Venedig will Personenzähler testen

Elektronische Personenzähler sollen Touristenströme erfassen

Jedes Jahr besuchen Millionen Touristen Venedig. Immer wieder wird gefordert, die Besuchermassen zu berenzen. Um der Massen Herr zu werden, will die italienische Lagunenstadt nun elektronische Personenzähler testen. Unter anderem sollen die Systeme an den drei Brücken aufgebaut werden, die über den Rio Novo führen. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer "konkreten Antwort" auf die Frage, wie die Touristenströme begrenzt werden können. Wann genau die Personenzähler eingerichtet werden sollen und welche Auswirkungen diese Maßnahme für die Besucher der Stadt haben wird, blieb zunächst unklar. Der Gouverneur von Venetien, Luca Zaia, hatte kürzlich gesagt, Venedig sei Stadt und Museum zugleich, der Glanz müsse bewahrt und die Sicherheit gewährleistet werden.

Opernsänger Endrik Wottrich ist tot

Er starb überaschend mit nur 53 Jahren

Der Opernsänger Endrik Wottrich ist tot. Der Tenor ist am Mittwoch Nachmittag überraschend im Alter von nur 53 Jahren an Herzversagen gestorben. Das hat die Wiener Staatsoper gemeldet. Wottrich studierte Gesang und Violine in Würzburg und an der New Yorker Juilliard School. Von 1993 bis 1999 war er an der Berliner Staatsoper Unter den Linden engagiert. Gastspiele führten ihn unter anderem an die Opernhäuser von Dresden, Stuttgart, Amsterdam, Chicago, New York, Mailand, Madrid, Wien und Paris sowie zu den Festspielen in Salzburg und Wien. Mehr als ein halbes Dutzend Rollen verkörperte Wottrich in Bayreuth. Peter Emmerich, Sprecher der Bayreuther Festspiele, zeigte sich „betroffen durch sein viel zu frühes Ableben. Die Hochschule für Musik in Würzburg, wo Wottrich eine Professur für Gesang innegehabt hatte, äußerte ihre Trauer „um einen großen Sänger, verdienten Dozenten und angesehenen Kollegen und bezeichnete Wottrich als „streitbaren Geist der Opernszene.

Sasha Waltz spricht über Berliner Staatsballett

Das Tanzensemble lehnt sie ab

Nach der Kontroverse um die Ernennung von Sasha Waltz als künftige Co-Intendantin des Staatsballetts Berlin, tritt die Tanzregisseurin heute vormittag vor die Presse. Zusammen mit dem designierten Co-Intendanten Johannes Öhman will sich Waltz äußern - zu welchem Thema konnte das Staatsballett nicht sagen. Waltz stößt innerhalb des Tanzensembles auf heftigen Widerstand. Die Tänzer und Tänzerinnen lehnen sie ab. Als Leiterin der Compagnie "Sasha Waltz & Guests" habe sich im modernen Tanztheater einen Namen gemacht hat - aber nicht im klassischen Ballett. Sie sei deswegen für die Leitung einer Ballettcompagnie ungeeignet. Waltz und der Schwede Öhman sollen ab Mitte 2018 die Leitung des Staatsballetts übernehmen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte die Personalie als zukunftsweisende Entscheidung bekräftigt.

Museum Barberini zieht zehntausende Besucher an

Potsdamer Sammlung von SAP-Gründer Hasso Plattner sehr zufrieden

Das neue Potsdamer Kunstmuseum Barberini zieht 100 Tage nach der Eröffnung eine überaus positive Bilanz: Bis zum offiziellen Stichtag am kommenden Dienstag dürften rund 240.000 Besucher die Eröffnungsschauen gesehen haben, berichtete Museumssprecherin Johanna Köhler. Jede Woche kämen durchschnittlich fast 17.000 Besucher. Das neue Museum, ein Wiederaufbau des Palais Barberini aus dem 18. Jahrhundert, ist von SAP-Gründer Hasso Plattner gestiftet worden. Der Softwaremilliardär ist der bedeutendste Mäzen der brandenburgischen Landes-Hauptstadt. Hinter der Fassade aus Elbsandstein entstand im Barberini eine Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche mit 2.800 Quadratmetern. Vom 17. Juni an zeigt das Museum die Ausstellung "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne". Für das kommende Jahr ist eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Max Beckmann geplant.

PEN-Zentrum wählt neuen Präsidenten

Schriftstellervereinigung will sich auch mit der Lage in der Türkei beschäftigen

Bei ihrer Jahrestagung in Dortmund wählt die deutsche Schriftstellervereinigung PEN heute einen neuen Präsidenten. Die Mitglieder müssen einen Nachfolger für den scheidenden Josef Haslinger finden. Dafür kommen mehrere Kandidaten in Frage. Namen nennt das PEN-Zentrum Vorfeld aber nicht. Im Rahmen der noch bis Sonntag dauernden Jahrestagung wollen die Mitglieder auch über das Thema Meinungsfreiheit in der Türkei diskutieren. Nach PEN-Angaben sind nirgendwo auf der Welt so viele Schriftsteller inhaftiert wie in der Türkei. Zu ihnen gehört auch der deutsch-türkische Autor Deniz Yücel. Möglicherweise verfasst die Schriftstellervereinigung auch eine Resolution zur Lage in der Türkei.

Ariane Mnouchkine erhält Goethepreis

Gründerin des "Theatre du Soleil"

Die französische Theaterintendantin und Regisseurin Ariane Mnouchkine erhält den Goethepreis der Stadt Frankfurt. Mit der Auszeichnung werde das Lebenswerk einer Künstlerin geehrt, die mit der Gründung des "Theatre du Soleil" eine Institution der Theaterwelt von internationaler Bedeutung geschaffen habe, teilte die Stadt mit. Oberbürgermeister Peter Feldmann sprach von einer "wirklich großen Regisseurin". Ihr Lebenswerk sei untrennbar mit dem "Theatre du Soleil" verbunden, das als freies Kollektiv gezeigt habe, wie produktiv ein dezidiert politisches Selbstverständnis in der Theaterkunst sein könne. Der Preis wird alle drei Jahre am 28. August, dem Geburtstag Goethes, in der Frankfurter Paulskirche an eine Persönlichkeit verliehen, "die durch ihr Schaffen bereits zur Geltung gelangt und deren schöpferische Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist". Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.

Mack und Piene zu Ehrenmitgliedern ernannt

Das teilte die Düsseldorfer Kunstakademie mit

Die Düsseldorfer Kunstakademie hat die ZERO-Künstler Heinz Mack und - posthum - Otto Piene zu Ehrenmitgliedern ernannt. Das teilte die Akademie mit. Für den 2014 im Alter 86 Jahren in Berlin gestorbenen Piene nahm seine Witwe Elizabeth die Urkunde entgegen. Beide Künstler waren in jungen Jahren Studenten der Kunstakademie in Düsseldorf. Sie gründeten 1957 die ZERO-Bewegung. Später schloss sich ihr auch Günther Uecker an. Die ZERO-Künstler experimentierten in einer puristischen Ästhetik in Räumen und unter freiem Himmel. Ihre Elemente waren Licht, Luft, Bewegung, Feuer und Metall. Mit einer Ausstellung 1964 in New York betrat ZERO und damit die deutsche Kunst erstmals nach 1945 wieder internationales Parkett.

Konfuzius-Institut an der Uni Bonn eröffnet

Finanzierung ist Finanzierung zu wenig transparent

An der Universität Bonn ist ein neues Konfuzius-Institut eröffnet worden. Ziel der Einrichtung ist es, die chinesische Sprache und Kultur zu verbreiten, wie die Hochschule mitteilte. Ebenso solle es die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft stärken. Das neue Institut wurde von der Uni Bonn gemeinsam mit der Zentrale der Konfuzius-Institute in Peking und der langjährigen Bonner Partner-Universität "Beijing Language and Culture University" initiiert und mit einer Kooperationsvereinbarung besiegelt. Derzeit entstehen weltweit Konfuzius-Institute in Kooperation mit renommierten Universitäten. Kritiker warnen vor Vergleichen mit den deutschen Goethe-Instituten. Die Finanzierung sei wenig transparent; darüber hinaus versuche China, über die Institute PR in eigener Sache zu betreiben und beispielsweise Fragen der Menschenrechte auszublenden.

Klage um "Mannheimer Loch" gescheitert

Kein Wiederaufbau

Eine Künstlerin ist vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe mit ihrer Forderung gescheitert, die Kunsthalle Mannheim zum Wiederaufbau zweier Werke zu zwingen. Die Rauminstallation "Mannheimer Loch" und die Lichtinstallation "Pharadise" waren bei Sanierung und Umbau des Museums abmontiert und damit zerstört worden. Nach Auffassung des Senats sind beide Werke vom Urheberrechtsgesetz geschützt, die Interessen der Klägerin treten aber hinter die Interessen der Stadt Mannheim als Betreiberin und Eigentümerin der Kunsthalle zurück. Das Landgericht hatte bereits ähnlich geurteilt, der Künstlerin Nathalie Braun Barends aber für das "Mannheimer Loch" rund 66 000 Euro Honorar von der Stadt zugesprochen. Das Oberlandesgericht hob die Verurteilung zur Zahlung jetzt auf und wies die Klagen der Künstlerin insgesamt ab.

Aida-Kussmund darf fotografiert werden

Und zwar von jedem - so das BGH-Urteil

Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises muss es hinnehmen, wenn ihre Schiffe mit dem vom einem Künstler entworfenen Kussmund-Logo fotografiert und die Bilder ins Internet gestellt werden. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil zur sogenannten Panoramafreiheit. (Az. I ZR 247/15). Das Urheberrechtsgesetz erlaubt es, Bilder von bleibenden Werken "an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen" zu machen. Zum Beispiel also von einem Denkmal. Ein Schiff bleibt zwar nicht an einem Fleck und liegt vielleicht zeitweise auch einmal in einem nicht öffentlichen Hafen oder in einer Werft. Die Karlsruher Richter halten die Vorschrift trotzdem für übertragbar. Die Reederei hatte einen Anbieter von Landausflügen verklagt, der seine Internetseite mit einem Aida-Foto illustriert hatte.

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