16. Dezember 2017

Kulturnachrichten

Samstag, 16. Dezember 2017

Peter Jackson gibt Interview zum Fall Weinstein

"Herr der Ringe"-Regisseur glaubt, einer von Weinsteins "Schmutzkampagnen" aufgesessen zu sein

"Herr-der-Ringe"-Regisseur Peter Jackson glaubt, dass der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein eine Schmutzkampagne gegen Schauspielerinnen führte. Im Interview mit dem Online-Portal "Stuff" bezeichnete der Oscar-prämierte neuseeländische Filmemacher Weinstein und dessen Bruder Bob als "zweitklassige Mafia-Rüpel". In den 1990er Jahren habe er Mira Sorvino und Ashley Judd für seine "Hobbit"- und "Herr der Ringe"-Filmprojekte in Betracht gezogen. Doch die Weinstein-Brüder, damals bei Miramax, hätten vor beiden Schauspielerinnen gewarnt und die Zusammenarbeit mit ihnen als "Albtraum" bezeichnet. Sorvino und Judd zählen zu Dutzenden Frauen, die Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen haben. Er habe damals auf die Weinstein-Brüder gehört, doch rückblickend glaube er, dass dies wohl eine "Schmutzkampagne in vollem Gange" gewesen sei, sagte Jackson. Sorvino dankte Jackson auf Twitter für seine "ehrlichen" Äußerungen. Sie sei in Tränen ausgebrochen. Judd reagierte in einem Tweet, dass sie sich gut an die damaligen Vorgänge erinnern könne.

Ralph Rugoff kuratiert die Venedig-Biennale 2019

Rugoff ist Direktor der Hayward Gallery in London

Der Austellungsmacher Ralph Rugoff kuratiert die nächste Kunst-Biennale von Venedig. Der gebürtige New Yorker ist seit elf Jahren Direktor der Hayward Gallery in London. Seine Ernennung bestätige das Ziel, "die Ausstellung zum Platz der Begegnung zwischen Besuchern, Kunst und Künstlern" zu machen, erklärte der Präsident der Biennale, Paolo Baratta. Rugoff versucht in seinen Shows regelmäßig, auch den Besucher einzubinden - wie zum Beispiel in seiner Londoner Ausstellung "Psycho Buildings". Auch Provokationen sind ihm nicht fremd. 2015 kuratierte Ralph Rugoff die Kunstbiennale in Lyon.

Lessingpreis für Kritik für Dokumentarfilmerin Spira

Förderpreis geht an die Journalistin Stefanie Panzenböck

Die österreichische Dokumentarfilmerin und Publizisten Elizabeth T. Spira wird mit dem Lessingpreis für Kritik 2018 ausgezeichnet. Spira könne Menschen zum Sprechen veranlassen und Gegenstände beredt machen, erklärte die Jury ihre Auswahl. Die 1942 in Glasgow als Kind jüdischer Emigranten geborene Spira soll die Auszeichnung am 13. Mai in der Augusteerhalle der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel erhalten. Traditionell darf der Preisträger selbst einen Förderpreis verleihen, der mit 5000 Euro dotiert ist. Dafür hat Spira die österreichische Publizistin Stefanie Panzenböck nominiert. Alle zwei Jahre vergeben die Lessing-Akademie Wolfenbüttel und die Braunschweigische Stiftung die Auszeichnung für bedeutende geistige Leistungen nach dem Vorbild des Schriftstellers.

Züricher Neumarkt-Theater ab 2019 mit Dreier-Direktion

Julia Reichert, Tine Milz und Hayat Erdoğan bilden Führungstrio

Ein Direktionsteam bestehend aus Julia Reichert, Tine Milz und Hayat Erdoğan übernimmt ab der Spielzeit 2019/20 die Leitung des Zürcher Theater am Neumarkt. Das Trio wurde vom Verwaltungsrat für vier Jahre gewählt. Das Theater teilte mit, man wolle mit der Wahl des Frauenteams ein Zeichen für ein zukunftsorientiertes Ensembletheater setzen. Die drei seien in der Stadt bestens vernetzt. Sie sollen den Neumarkt "weiterhin als offenen Freiraum für das künstlerische Experiment positionieren", hieß es. Dazu strebe man verstärkt Kooperationen an, sowohl international als auch in Zürich. "Die Tradition des Neumarkts als beweglichstes Ensembletheater der Stadt soll damit fortgesetzt werden und mit einem diversen und lebendigen Angebot vermehrt auch ein junges, urbanes Publikum ansprechen."

Karl-Markus Gauß bekommt Améry-Preis

Gauß ist Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik

Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß erhält den Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik. Der Buchautor und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik überzeugte die Jury, weil er das grenzenlose Europa beim Wort nehme. Die Vielfalt des Kontinents stelle Gauß als Reichtum dar. Gauß ist Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Immer wiederkehrende Themen sind nationale Minderheiten und Ethnien sowie die Situation in Mittel- und Südosteuropa. Diese Regionen hat Gauß für seine Bücher vielfach bereist. Der Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik zeichnet Schriftsteller für ihr Lebenswerk aus, in dem der literarische Essay einen wichtigen Platz einnimmt. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Allianz Kulturstiftung und dem Verlag Klett-Cotta vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.

Kunsthalle Mannheim zur Besichtigung offen

Festakt mit offizieller Übergabe am Montag

Der derzeit größte deutsche Museumsneubau hat zur Besichtigung geöffnet. Allerdings fast ohne Kunstwerke. Mit einem Etat von 68 Millionen Euro wurde das Großbauprojekt „Kunsthalle Mannheim", dank eines Stifters und durch „private public partnership" gebaut. Die Direktorin der Kunsthalle Ulrike Lorenz begeistert sich für die Architektur, die wie eine „Stadt in der Stadt" funktioniere. Bevor am Montag das Museum in einem Festakt offiziell übergeben wird, läd es zu Tagen der offenen Tür. Dann aber schließt die neugebaute Kunsthalle bereits wieder. Richtig eröffnet wird das Museum erst ein halbes Jahr später. Zu den Kunstwerken, die schon installiert sind, zählt ein neun Meter hohes und 2,7 Tonnen schweres Bleirelief von Anselm Kiefer.