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Montag, 18.12.2017

Wortwechsel | Beitrag vom 01.12.2017

Kulturelle Bildung im ländlichen RaumProvinziell?

Moderation: Susanne Führer

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Eine Szene zum Theaterprojekt «Die Heiden von Kummerow» des «Theaters 89» wird am 05.05.2017 auf einem Bauernhof in Biesenbrow (Brandenburg) geprobt. (dpa / picture-alliance / Patrick Pleul)
Kultur im Dorf - hier ein Theaterprojekt in Biesenbrow (Brandenburg) (dpa / picture-alliance / Patrick Pleul)

"Abgehängt" - dieses Stichwort fällt immer wieder in der Debatte darüber, ob unsere Gesellschaft auseinanderdriftet und wenn ja, warum. Viel ist dabei vom Stadt-Land-Gefälle die Rede. Tatsächlich stehen die ländlichen Räume vor großen Herausforderungen angesichts von demographischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen.

Tatsächlich stehen die ländlichen Räume vor großen Herausforderungen angesichts von demographischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Und dabei geht es um mehr als fehlende Breitbandanschlüsse, ökonomische Standortnachteile und die Landflucht jüngerer Menschen; es geht auch um Kultur und kulturelle Bildung.

Unter welchen Bedingungen findet kulturelle Bildung "auf dem Lande" statt? Welche Akteure sind dabei gefragt, was läuft gut, was liegt im Argen? Wie mobil muss die interessierte Bevölkerung sein, um kulturelle Bildungsangebote wahrnehmen zu können – oder wie mobil sollten die Angebote sein, um zu den Menschen zu kommen?

Über diese und andere Fragen diskutierten im Wortwechsel:

Prof.Dr.Wiltrud Gieseke, Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung am Institut für Erziehungswissenschaften, Humboldt Universität Berlin

"Die Menschen dort sind nicht so viel andere Menschen als in der Stadt. Wenn wir das nicht genau immer wieder sagen, haben wir so eine Idee, dass das Ländliche an sich… Wir haben nicht mehr das klassisch Ländliche, sondern wir haben andere Bedingungen."

Kenneth Anders, Programmleiter Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur

"Anreize, sich mit dem eigenen Raum auseinanderzusetzen, die sollte man setzen. Gerade in der kulturellen Bildung auch, die wir deswegen ‚landschaftliche Bildung‘ nennen. Die eigene Landschaft – zu sagen, was ist dort, was erfahre ich dort, womit kann ich mich auseinandersetzen? Das muss man sich aneignen, es ist ein produktiver Prozess."


Prof. Dr. Ulrich Klemm, Geschäftsführer des Sächsischen Volkshochschulverbands

"Das Problem in der Erwachsenenbildung ist, dass wir keine sozialräumlich orientierten Förderinstrumente haben. Es gibt das Gießkannen-Prinzip: Es wird alles gleich gefördert, egal ob das ein Yoga-Kurs in der Stadt ist oder ob das politische Bildung im ländlichen Raum ist. Und das ist ein Problem, da kommen wir nicht weiter."


Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats

"Wir fordern 350 Millionen Euro jährlich – jetzt in dem Fall nur für den Musikbereich, das könnte man aber auf den gesamten Bildungsbereich ausdehnen. Und zwar als Ergänzungsfinanzierung zur Regelfinanzierung, damit ausgeschlossen ist, dass der Bund Geld gibt und die Länder oder die Kommunen das dann irgendwo wieder anders hinpacken. Und da müssen wir Akteure, glaube ich, alle noch deutlicher und lauter werden in unseren Forderungen. Und zwar zum richtigen Zeitpunkt, wie z. B. bei den kommenden Koalitionsverhandlungen."

Moderation: Susanne Führer

Die Diskussion wurde am 30. November 2017 aufgezeichnet beim 11. Dialogforum "Kultur bildet" des Deutschen Kulturrats; Deutschlandfunk Kultur und WDR 3 sind Medienpartner.

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