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Kompressor | Beitrag vom 12.03.2018

Kulturanthropologin zum "Bild"-Verzicht auf NacktfotosMit oder ohne Unterwäsche – die Frau bleibt Ware

Elisabeth von Samsonow im Gespräch mit Gesa Ufer

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Ein deutscher Urlauber liest die "Bild"-Zeitung am Strand von Grado an der Adria (picture alliance / Markus C. Hurek)
Das traditionelle "Bild-Girl" soll es weiter geben, allerdings in Dessous oder im Bikini. (picture alliance / Markus C. Hurek)

"Bild" will die sogenannten "Girls" künftig nicht mehr "oben ohne" zeigen. Die Kulturanthropologin Elisabeth von Samsonow sieht darin keinen Fortschritt. Die Frau werde weiterhin als Erregungsobjekt dargestellt – der Analyse der Frauendarstellung bei "Bild" fehle jede Tiefe.

"Männer, ihr müsst jetzt ganz stark sein" – so lautet die "Bild"-Überschrift am heutigen Montag. Denn die Zeitung wird zukünftig auf Oben-ohne-Fotos von Frauen verzichten. Das traditionelle "Bild-Girl" soll es weiter geben, allerdings in Dessous oder im Bikini. Doch wie zeitgemäß sind Fotos von nackten Frauen  und was bringt ein solcher Verzicht?

"Es ist natürlich absolut verrückt, jetzt zu denken, dass die Geschlechterproblematik dadurch einen Fortschritt erführe, dass man diese Form der Nacktheit in den Zeitungen eliminiert", meint die Künstlerin und Kulturanthropologin Elisabeth von Samsonow von der Wiener Akademie der bildenden Künste.

"Wenn man jetzt diese Abbildungen tatsächlich noch weiterhin aufrecht erhält, und in dem Modus, in dem sich Playboy und andere Formate auch anpassen an veränderte Bedingungen, unter denen Nacktheit in der Öffentlichkeit verhandelt werden kann, dann ist das nicht besonders überzeugend. Man springt auf auf eine öffentliche Debatte, vergisst aber die Analyse in der Tiefe zu vollziehen."

Frauenkörper als kapitalistischer Faktor

Denn damit sei man noch lange dort angekommen, Frauen überhaupt einen anderen Status einzuräumen und sie nicht als ein Objekt oder eine Ware darzustellen, so Elisabeth von Samsonow weiter.

"Es ist eigentlich ein kapitalistischer Faktor, sozusagen ein 'turning point', oder wie sagt man 'antörnender point' für den Kapitalismus und solange diese Fragen nicht bearbeitet sind, ist es eigentlich egal, ob ich jetzt auf der Ebene des Dekorum mit oder ohne Unterwäsche die Frauen zeige. Die wird immer noch gezeigt im Sinne dieser Erregung, 'bitte schau' mal da hin, willst du das kaufen, gefällt dir die Zeitung'."

Das Problem sei, dass es das 20. Jahrhundert nicht geschafft habe, die Verklemmtheiten des 19. Jahrhunderts auf angemessene Art und Weise auszuräumen.

"In Wahrheit hat es im Zuge dieser forcierten Kapitalisierung nichts anderes gegeben als eine Pornografisierung anstatt der Vernatürlichung der Nacktheit. Und mit der müssen wir jetzt zurechtkommen."

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