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Montag, 20.11.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 09.11.2017

Künstlerin Nevin AladağDer Sound von Marzahn und musizierende Möbel

Nevin Aladağ im Gespräch mit Britta Bürger

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Nevin Aladağ auf der documenta14. (Trevor Good)
Nevin Aladağ auf der documenta14. (Trevor Good)

Eine Mundharmonika im Wind von Marzahn, der Sound eines Sessels – Nevin Aladağ entdeckt Klänge, wo sie zunächst niemand vermuten würde. Und dann ist da noch der "Fliegerkuss".

Klänge sind für Nevin Aladağ Ausdruck kultureller Identität und spielen in ihrem vielschichtigen Werk eine große Rolle. Ihre Installationen sind unter anderem auf der documenta, auf der Biennale von Venedig, der Frieze in London oder in der Frankfurter Schirn zu sehen. Sie entdeckt Klänge, wo sie zunächst niemand vermutet.

"Die Mundharmonika habe ich damals aus dem fahrenden Auto gehalten in Marzahn und wenn man die an den Hochhäusern vorbeifährt erinnert es quasi an eine vertikale Mundharmonika und mir ging es darum, die Stimmen der Stadt einzufangen oder metaphorisch einzufangen. Während ich die Mundharmonika aus dem fahrenden Auto halte, klingen alle Töne gleichzeitig, das heißt, wie wenn quasi alle Stimmen gleichzeitig klingen, und ich fand das sehr spannend, sozusagen eine Stadt mit Instrumenten zu erzählen, wo die Instrumente nicht von den Menschen bespielt werden, sondern von den Elementen einer Stadt."

Für die documenta 14 gestaltete sie am Athener Standort ein "Musikzimmer", in dem sie Möbel in Saiten- und Schlaginstrumenten verwandelte und von Live-Performern spielen ließ.

Ihre künstlerische Karriere verlief parallel zu der ihres langjährigen Partners Daniel Knorr. Beide studierten bei dem Künstler Olaf Metzel. Auch in schwierigen Zeiten hätten sie sich immer wieder Mut zugesprochen und Phasen der Trennung wurden künstlerisch verarbeitet:

"Wir hatten eine sogenannte long-distance-Beziehung und ich habe mir dreimal in dem Jahr leisten können, nach New York zu fliegen und habe den Fliegerkuss als Objekt gebaut. Das sind zwei Modellflugzeuge, die sich an der Spitze küssen. Und es war sozusagen der Kuss und der Crash in einem, einerseits war das Vermissen sehr groß. Auf der anderen Seite ist eine long-distance-Beziehung sozusagen mit Konflikten verbunden und man weiß nicht, ob man das durchhält. Und diese Arbeit ist eigentlich die Arbeit, die unsere Beziehung damals erzählt hat."

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