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Kompressor | Beitrag vom 11.05.2018

Künstler Hans Haacke über politische KunstVolk - oder besser Bevölkerung?

Hans Haacke im Gespräch mit Max Oppel

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Die Kunstinstallation von Hans Haacke "Der Bevölkerung" im Innenhof des Bundestags in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Die Kunstinstallation von Hans Haacke "Der Bevölkerung" im Innenhof des Bundestags in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Der Künstler Hans Haacke ist der Schöpfer des Schriftzugs "Der Bevölkerung" im Bundestag. Jetzt spricht er bei der Berliner Tagung "Kunst/Politik". Er macht sich Gedanken, wie man das Wort "Volk" im Deutschen neutral zurückgewinnen könnte.

Heute Abend beginnt im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) die Tagung  "Kunst/Politik". Dort geht es um die Möglichkeiten politischer Kunst - und um die wachsende Erwartungshaltung gegenüber der Kunst, auf gesellschaftliche Missstände Einfluss zu nehmen. Mit dabei sind unter anderen Hito Steyerl, die von der britischen "ArtReview" zur weltweit einflussreichsten Künstler-Persönlichkeit gewählt wurde, sowie die ehemaligen documenta-Leiter Adam Szymszyk und Catherine David.

Der Künstler Hans Haacke (picture alliance / dpa)"Arbeit, Aufmerksamkeit und Offenheit" braucht es, wenn man mit dem Begriff Volk gut umgehen will, findet der Künstler Hans Haacke. (picture alliance / dpa)

Hans Haacke, Weltstar der politischen Kunst, hält den Vortrag "Liberté, Égalité, Fraternité – für alle". In Deutschland wurde er als Schöpfer des Schriftzugs "Der Bevölkerung" im Bundestag bekannt. Als Beet im Glashof angelegt, war und ist es umstritten, weil es der Reichstags-Aufschrift "Dem deutschen Volke" die Bevölkerung entgegensetzt. Abgeordnete hatten vor 18 Jahren für das Beet Erde aus ihren Bundesländern beigesteuert. Rückblickend sagt er darüber:

"Es gab eine große Debatte im Jahr 2000. Da wurde unter anderem behauptet, dass der Zusatz 'Der Bevölkerung' zu der Widmung 'Dem deutschen Volke', dass das möglicherweise mit der Verfassung nicht vereinbar sei. Und ich habe immer darauf gedrungen zu erkennen, dass das, was im Parlament entschieden wird, nicht nur Leute betrifft,  die seit Generationen deutschstämmig sind, sondern alle, die auf dem deutschen Staatsgebiet leben. Das ist die Bevölkerung."

"Wir nicht Ihr!"

Das Wort Volk ist für den 81-Jährigen, der in Köln geboren wurde und derzeit in New York lebt, sowohl historisch wie auch in der Gegenwart belastet:

"Das Wort 'Volk' hat, wie wir ja wissen, in der Nazi-Zeit eine andere Bedeutung bekommen – nämlich eine rassistische. Das hat es sehr belastet. Dann hat es 1989 einen anderen Aspekt gegeben als in Ostdeutschland, besonders in Leipzig, die Parole angestimmt wurde 'Wir sind das Volk' im Gegensatz zur sogenannten Volksrepublik, Volkspolizei. Es war also auch ein Befreiungsruf: Wir nicht Ihr! Inzwischen hat das unglücklicherweise wieder eine andere Drehung bekommen und Volk wird wieder nationalistisch und auch fremdenfeindlich interpretiert."

Kann man den Begriff Volk überhaupt wieder zurückgewinnen und umdeuten? Nach Meinung von Hans Haacke bedürfe das Arbeit, Aufmerksamkeit und Offenheit: "Man kann fast sagen, es ist ein politisches Erziehungsprogramm."

(cosa)

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