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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.05.2016

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Maximilian Steinhaus im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)
Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Leipzig: Als Konfessionsloser kritisiert Steinhaus die Privilegien der Kirchen. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

Aller Angst vor der "Islamisierung des Abendlandes" zum Trotz: In die Kirche gehen die Deutschen trotzdem nicht häufiger. Nur etwa ein Drittel sind überhaupt noch Mitglied in der katholischen Kirche, ein Drittel ist evangelisch und das letzte Drittel ist konfessionslos. Doch Kirchenmitglied zu sein, heißt nicht notwendigerweise auch, den Glauben zu praktizieren, zwischen Ostern und Weihnachten gähnt meistens eine ziemliche Leere auf den hölzernen Bänken unserer abendländischen Gotteshäuser. Vom 25. bis zum 29. Mai findet der Katholikentag in Leipzig statt. Welche Rolle spielt der Glaube in einer zunehmend glaubensfernen Gesellschaft überhaupt noch? 

Kirche trennt, Sport und Kultur führt zusammen

Maximilian Steinhaus ist vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Auch er wird beim Katholikentag in Leipzig dabei sein. Dort setzt er sich dafür ein, Kirche und Staat rigoros voneinander zu trennen. "In einer zunehmend pluralen Gesellschaft kann es der Staat gar nicht leisten, verschiedene Weltanschauungen gleichmäßig zu fördern", meint er: "Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert, andere Weltanschauungen gehen komplett unter." Eine Gleichbehandlung könne hier nur hergestellt werden, wenn sie gar keine Förderung mehr erhielten. "Kultur und Sport hingegen sind integrativ", sagt er, denn hier liege der Fokus nicht auf unterschiedlicher Weltanschauung. 

Bloß keine Traditionsblindheit

"Ich bin konfessionsfrei, mir gibt die Religion keinen Halt", sagt Steinhaus, im Gegenteil: Solche Vorstellungen wie Himmel oder Hölle seien doch eher bedrückend. Vor allem aber sei es nicht Aufgabe des Staates, das zu entscheiden, daran zu glauben sei eine individuelle Entscheidung. Er glaube an Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - alles Werte, die gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt worden seien, erinnerte Steinhaus. "Deshalb sollte man auch nicht aus einer Traditionsblindheit heraus diesen Institutionen weiter massiv Geld zukommen lassen."

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