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Mittwoch, 13.12.2017

Interview | Beitrag vom 16.11.2017

Kritik an der Schule von heuteKasernen können kein Vorbild für Klassenzimmer sein

Olaf-Axel Burow im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Das Bild zeigt ein Themenfoto zu Neuen Medien: Ein Schüler verschiebt App-Icons auf einer digitalen Projektionsfläche. (epd/Jens Schulze )
Mehr digitale Medien und vor allem mehr Bewegung im Unterricht, wünscht sich Olaf-Axel Burow. (epd/Jens Schulze )

Wie sollte die Schule der Zukunft aussehen? Der Pädagoge Olaf-Axel Burow fordert neue Räume, die einem veränderten Modell des Lernens gerecht werden. Sein Vorschlag: mehr Möglichkeiten der Bewegung, Rückzugspunkte – und vor allem kein Frontalunterricht.

Olaf-Axel Burow hat Zukunftswerkstätten veranstaltet, wo Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam ihre ideale Schule entwerfen:  

"Die bauen nie rechteckige Kästen mit davon abgehenden Behördenfluren, sondern das sind immer organische Rundbauten mit Glaskuppeln, Pavillonartig in die Natur integriert."

Bewegen statt Sitzen

Lernen gelinge nur in einem Rhythmus von Lernen, Konzentration, Entspannung und Bewegung wie Tanzen und an die frische Luft gehen. Festinstallierte Tische, die den Raum vollstellten, stünden dem entgegen, ist der Autor des Buches "Positive Pädagogik: Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück" überzeugt. Laut einer AOK-Studie lernten Schülerinnen und Schüler heute neun Stunden am Tag im Sitzen, was Krankheiten wie ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) befördere.

"Es ist nicht sinnvoll, dass sie in einem frontal ausgerichteten Klassenzimmer sitzen. Zum Beispiel auch die Smart-Boards, die digitalen Tafeln, halte ich für einen Fehler, weil da haben Sie wieder diese frontale Ausrichtung. Sie brauchen iPads und Schüler müssen selbstgesteuert in Teams arbeiten können."

"Industrielle Massenpädagogik"

Der emeritierte Professor für Allgemeine Pädagogik plädiert für eine Zusammenarbeit von Schulen mit Theatern und Museen. Seine Kritik an der heutigen Schule ist grundsätzlich:

"Das ist industrielle Massenpädagogik, ein Fließbandsystem – für alle zur gleichen Zeit das Gleiche. Die Schule ist nach dem Modell der Fabrik aufgebaut. Die Schüler werden nach Alterskohorten sortiert, die fließbandmäßig vorrücken, wobei der Ausschuss aussortiert wird."

Eine lebendige Lehr- und Lern-Umgebung müsse auch architektonisch neu gestaltet werden:

"Im Moment werden in Berlin, München, Hamburg neue Schulen gebaut. Wenn wir die nach dem Modell der Preußenkaserne bauen, dann haben wir die nächsten Hundert Jahre Pädagogik zugemauert."

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