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Montag, 20.11.2017

Kompressor | Beitrag vom 14.11.2017

Kostenfalle beim TicketkaufVerbraucherschützer gehen gegen Viagogo vor

Susanne Baumer im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Schalke-Fans zeigen Transparente mit der Aufschrift "Vianogo", um gegen erhöhte Preise des Kartenhändlers Viagogo zu demonstrieren. (dpa / picture alliance / Friso Gentsch)
Fans des Fußball-Klubs Schalke 04 protestieren gegen Viagogo (dpa / picture alliance / Friso Gentsch)

Die Schwiegereltern würden gerne Macbeth in der neu gestalteten Staatsoper Unter den Linden sehen? Ausverkauft? – vielleicht findet sich noch was im Netz? Die Verbraucherzentrale Bayern rät allerdings zu Vorsicht – und geht gerade gegen Viagogo vor.

Zwar habe die Verbraucherzentrale Bayern bereits vor einigen Wochen Klage gegen den Online-Ticket-Handel Viagogo eingereicht. Doch die Klage sei bislang nicht zugestellt worden, wie Susanne Baumer von der Verbraucherzentrale Bayern im Deutschlandfunk Kultur berichtet. Sie "kritisieren an Viagogo, dass ihr Geschäftsmodell nicht transparent dargestellt wird."

Rolle von Viagogo intransparent

Üblicherweise sei es so, dass es beim Ticketkauf einerseits den Veranstalter gebe, der die Tickets ausgebe und den Preis festlege, sowie den Händler, der die Tickets dann zum festgelegten Preis plus Vorverkaufsgebühr verkaufe.  

"Und dann hat man die Börsen, wie Viagogo das ist, die Tickets verkaufen zu einem Marktpreis, wie sie es nennen. Also, der, der am meisten zahlt, kriegt Tickets. Und es ist so, dass Viagogo auftritt, als wäre es ein Tickethändler."

Ticketkäufer hätten sich allerdings mit Beschwerden an die Verbrauchenschützer gewendet, so Baumer:

"Sie dachten, es sei ein offizieller Tickethändler und dass die Tickets eben so teuer sind. Und wie sie dann die Tickets zugeschickt gekriegt haben, sehen sie, dass die Tickets statt der 485 Euro, die sie für zwei Tickets in der Elbphilharmonie bezahlt haben, nur 30 Euro gekostet hätten."

Viele Fragen unbeantwortet

Viagogo stelle sein Geschäftsmodell nicht transparent dar, behauptet Baumer. Man könne daher auch nicht sagen, ob womöglich Veranstalter mit Viagogo zusammen arbeiteten:

"Viagogo legt nicht transparent dar, wer der Verkäufer der Karten ist. Das ist mit einer der Gründe, warum man denkt, Viagogo sei ein Händler. Wenn ich bei Ebay was kaufe, was ja auch eine Börse ist, sehe ich, wer der Verkäufer ist und sehe, dass das Einzelpersonen sind oder Organisationen. Bei Viagogo weiß man's nicht."

Auf die Frage, ob nicht von Gesetzes wegen der Komplettpreis bei der Bestellung angezeigt werden müsse, sagt Verbraucherschützerin Susanne Baumer:

"Ja, das ist ein Problem bei Viagogo."

Anzeige des Komplettpreises

Viagogo bewerbe seine Tickets mit aggressiven Anreizmethoden, so Baumer. Es werde von vornherein gesagt: Nur noch drei Prozent, oder zwei Prozent oder ein Prozent - mehr Tickets seien nie übrig.

"Und wenn man die Tickets kauft, heißt es dann, es sind 43 Leute in der Warteschlange. Und wenn Sie jetzt nicht innerhalb der nächsten zwei Minuten auf 'Kaufen' klicken, sind die Tickets weg. Und in dem Moment, wo das angezeigt wird, sind auf der linken Spalte des Bildschirms dann kurz die Gebühren angezeigt, die aber durch Werbung nach unten gedrängt werden, und den Kaufen-Button rechts oben sehen Sie – so dass technisch die Gebühren angezeigt werden, aber außerhalb ihres Bildschirms."

Gibt es dagegen keine rechtliche Handhabe? Baumer will sich diesbezüglich nicht zufrieden geben:

"Wir versuchen das gerade. Wir überlegen, denn es ist nicht transparent. Es ist einfach nicht transparent, wenn ich Gebühren habe, die nicht beim Kaufen angezeigt werden. Da kann man jetzt sagen, ist zwar technisch auf der selben Bildschirmseite, aber wenn man's nicht sieht, sieht man's nicht."

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