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neunzehn fünfundvierzig / Archiv | Beitrag vom 30.08.2005

Korea nach dem Zweiten Weltkrieg

Kriegsende in Asien

Von Barbara Wahlster

Hiroshima nach der Zersörung durch die Atombombe, 6.8.1945 (AP Archiv)
Hiroshima nach der Zersörung durch die Atombombe, 6.8.1945 (AP Archiv)

1945 beendete die Kapitulation Japans auch die Herrschaft der Japaner über Korea. Doch schon vor der japanischen Kapitulation besetzten sowjetische Truppen den nördlichen Teil der koreanischen Halbinsel. Ähnlich wie im Nachkriegsdeutschland übernahmen die USA die Kontrolle über den Süden.

Jahrzehnte lang hatte Korea unter japanischer Herrschaft gestanden. Die Japaner hatten versucht, die koreanische Sprache und Kultur zu unterdrücken und Korea als Nation auszulöschen. 1910 war Korea von Japan annektiert worden. Im Zweiten Weltkrieg wurden koreanische Männer in die japanische Armee gezwungen, koreanische Frauen mussten japanischen Soldaten als so genannte "Trostfrauen" dienen.

1945 beendete die Kapitulation Japans auch die Herrschaft der Japaner über Korea. Doch schon vor der japanischen Kapitulation am 2. September besetzten sowjetische Truppen den nördlich des 38. Breitengrades gelegenen Teil der koreanischen Halbinsel. Ähnlich wie im Nachkriegsdeutschland übernahmen die USA die Kontrolle über den Süden. Der Schriftsteller Lee Hochol kommt aus dem Norden und lebt heute in Seoul.

"Damals, als das Land 1945 geteilt wurde, haben die Menschen im Norden und im Süden die Trennung gleichermaßen gespürt und zur Kenntnis genommen. Aber man sollte Nordkorea und Ostdeutschland nicht gleichsetzen - es ist eine andere Art Kommunismus, eine viel brutalere Herrschaft."

1948 wurde im Süden die Republik Korea ausgerufen - mit prowestlicher, autoritärer Regierung. Nur wenig später, im September 1948, folgte der Norden mit der Proklamation der Volksrepublik Korea unter Präsident Kim Il Sung, dem Vater des heutigen Parteivorsitzenden Kim Jong Il.

1950 unternahmen nordkoreanische Truppen einen Überraschungsangriff, eroberten Seoul und drangen tief in den Süden des Landes vor. Rund drei Millionen Tote und Verwundete, mehr als zwei Drittel davon Zivilbevölkerung, Millionen Obdachlose: Das war die Bilanz des so genannten Bruderkrieges, als am 27. Juli 1953 ein Waffenstillstand erreicht war. Seither bildet die entmilitarisierte Zone entlang des 38. Breitengrads auf dem Festland die rund 250 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern. Eine bis vor wenigen Jahren noch gänzlich undurchlässige Grenze, denn der gewaltsame Vereinigungsversuch des Nordens führte im Süden zu einer totalen Abschottungspolitik, wie Lee Hochol unterstreicht:

"Mit den Verhältnissen in Deutschland ist das nicht zu vergleichen, denn die Nordkoreaner hatten über lange Zeit keinerlei Informationen aus dem Süden. In der DDR hatte man ja Radio und Fernsehen und Auskünfte durch Besuche. Aber Nordkorea war vollkommen abgeschnitten (das ist heute allmählich etwas anders). Wir im Süden mussten Sondergenehmigungen haben und bezahlen, um überhaupt in die Nähe der Grenze zu kommen. Und die Demarkationslinie besteht nach wie vor wie seit 1953. Bis jetzt macht sich strafbar, wer vom Süden aus unautorisiert in den Norden reist."

Ohnehin ausgeblutet durch die japanische Besatzung, waren nach dem so genannten Bruderkrieg beide Landesteile komplett zerstört. Bis in die 60er und sogar noch Anfang der 70er Jahre herrschten in Südkorea bittere Armut und Arbeitsplatzmangel.

"Wir konnten essen, aber nicht genug essen, aber Kinder zur Schule schicken, wenn wir einen Arbeitsplatz haben. Aber fast 30 Prozent verhungert zur damaligen Zeit. Reiche Leute haben für mich geholfen. Ich bedanke mich immer noch ein Sack Reis oder ein Sack Mehl, wenn so was gegeben Leute, ich konnte nie vergessen."

So erinnert sich Woo Chon Ju, die sich von der Bundesrepublik als Krankenschwester anwerben ließ. Koreas autoritäre Regime waren Vorposten im Kalten Krieg. Erst als sich Südkorea als führende Wirtschaftsnation etablierte, begann die allmähliche Demokratisierung des Landes, und seit dem Jahr 2000 nähren die innerkoreanischen Kontakte auch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung des Landes. Die Anglistikprofessorin Lee Sang-Wha meint:

"Unsere Gesellschaft ging seit den 70er Jahren beinahe 30 Jahre lang durch sehr turbulente Phasen. Seit die Regierung Kim Dae Jongs begann, mit dem Norden zu kommunizieren, ist die psychologische Spannung spürbar zurückgegangen. Seither wurden auch Kontakte möglich: Nordkorea ist wirtschaftlich wichtig geworden, Kulturaustausch findet statt. Insofern sind wir uns der Teilung nicht mehr so bewusst. Wir gehen ohnehin davon aus, dass wir ein Land sind. Einmal abgesehen von den Weltnachrichten, die uns dann klar machen, dass Nordkorea von den USA bedroht wird wegen der nuklearen Problematik. Für uns fühlt es sich eher so an, als gingen wir der Wiedervereinigung in Riesenschritten entgegen."

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