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Freitag, 24.11.2017

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 04.10.2013

Kooperation als Evolutionsvorteil

M. A. Nowak mit R. Highfield: "Kooperative Intelligenz – Das Erfolgsgeheimnis der Evolution", H.C.Beck, 347 S.

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Evolutionär nahe Verwandte des Menschen: Affen.  (MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig)
Evolutionär nahe Verwandte des Menschen: Affen. (MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig)

Nicht nur Mutation und Selektion treiben den evolutionären Prozess voran, auch die Kooperation ist eine treibende Kraft: Wer kooperiert, kommt weiter als jemand, der sich allein durchkämpft. Das ist die These des Evolutionstheoretikers Martin Nowak, die er einleuchtend und gut untermauert darlegt.

Im Mittelpunkt der Evolution steht der Wettbewerb. Die am besten angepassten Lebewesen überleben, die anderen gehen unter. Den Sieger bestimmen nach Charles Darwin zwei Grundregeln: die Mutation, also die permanente genetische Veränderung und die Selektion, die natürliche Auswahl der fittesten Kreaturen.

Der Evolutionstheoretiker Martin Nowak ist allerdings der Überzeugung, dass eine dritte Kraft genauso lenkend eingreift: die Kooperation. Sie ist für ihn die "Architektin der Kreativität, die immer neue Geschöpfe hervorbrachte". Zusammen mit Selektion und Mutation treibt sie die Evolution voran.

Zwar kann ein einzelnes Individuum durchaus fitter sein als seine Mitkonkurrenten, aber wenn letztere zusammenarbeiten, dann bewältigen sie gemeinsam den Überlebenskampf besser.
Das beginnt schon direkt nach dem Entstehen des ersten Lebens. Zellen, die sich zusammenschlossen, hatten größere Chancen, sich in einer feindlichen Umwelt zu behaupten, als Einzeller.

Mehrzellige Organismen entstanden, Pflanzen, Tiere und schließlich die Menschen. Der menschliche Körper ist ein Musterbeispiel für die Kooperation von Milliarden unterschiedlicher Zellen, die ohne gegenseitige Hilfe untergehen müssten.

Im Verlaufe seiner Forschung ist der Autor auf fünf Mechanismen gestoßen, die die Kooperation vorantreiben, insbesondere die menschliche, denn sie ist die höchst entwickelte Form der Zusammenarbeit. Seine Argumentation stützt sich dabei auf mathematische Modellrechnungen, die Nowak in so einfache Beispiele übersetzt, dass auch Nichtmathematiker sie begreifen.

Die fünf Mechanismen sind: die Wiederholung, die jeder kennt, "Eine Hand wäscht die andere", das funktioniert solange gut, solange sich alle Beteiligten persönlich kennen. Die zweite, Reputation genannt, ist komplizierter. Nowak zitiert hier die Bibel: "Gebt, so wird euch gegeben". Weiß ich von anderen, dass sie großzügig handeln, gehe ich kein Risiko ein, leer auszugehen, wenn ich jemandem helfe.

Der dritte Mechanismus sind soziale Netzwerke. Sie stützen Kooperation, sofern man sich untereinander kennt. Der vierte Mechanismus betrifft den Zusammenhalt einer Gruppe. Wenn eine Gruppen gut zusammenhält, kann sie andere Gruppen besiegen. Einzelne opfern sie bereitwillig für das Wohl ihrer Gruppe, obwohl sie selbst davon nichts haben.

Eine letzte Form der Kooperation betrifft eine Sonderform: die Verwandtschaft. Blut ist dicker als Wasser. Je enger die Verwandtschaft, desto größer die Bereitschaft, zu kooperieren. Fällt mein Enkelkind ins Wasser, springe ich bereitwilliger hinterher, um es zu retten, als wenn es sich um ein fremdes Kind handelt.

Nowaks Modell der Kooperation erweitert in der Tat die Evolutionstheorie, denn sie erklärt, warum Menschen nicht nur den eigenen Vorteil im Auge haben, sondern sich gegenseitig helfen und bereit sind für ein übergeordnetes Wohl zurückstecken und Opfer bringen. Der Evolutionsbiologe hat eine aufregende, einleuchtende und gut untermauerte Theorie vorgelegt.

Rezensiert von Johannes Kaiser

Martin A. Nowak mit Roger Highfield: Kooperative Intelligenz – Das Erfolgsgeheimnis der Evolution
H.C.Beck, München 2013
347 Seiten, 24,95 Euro

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