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Kompressor | Beitrag vom 17.07.2017

Konzertveranstaltung "Speicher"Klangkunst aus dem Wasserturm

Von Paul Paulun

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Die Konzertveranstaltung "Speicher" im Wasserturm im Prenzlauer Berg, Berlin, eröffnet die Magie eines unglaublichen Raumgefühls. (Bohemian Drips / Alexander Meurer)
Die Konzertveranstaltung "Speicher" im Wasserturm im Prenzlauer Berg, Berlin, eröffnet die Magie eines unglaublichen Raumgefühls. (Bohemian Drips / Alexander Meurer)

Während der Nazizeit fanden in den Kellern des Wasserturms in Prenzlauer Berg, Berlin, Verhöre statt. In der DDR wurde dort Fisch gelagert. Nun haben die "Bohemian Drips" an diesem Ort Konzerte mit Avantgarde-Künstlern veranstaltet: Klangkunst voll verrückter Echoeffekte.

Die spröden, nihilistisch ächzenden Drones der Musikerin DuChamp verkörpern die düstere Grundstimmung des Ortes auf klangliche Art. Auch im Sommer ist es in den beiden Reservoirs unterhalb des Wasserturms kalt und feucht. Raum und Konzert spielen zusammen.

Konzipiert wurde die Konzertserie "Speicher" von dem Kollektiv "Bohemian Drips". Einer der Mitbegründer ist Alexander Meurer. Er ist fasziniert von Musik an ungewöhnlichen Orten.

Die Gänge des Wasserturms im Berliner Viertel Prenzlauer Berg werden bei der Konzertreihe "Speicher" zum Klangraum. (Bohemian Drips / Alexander Meurer)Die Gänge des Wasserturms im Berliner Viertel Prenzlauer Berg werden bei der Konzertreihe "Speicher" zum Klangraum. (Bohemian Drips / Alexander Meurer)

"Das Tolle ist eigentlich, dass man zwei Kammern hat: den kleinen, der gar nicht klein ist, und den großen, der viel größer ist als der schon relativ große kleine. Man befindet sich einfach in so einem Nicht-Ort, der für alle Sinne eine totale Erfahrung darstellt, die ich so auch noch nicht gemacht habe", sagt Alexander Meurer vom Kollektiv "Bohemian Drips", das die Konzertserie "Speicher" konzipiert hat. 

Eine Einladung, sich im Raum zu bewegen

Die meisten Konzerte finden im kreisförmigen kleinen Wasserspeicher statt. Einem verlieshaften Bau aus Backsteinen mit Betonboden, voll mit mächtigen Säulen und hohen, gewölbten Deckenabschnitten. Die Bühne ist nur ganz leicht erhöht, in der Mitte des Raums. 

Auf ihr performt auch die Minimal-Legende Arnold Dreyblatt. Er kennt den Ort und seine ungewöhnlichen klanglichen Eigenschaften bereits von der Installation Turntable History, die er dort 2009 entwickelte. 

"Meine Musik hat viel mit Akustik und der Akustik von Klang zu tun. Ich erzeuge sehr reichhaltige Serien von Obertönen. Wenn man den Kopf dreht oder sich im Raum bewegt, kann sich dadurch das Klangbild sehr stark verändern. Es ist eine Einladung, sich im Raum zu bewegen und mit der Akustik zu interagieren."

Bei Dreyblatts Konzert mit einem präparierten Kontrabass haben es sich fast alle Zuhörer am Boden auf Teppichen bequem gemacht. Die anderen stehen manchmal hüfthoch im Bass, während von der Decke Obertöne herunterrieseln. Merkwürdige Klangerfahrungen kann man auch im nebenan gelegenen großen Wasserspeicher machen.

Oft traut man seinen Ohren kaum 

"Der kleine Wasserspeicher hat akustische Merkmale von vier bis sechs Sekunden Nachhall, der große bis zu 18 Sekunden – und eben unglaublich verrückte Echoeffekte, je nachdem, wo man steht."

Richard Scott und Axel Dörner bespielen das ringförmig angelegte Tunnelsystem mit modularen Synthesizern, Effektgeräten und einer modifizierten Trompete. Auf sechs Lautsprecher verteilt, pumpen sie ihre Musik in ebenso viele Tunneleingänge hinein. 

In den knapp sechs Meter hohen Tunneln läuft ein Großteil des Publikums eine Dreiviertelstunde lang im Kreis. Oft traut man seinen Ohren kaum – und ist immer wieder überrascht, von wo Musik auftaucht oder herangeweht kommt.

Mit Mikrofonen lässt sich die Magie dieses unglaublichen Raumgefühls kaum einfangen - man muss sie erleben, sowohl akustisch wie auch mit den anderen Sinnen.

Fazit

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