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Sonntag, 21.01.2018

Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.11.2017

Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters BerlinMittendrin und obendrüber: Jörg Widmann

Aus der Philharmonie Berlin

Der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann spricht am 15.10.2012 auf einer Pressekonferenz in München (Bayern). (dpa / Andreas Gebert)
Der Komponist, Klarinettist und Dirigent Jörg Widmann (dpa / Andreas Gebert)

Der 44-jährige Jörg Widmann ist ein Universalist des Musikmachens und –vermittelns: Klarinettist, Komponist, Dirigent und Hochschullehrer. Beim Konzert mit den Berliner Rundfunk-Musikern ist er in fast allen diesen Rollen zu erleben.

Und dazu, quasi verdeckt, noch in einer weiteren – als Sänger. Das gilt nicht nur für die kantablen (und von Widmann als Solist exzellent beherrschten) Passagen in Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert, sondern auch für die nachfolgenden, sinfonisch geprägten Werke des Abends. Beide beziehen sich stark auf die Ausdrucks- und Artikulationsmöglichkeiten der menschlichen Stimme, verlangen also von den Musikern und zuerst natürlich vom Dirigenten so etwas wie ein inneres Mitsingen.

Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys "Reformationssinfonie" resultiert diese Vokal- (und manchmal auch Tanz-)Nähe, durchmischt mit eruptiven dramatischen Ausbrüchen, vor allem aus dem Streben des Künstlers, ein lebendiges, malerisch fassbares Klangbild des Volkslebens im frühen 16. Jahrhundert zu formen. Dass dabei der Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" gleichsam in leitmotivischer Funktion erscheint, darf als Bekenntnis des Komponisten zum ebenso glaubensstrengen wie dennoch weltoffen-neugierigen, aufklärerischen Geist der Reformationszeit gelesen und gehört werden.

Auch Widmanns eigene "Messe", vor reichlich zehn Jahren entstanden und mit rund 40 Minuten Dauer zumindest quantitativ das Hauptwerk des Abends, beschwört Vokales, obwohl in Wirklichkeit nur die Orchesterinstrumente spielen. Ist doch die originale Messe in der katholischen Liturgie, deren Dramaturgie und Ausdruckswerten der Komponist folgt, an das Wort und damit an die Möglichkeiten der menschlichen Stimme gebunden. In diesem Sinne inszeniert Widmann so etwas wie einen ungeborenen (oder vielleicht schon wieder in die Stimmlosigkeit zurückgedrängten) Gesang, eine instrumentale Paraphrase über die im Messtext abgehandelten großen Themen des Glaubens und Lebens.

Hier können Sie das Programmheft nachlesen:

Programmheft 26.11.



Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 26.11.2017 nachmittags


Carl Maria von Weber

Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 1 f-Moll op. 73

Jörg Widmann

Messe für Orchester

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 "Reformationssinfonie"


Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Klarinette und Leitung: Jörg Widmann

Konzert

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