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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 02.01.2015

Komponist Karl Goldmark "Österreichische Musik hat keinen Mittelpunkt mehr"

Von Michael Stegemann

Das zeitgenössische Porträt zeigt den österreichischen Komponisten Karl Goldmark (1830-1915). Welterfolg erlangte er 1875 mit der Oper "Die Königin von Saba". (picture-alliance / dpa / Bifab)
Das zeitgenössische Porträt zeigt den österreichischen Komponisten Karl Goldmark (1830-1915) (picture-alliance / dpa / Bifab)

Um 1900 war er einer der berühmtesten Komponisten Europas, heute ist er fast vergessen: Karl Goldmark, der vor 100 Jahren in Wien starb - er war der letzte musikalische Repräsentant des "Alten Europa".

Es war einmal eine Zeit, da kannte jeder Musikliebhaber in Europa dieses Stück: den "Einzugsmarsch" aus der Oper "Die Königin von Saba" von Karl Goldmark.

"Karl Goldmark ist seit Richard Wagners Tod und durch Richard Wagners tief empfundenen Einfluss der größte lebende Musikdramatiker geworden",

schrieb kein Geringerer als Karl Kraus in seiner Fackel; und die Arie des Assad aus dem 2. Akt der Königin von Saba – "Magische Töne" – hatten alle großen Tenöre der Welt im Repertoire, wie hier Leo Slezak in einer Aufnahme von 1905.

"Magische Töne", die längst verweht und verklungen sind: Wer kennt heute noch Karl Goldmark?

Karl, respective Károly Goldmark wurde am 18. Mai 1830 im ungarischen Kesztheny als Sohn eines jüdischen Kantors geboren. Mit 14 ging er nach Wien und schlug sich jahrelang als Geiger durchs Leben, bevor er als fast 30-Jähriger seine ersten Kompositionen vorstellte – mit schnell wachsendem Erfolg. Chorwerke und Lieder, Klavier- und Kammermusik, die Konzertouvertüre Sakuntala, und 1875 dann "Die Königin von Saba" als erste von sieben Opern: Eine Sensation! Und gleich darauf die nächste: das Violinkonzert a-Moll. 

Jean Sibelius wird dafür beneidet Goldmarks Schüler zu sein

Sicher, es gab auch Kritik – vor allem von dem Brahms-Apostel Eduard Hanslick.

"Nur wenige Kollegen der modernen deutschen Schule empfinden ein so anhaltendes Vergnügen an schneidenden Mißklängen wie der gewaltige Dissonanzenkönig Goldmark."

Und doch entsprach seine Musik in ihrer Mischung aus ungarischen, jüdischen und österreichischen Einflüssen so sehr dem Zeitgeist und Zeitgeschmack, dass nicht nur in Wien "ein regelrechter Goldmark-Kultus" herrschte, wie selbst Hanslick widerstrebend zugeben musste. Er sei "eine europäische Zelebrität" und "ich werde vielerorts beneidet, sein Schüler zu sein" – so der finnische Komponist Jean Sibelius.

Auch wenn er den Triumph seiner Königin von Saba nie mehr wiederholen konnte, galt Goldmark bis zuletzt als Großmeister der "alten Schule". Er starb, 84 Jahre alt, am 2. Januar 1915. In einem Nachruf für den Wiener Merker klagte Richard Specht, dass mit seinem Tod eine Epoche ende.

"Nun ist auch Goldmark fort und die österreichische Musik hat keinen Mittelpunkt mehr."

Das politische Ende hatte schon fünf Monate zuvor mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begonnen.

 

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