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Fazit | Beitrag vom 15.07.2017

Kommentar zum Ende der documenta in AthenVersuch und Anfang

Von Claudia Wheeler

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Die documenta 14 findet parallel in Kassel und Athen statt. (dpa / Combo: Deutschlandradio)
Die documenta 14 findet parallel in Kassel und Athen statt. (dpa / Combo: Deutschlandradio)

Nein, die documenta in Athen ist nicht gescheitert! Adam Szymczyk hat das Publikum oft überfordert. Aber er hat die documenta aus ihrer Komfortzone in Kassel herausgeholt. Das ist ein Anfang. Und eine Herausforderung für den nächsten Kurator.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Nein, die documenta in Athen ist nicht gescheitert. Und die Befürchtung, es würde hier Krisentourismus auf Kosten der Griechen stattfinden, hat sich auch nicht bewahrheitet. Zum Glück, denn die Gefahr war nicht von der Hand zu weisen, wird doch immer wieder beschworen, dass Kunst in der Krise besonders produktiv sei.

Diese documenta wollte viel: Sie wollte Solidarität zeigen, die Athener Institutionen stärken, nicht mehr nur Kunsterklärer aus Kassel sein. Und vor allen Dingen sollte Athen ein gleichberechtigter Partner der hessischen Stadt sein. Und das ist Adam Szymczyk gelungen. Er hat die Ausstellung in der gesamten Stadt verteilt. Athen war nicht nur Kulisse, sie war eine wichtige Akteurin im ganzen Spiel.

Diese documenta war auch eine Aufforderung, die Stadt Athen zu erleben, mit ihrem kulturellen Reichtum, aber auch mit all ihren Brüchen. Leider haben die Macher der documenta es nicht geschafft, auch ihre Bewohner mitzunehmen. Rund 43 Prozent der bisher gezählten Besucher kamen aus Griechenland - das ist nicht besonders viel. Auch sind rund 3.000 Besucher pro Tag nicht viel, wenn man das mit dem Tourismus in Athen vergleicht und hört, dass die Kasseler Ausgabe jetzt schon mit eine Million Besucher rechnet.

Raus aus der Komfortzone Kassel

Doch ist es Adam Szymczyk und seinem Team hoch anzurechnen, dass sie es trotz aller Kritik und Widerstände geschafft haben, die documenta aus ihrer Komfortzone in Kassel herauszuholen und in eine Stadt zu gehen, in der sich viele Krisen Europas wie in einem Brennglas bündeln. Damit ist die documenta 14 eine eindeutig politische Veranstaltung geworden. Eine Aufforderung an die Künstler, sich einzumischen, Stellung zu beziehen.

Diese Aufforderung gibt sie an die Besucher weiter. Das muss man in Zeiten wie diesen von einer Ausstellung erwarten, die für sich in Anspruch nimmt, die weltweit bedeutendste für zeitgenössische Kunst zu sein. Es stimmt, dass diese documenta zu viel will, dass sie das Publikum oft überfordert. Kaum ein Unrecht, das nicht künstlerisch aufgearbeitet wurde.

Deswegen ist sie aber kein Abgesang auf die Gegenwartskunst. Mit der Öffnung nach Athen hat sich die documenta nicht nur räumlich erweitert, sie hat auch die Perspektive verschoben. Der eurozentristische Blick ist aufgebrochen - die documenta 14 ist eine documenta des Übergangs. Eine documenta, an der man sich noch lange abarbeiten wird. Sie ist ein Versuch - sie ist ein Anfang. Und eine Herausforderung für den nächsten Kurator.

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