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Rang I | Beitrag vom 09.09.2017

Klima-Trilogie im Wiener Burgtheater Humanismus als Tarnmantel europäischer Expansion

Thomas Köck im Gespräch mit Janis El-Bira

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(Patrick Pleul/picture alliance/dpa)
Der österreichische Dramatiker Thomas Köck (Patrick Pleul/picture alliance/dpa)

Mit "paradies fluten" feiert das Wiener Burgtheater die Premiere des ersten Teils einer Klima-Trilogie vom österreichischen Dramatiker Thomas Köck. Er will mit dem Blick zurück in den Frühkapitalismus und das wirre Bild der Gegenwart entlarven.

Im Wiener Burgtheater hat das Stück "paradies fluten" (verirrte sinfonie) des österreichischen Dramatikers Thomas Köck an diesem Wochenende Premiere. Es ist der erste Teil einer breit angelegten Trilogie zum Klimawandel und wird in Österreich unter der Regie von Robert Borgmann erstmals gezeigt. In dem Stück entfaltet sich ein durch die gesamte Menschheitsgeschichte windender Erzählstrom, der wichtige Themen, wie den Frühkapitalismus, Migration und Klimaveränderungen mit der brasilianischen Kolonialgeschichte und der Ausbeutung der Kautschuk-Indios verknüpft.

Parallelen im Aufbruch

"Da gibt es einen ganz interessanten Bilderpool", sagte Köck im Deutschlandradio Kultur. "Das ist ja eine Gesellschaft um 1900, die aufbricht und neue Ufer entdecken möchte und neue Länder entdecken möchte." Er habe in dieser Gesellschaft des Aufbruchs viele Parallelen entdeckt. Gerade der Frühkapitalismus zeige, dass die "Flüchtlingsmassen, die jetzt auf Europa zustürmen, nicht vom Himmel gefallen sind". Der Stein, der diese heutige Bewegung ausgelöst habe, sei vermutlich bereits vor mehr als hundert Jahren ins Rollen gekommen. Der Humanismus sei für die europäische Expansionsbewegung nur ein Tarnmantel für imperialistische Strategien, sagte Köck.  

Alternativlosigkeit als Ideologie

Er versuche das wirre Bild der Gegenwart, historisch herzuleiten und daraus eine Utopie zu entwickeln, sagte der Dramatiker. Die propagierte Alternativlosigkeit gehöre zu den schlimmsten ideologischen Vokabeln, um eine finstere Form der globalen Ausbeutung zu verbergen. Dabei gehe die Ausbeutung heute, nur unter einem liberaleren Jargon, munter weiter. Der ÖVP-Politiker Sebastian Kurz betreibe einen Nationalismus, der dem von Ministerpräsident Viktor Orban in Ungarn wenig nachstehe.

"Die Sätze müssen lyrisch gebaut sein, sonst finde ich die nicht gut", sagte Köck über den lyrischen Sprachstil seines Stückes. Auch Musik spiele als Soundtrack einer gewissen Zeit schon beim Schreiben eine wichtige Rolle.  

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