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Lesart / Archiv | Beitrag vom 02.08.2016

Klavierbauer-DynastieDie Geschichte der Familie Bechstein

Gunna Wendt im Gespräch mit Andrea Gerk

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 Flügel und Klaviere aus SeifhennersdorfAufgenommen am 14. Januar 1999. (picture-alliance / dpa / Matthias Hiekel)
Heute werden die Bechstein-Flügel und Klaviere in Seifhennersdorf in Sachsen hergestellt. (picture-alliance / dpa / Matthias Hiekel)

Seine Flügel sollten klangschön und gleichzeitig robust sein. Unter dieser Maxime gründete Carl Bechstein Mitte des 19. Jahrhunderts die bedeutende deutsche Klavierbauer-Dynastie. Deren Geschichte erzählt Gunna Wendt in ihrem Buch "Die Bechsteins".

Die Klavierfabrik Bechstein ist einer der bedeutendsten Piano-Hersteller Europas. Gegründet wurde die Firma 1853 vom jungen Klavierbauer Carl Bechstein.

"Eine sehr ungewöhnliche Persönlichkeit", sagt Gunna Wendt, die kürzlich eine Biografie der Familie Bechstein veröffentlicht hat. Nachdem Carls Vater früh gestorben war, habe dieser es mit einem ambivalenten Stiefvater zu tun bekommen. Diese habe ihn zwar häufig gestraft und reglementiert, aber er hätte auch das große musikalische Talent des Jungen erkannt.

Sie sehe in Carl Bechstein fast so etwas wie eine "Wilhelm-Meister-Figur", so Wendt.

"Also einen jungen Menschen, der in die Welt zieht, um etwas aus sich zu machen, um sich selbst zu bilden, also gar nicht so ganz direkt auf Karriere hin, sondern wirklich sehr offen in die Welt ging."

Ein Bechstein muss auch haltbar und robust sein

Eine große Rolle für Bechstein habe Franz Liszt gespielt. "Denn er hatte mal ein Liszt-Konzert erlebt, an dem der Meister seinen Flügel regelrecht zerlegte", erzählt die Autorin. "Und da fasste er sehr früh diesen Entschluss: Meine Instrumente müssen nicht nur klangschön, differenziert und so perlend und singend sein, sondern sie sollten auch haltbar sein. Das war eine seiner Grundmaximen."

In Wendts Bechstein-Biografie kommen auch die dunklen Flecken der Familiengeschichte vor. Zum Beispiel die frühe Hitler-Verehrung von Schwiegertochter Helene, die den späteren Reichskanzler in ihren einflussreichen Berliner Salon einführte.

"Bis jetzt bewegt es mich, wie eine Frau wie sie - ähnlich wie Elsa Bruckmann, die hier in München einen bekannten Salon führte, in dem vorher Hugo von Hofmannsthal und Rilke gelesen haben, die war ja die andere Hitler-Förderin, also auch eine Dame mittleren Alters und die beiden konkurrierten darum. Das ist schon eine Geschichte, die nach wie vor für mich sehr bizarr ist."

Gunna Wendt: Die Bechsteins
Aufbau-Verlag, Berlin 2016
301 Seiten, 24,95 Euro

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