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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 17.12.2013

KinderbuchRitter und Hexen auf dem Schulweg

Blexbolex: "Ein Märchen"

Von Sylvia Schwab

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Eine Darstellerin spielt in der Galerie Lafayette Disney´s Cinderella (picture alliance / dpa / Vincent Isore)
Blexbolex' Protagonisten erleben Märchenhaftes auf ihrem Heimweg. (picture alliance / dpa / Vincent Isore)

Der Heimweg als fantastisches Abenteuer: Das neue Buch des Illustrators Blexbolex ist ein buntes, verwirrendes Kaleidoskop aus märchenhaften Szenen und Begriffen und ein verblüffendes Fantasiespiel.

Märchen tragen fast immer einen eigenen Titel, nicht nur eine Gattungsbezeichnung. Nicht so dieses kleine, dicke Bilderbuch, das man umso gespannter aufschlägt. Wie ein bunter Klotz liegt es in der Hand, ein kurzes Vorwort gibt eine knappe Inhaltsangabe:

"Diese märchenhafte Geschichte erzählt von dem, was einem Kind Tag für Tag nach der Schule auf dem Nachhauseweg begegnet, und wie eine kleine Welt dabei auf einmal riesig groß wird."

Doch wer nun glaubt, Blexbolex erzähle in diesem außergewöhnlichen Format eine realistische Schulweggeschichte, der ist dem pfiffigen Künstler auf den Leim gegangen. Denn dieses Buch ist ein verwirrendes, buntes Kaleidoskop aus Bildern und Begriffen, Szenen und Wörtern.

Magische sieben Kapitel hat dieses Märchen, und magisch geht es los: Zum einen gibt es nur ein Bild pro Seite, unter dem jeweils nur ein Begriff steht: die Schule, der Weg, das Zuhause. Drei Seiten, drei kleine quadratische Bilder, drei Begriffe - so kurz ist das erste Kapitel. Jetzt liegt es am Betrachter, diesen Raum zwischen den drei Schulweg-Stationen mit seinen Ideen und Assoziationen auszufüllen.

Denn auch im zweiten Kapitel wird diese knappe "Geschichte" nicht weiter erzählt, sondern beginnt von vorn. Dieses Mal aber ist sie länger, wird um Wald und Weg erweitert. Jedes Kapitel ist dann umfangreicher als das vorherige, immer verschlungener wird der Nachhauseweg, immer komplexer und gefährlicher. Neue Räume und Erfahrungen öffnen sich: Märchenhaftes wie Königin und Räuber, Hexe und Burg sind Stichwörter einer immer phantastischeren Entwicklung. Kriegerisches kommt hinzu wie Soldaten und Truppen, untergehende Schiffe und eine Panzerschlacht. Exotisches taucht auf: "die Oase" und "die Karawane". Wobei jedes Kapitel in der Schule beginnt und zu Hause endet, was in all dem Tohuwabohu Verlässlichkeit signalisiert und Halt. Dass diese Schule und dieses Zuhause nie gleich aussehen, ist ein weiterer Spaß.

Erstaunt und verwirrt blättert man so durch die sieben Märchenversionen. Schlägt vor und zurück, vergleicht und entdeckt immer neue Verzweigungen. Mit jedem neuen Kapitel steigern sich die Umwege, werden komplexer und spannender. So wie Kinder in ihrer Phantasie von der Realität ausgehen, dann aber immer mutiger werden und immer schwierigere Prüfungen bestehen können.

Die Konstruktion dieses Märchens – im Spanischen heißt es "Romance", im Englischen "Ballad" – fordert heraus. Dazu kommen Bilder, die ebenso originell sind wie die ganze Buchidee: über 200 Siebdrucke, etwa zehn mal zehn Zentimeter klein, grobkörnig und ausdrucksstark. Mal grell und leuchtend, dann wieder düster-verwunschen ist jedes Bild ein Unikat. Die brave Schreibschrift wiegt einen in Sicherheit. Doch sicher ist hier nichts, alles ist Abenteuer. Blexbolex hat kein gemütliches Weihnachtsmärchen geschaffen, sondern ein verblüffendes Wort- und Bilder-, Gedanken- und Fantasiespiel. Es lädt ein zum Fantasieren, Nachdenken und Staunen.

Blexbolex: Ein Märchen
Jacoby & Stuart, Berlin 2013
240 Seiten, 19,95 Euro
ab 6 Jahren
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