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Kulturnachrichten

Sonntag, 29. Juni 2014

"Kapitalismus-Museum" in Berlin-Neukölln eröffnet

Marktwirtschaft zum Ausprobieren in einem leer stehenden Ladenlokal

Im eher proletarisch geprägten Arbeiter- und Migranten-Bezirk Berlin-Neukölln soll das Museum auf anschauliche Weise einen Zugang zum Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordung bieten. "Im ersten Teil unserer Ausstellung gucken wir uns an, wie der Wert einer Ware entsteht, was überhaupt Geld ist und wie diese Waren auf dem Warenmarkt getauscht werden", sagt
Malte Buchholz, einer der Initiatoren, im Deutschlandradio Kultur. "Das hat nicht den Charakter einer trockenen Wirtschaftswissenschaften-Vorlesung, sondern man kann Sachen ausprobieren und erlebt dann, wie die Wirtschaft funktioniert." Auch sanfte Kapitalimus-Kritik wird in dem Museum formuliert, das nur rund 550 Meter Luftlinie vom Neuköllner Karl-Marx-Platz entfernt liegt. Der bei Immobilien-Händlern immer beliebter werdende Bezirk leidet unter manch negativer Begleiterscheinung der Marktwirtschaft. "Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Stadt. Und da gehen wir auf Gentrifizierung und Zwangsräumung ein und wollen das direkt hier im Stadtteil thematisieren."
Die Finanzierung des Kapitalismus-Museums ist bislang nur bis Mitte Juli sicher.

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Der Literaturnobelpreisträger wirft Bundeskanzlerin Merkel "skandalöse Missachtung" von Autoren vor

Nach dem Protest von Schriftstellern gegen die NSA-Überwachungspraxis hat Günter Grass Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Zeitungsinterview scharf kritisiert. "Bis heute haben sie keine Antwort von der Bundeskanzlerin. In diesem Schweigen drückt sich eine skandalöse Missachtung der Autoren und ihrer Unterstützer aus", sagte Grass dem Magazin "Focus". "Wenn ich jünger wäre, würde ich ein Zelt aufschlagen vor dem Bundeskanzleramt und warten, bis ich eine Antwort bekomme", sagte der 86-jährige Schriftsteller.

Eine Gruppe von Autoren um Juli Zeh und Ilija Trojanow hatten vor
einem Jahr einen Protestbrief gegen das Vorgehen des US-Geheimdienstes NSA formuliert, den mehr als 67 000 Menschen im Internet unterschrieben hatten. "Man darf sich von der Missachtung der Kanzlerin nicht enttäuschen lassen", sagte Grass. "Sie versucht gern, Dinge auszusitzen. Man muss jetzt weiterbohren und auf der Beantwortung des Briefes bestehen, was Juli Zeh mit einem erneuten Brief auch getan hat."

Kieler Kulturpreis für spanischen Komponisten

Cristóbal Halffter schrieb mehrere Werke für das Opernhaus der Stadt

Vor einem Jahr wurde in Kiel Halffters Oper "Schachnovelle" nach dem Text von Stefan Zweig uraufgeführt. Sein Werk "Don Quijote", das im Schaffen des 1930 in Madrid geborenen Komponisten eine überragende Stellung einnimmt, war in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein als deutsche Erstaufführung inzeniert worden. Halffter hat mit Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Luciano Berio gearbeitet und gilt als einer der bedeutendsten Komponisten zeitgenössischer Musik seines Landes.

Der Kulturpreis der Stadt Kiel ist mit 10 000 Euro dotiert und wird seit 1952 alle zwei Jahre im Wechsel mit dem
Wissenschaftspreis verliehen. Erstmals wurde diesmal der mit 4000 Euro dotierte Förderpreis verliehen. Er ging an die kanadische Tänzerin Victoria Lane Green, die seit der Spielzeit 2011/12 dem Ballett Kiel angehört.

Sächsische Akademie der Künste hat neuen Präsidenten

Wilfried Krätzschmar folgt auf Peter Gülke

Der 70-Jährige wurde am Samstag von der Mitgliederversammlung in Dresden in dieses Amt gewählt, wie die Akademie mitteilte. Der Komponist war bereits seit 2011 Vizepräsident der Akademie. Zum neuen Vizepräsidenten wurde der Architekt Andreas Wolf gewählt. Die Sächsische Akademie der Künste wurde 1996 gegründet und ist die jüngste der auf Länderbasis bestehenden Akademien der Künste in Deutschland.

Neue Schloss-Deko im Aachener Dom

Marienschrein wird mit Motiv der Himmelsscheibe von Nebra versiegelt

Die 3600 Jahre alte Himmelscheibe von Nebra ist die weltweit älteste konkrete Abbildung des Himmels. Ab Montag schmückt sie das neue Vorhängeschloss des Aachener Marienschreins.

Nur zehn Tage lang war dessen Inhalt öffentlich zu sehen. Der Überlieferung nach handelt es sich bei den Reliquien um das Kleid Marias, die sogenannten Windeln Jesu, das Enthauptungstuch des heiligen Johannes des Täufers und das Lendentuch Jesu. Nun wird der Marienschrein wieder verschlossen, das Schlüsselloch mit Blei gefüllt und der Schlüssel zerbrochen. In sieben Jahren trennt Aachen den Bügel auf und das Nebra-Schloss kommt in die Domschatzkammer.

Kinderfilmpreis für "Das kleine Gespenst"

Der Spielfilm "Das kleine Gespenst" ist in München mit dem Kindermedienpreis "Der weiße Elefant" ausgezeichnet worden

Der Kinofilm nach dem berühmten Buch von Otfried Preußler wurde am Sonntag beim Filmfest München als bester Kinofilm gewürdigt. Der Regiepreis ging an Ali Samadi Ahadi für "Petterson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft", der auf den Bilderbüchern von Sven Nordqvist beruht. Beste Nachwuchsdarsteller im Kino wurden Juri Winkler und Anton Petzold für ihre Rollen in "Rico, Oskar und die Tieferschatten".

Der Preis für die beste Regie eines Fernsehfilms ging an Uwe Janson für "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" (ARD) nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Hauptdarstellerin Lea Müller erhielt zudem den Nachwuchspreis.

Der "Weiße Elefant" ist mit insgesamt 11 000 Euro dotiert und wird
seit 2001 verliehen.

Das Mönchehaus in Goslar wurde wieder eröffnet

Installationen Anselm Kiefers wieder zugänglich

Das Museum für zeitgenössische Kunst, das zwei Jahre lang wegen Renovierung geschlossen war, ist nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Anselm Kiefers an biblischen Motiven orientiertes Werk ist die Haupt-Attraktion des Hauses, wie dessen Direktorin Bettina Ruhrberg gegenüber Deutschlandradio Kultur erklärte: "Das ist eine ganz besondere Installation in vier Räumen, und es ist die erste Installation, die er überhaupt je in einer öffentlichen Institution gemacht hat." In Goslar wird seit 1974 alljährlich eine der angesehendsten Auszeichnungen für Bildende Kunst vergeben: der Kaiserring. "1990 hat Anselm Kiefer den Kaiserring der Stadt Goslar erhalten", so Bettina Ruhrberg. "Und traditionell gehört eine Ausstellung im Mönchehaus zu der Preisverleihung."

Japanischer Film "My Man" gewinnt beim Filmfest Moskau

Die deutschen Produktionen gehen bei dem A-Festival leer aus

Beim 36. Moskauer Internationalen Kinofestival wurde Kazuyoshi Kumakiris Film mit dem Goldenen Georg ausgezeichnet. In "My Man" geht es um die Beziehung einer jungen Frau zu ihrem Adoptivvater. Unter den 16 Filmen im Wettbewerb waren vier mit
deutscher Beteiligung gewesen, darunter "Alles inklusive" von Doris Dörrie.

Für die beste Regie wurde die russische Filmemacherin Walerija Gaj Germanika geehrt. "Da i Da" (Ja und Ja) heißt ihr Werk, in dem es um die Alkoholexzesse eines jungen Künstlers geht.

Neue Proteste gegen "Gólgota Picnic" in Polen

Katholische Fundamentalisten haben erneut versucht, die Aufführung des Stücks zu verhindern

Das Religions- und Konsum-kritische Video des Regisseurs Rodrigo García hat zahlreiche Demonstrationen provoziert, bei denen Parolen wie "Ja zur Kultur, Nein zur Blasphemie" gerufen wurden. In Warschau musste die Polizei die Demonstranten daran hindern, den Zuschauerraum des TR-Theaters zu stürmen. In Lodz wurde die geplante Lesung des Stücks abgesagt, nachdem der Saal gestürmt worden war.

Die Vorführungen des "Gólgota Picnic" werden in Polen von Künstlern organisiert, die sich damit gegen eine "idologische Zensur" der Kirche zur Wehr setzen. Am vergangenen Wochenende war das Theaterstück bei einem Festival in Posen vom Spielplan genommen worden. "Wir rufen alle Theaterleute und alle Bürger dazu auf, entschieden gegen die Gewalt im öffentlichen Leben zu protestieren und die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst zu verteidigen"", schreiben die Initiatoren der Künstlerinitiative.

Im "Gólgota Picnic" wird das Letzte Abendmahl metaphorisch als Abgesang auf die Menschheit und die Konsumgesellschaft inszeniert. Der Direktor des "Malta"-Festivals in Posen hatte das Stück zurück gezogen "wegen des Riskos von Zusammenstößen, die die Zuschauer, Schauspieler und andere Personen gefährden" könnten. Der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki hatte die Aufführung als blasphemisch kritisiert. Das Stück mache "sich in übler Weise lustig über das, was den Christen am allerhe ilgsten ist".

"Gólgata Picnic" hat seit seiner Uraufführung 2011 in Toulouse auch in anderen Ländern immer wieder Proteste provoziert. Es wurde unter anderem in Hamburg und Berlin gezeigt.

Grimme Online Awards verliehen

Öffentlich-rechtliche Beiträge liegen bei der diesjährigen Preisvergabe vorn

«Zwischen Hoffnung und Verzweiflung - Der neue Nahe Osten» heißt ein gemeinsames Online-Dossier des Bayerischen Rundfunks und des Südwestrundfunks, das ebenso ausgezeichnet wurde wie der Kulturkanal Arte für sein Doku-Game «Fort McMoney». Für den WDR erhielt die Netz-Reportage «Pop auf'm Dorf» einen Preis. Der Online-Ableger der «Neuen Zürcher Zeitung» wurde in der Kategorie Kultur und Unterhaltung geehrt.

Tilo Jung bekam den Preis für seinen YouTube-Kanal «Jung & naiv», außerdem wurde das Blog «42553 Neviges» von dem Bürgerreporter Norbert Molitor prämiert. Jury-Mitglied Konrad Scherfer hob im Deutschlandradio Kultur direkt nach der Preisverleihung hervor, dass es beim Grimme Online Award eben möglich sei, dass auch Einzelpersonen wie Molitor "neben den großen Häusern auf der Bühne stehen können".

Scherfer und seine Kollegen aus der Jury waren besonders von neuen ästhetischen Formen im Netz angetan: "Multimediales Storytelleing, die Möglichkeit, längere Texte im Web so zu kombinieren, dass eigene innovative Form der multimedialen Reportage entsteht", so Scherfer in unserer Sendung Fazit.

Insgesamt waren 23 Netzreportagen und Filme in die engere Wahl gekommen, 8 Preise wurden vergeben.

«It's All Over Now» - Bobby Womack ist tot

Der Sänger prägte den Soul der 60er-Jahre

Bobby Womack starb am Freitag in New York. Er wurde 70 Jahre alt. Von ihm stammt die Originalversion des Songs "It's All Over Now", mit dem die Rolling Stones so große Erfolge feierten. Er arbeitete seitdem vor allem als Studiomusiker, zum Teil gemeinsam mit Stars wie Janis Joplin oder Aretha Franklin. Eigene Hits waren «Lookin' For A Love», «That's The Way I Feel About Cha» und «Woman's Gotta Have It».

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