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Fazit | Beitrag vom 19.05.2017

"Kampf des Negers und der Hunde" in Bochum Expedition in die Finsternis

Von Ulrike Gondorf

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Schauspielhaus Bochum  (Schauspiel Bochum, Arno Declair    )
Bühnenmusiker Matthias Herrmann und Schauspielerin Jana Schulz in dem Stück "Kampf des Negers und der Hunde" am Schauspielhaus Bochum (Schauspiel Bochum, Arno Declair )

Bernard Marie Koltès' Drama "Kampf des Negers und der Hunde" von 1981 erzählt vom Fremdsein und der Angst einer Gesellschaft. Am Schauspielhaus Bochum inszeniert Regisseur Roger Vontobels mit den Schauspielern Jana Schulz und Werner Wölbern einen packenden Theaterabend.

Das Stück der Stunde: Bernard Marie Koltès' rätselhaftes Drama "Kampf des Negers und der Hunde" aus dem Jahr 1981 erzählt überraschend aktuell über Fremde und Fremdsein und die Angst und Unsicherheit einer Gesellschaft, die plötzlich konfrontiert ist mit Menschen, die nicht dazugehören und auch nicht wieder verschwinden. Roger Vontobel arbeitet das in seiner Bochumer Inszenierung spannend heraus, mit starken Schauspielern, darunter die Bühnenstars Jana Schulz und Werner Wölbern.

Panik, die in Gewalt umschlägt

Als das Drama von Koltès erschien, las man es eher wie eine Abrechnung mit dem französischen Postkolonialismus. Heute ereignet sich der Clash der Kulturen nicht mehr in der Dritten Welt, sondern längst in unserer ersten. Und Koltès' Parabel beweist ihre analytische Kraft. Die drei Reaktionen, die das Stück durchspielt, kennen wir alle: den naiven Idealismus der jungen Leone, die dem Afrikaner Alboury gleich in sein Dorf und seine Hütte folgen will – was der kalt zurückweist. Panik, die in Gewalt umschlägt, Pragmatismus, der zunächst den Ausgleich sucht und dann auf eine harte Linie einschwenkt – das alles hat die Diskussionen der letzten zwei Jahre geprägt.

Schauspiel Bochum. (Arno Declair)Schauspieler Werner Wölbern in dem Stück "Kampf des Negers und der Hunde" am Schauspiel Bochum. (Arno Declair)
Der Abend in Bochum ist aber vor allem deshalb so packend, weil Roger Vontobel den magischen, rätselhaften Dimensionen des Stücks, seiner verstörenden Bildhaftigkeit, auch ihr Recht lässt. Das ist kein Crashkurs über Migrationsprobleme, das ist eine Expedition ins "Herz der Finsternis", wo Angst und Einsamkeit regieren. Und vieles dunkel bleibt in diesem weiten Land der Seelen. Die vier Darsteller Jana Schulz, Werner Wölbern, Luana Velis und Max Mayer sind ein großartig interagierendes Ensemble – fast noch stärker im Zuhören und Beobachten als in der Aktion.

Böse Krimispannung auf der Bühne

Einen großen Beitrag dazu leistet auch der Bühnenmusiker Matthias Herrmann. Er spielt im Hintergrund der Szene Cello, mal nur zirpend geräuschhaft, mal mit großem, live-elektronisch moduliertem Ton. Die Atmosphäre und die böse Krimispannung der Geschichte wird ganz wesentlich durch diese Musik kreiert. Ansonsten brauchen Vontobel und seine Schauspieler – wieder einmal – nur die quasi leere Bühne. Scheinwerfer, ein Gewirr aus Kabelsträngen und ein wenig Nebel reichen aus, um den Dschungel zu beschwören.

Roger Vontobels – vorerst – letzte Premiere am Schauspielhaus Bochum ist ein Highlight. Mit dem scheidenden Intendanten Anselm Weber wird er seine Arbeit demnächst in Frankfurt fortsetzen. Seit dieser Spielzeit ist er auch dem Düsseldorfer Schauspielhaus als Hausregisseur verbunden.

Weitere Informationen zum Stück finden sie auf der Homepage des Schauspielhaus Bochum.

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