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Donnerstag, 23.11.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.04.2016

Kammermusikfestival IntonationsDie Sehnsucht der Exilierten

Aufzeichnungen aus dem Jüdischen Museum Berlin

Die Pianistin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)
Die Pianistin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)

Vor achtzehn Jahren hätte niemand geglaubt, dass das möglich ist: In der Stadt Jerusalem, die von religiösen Eiferern und politischem Starrsinn geprägt wird, ein Festival zu gründen, das allein der Kammermusik gewidmet ist und nur die Klänge, nicht irgendeinen Kontext zum Gegenstand eines rauschenden, und zugleich anspruchsvollen Festes macht. Und vor fünf Jahren hätte niemand erwartet, dass ein Sprössling dieses Festivals im karg-rauhen Sandboden der deutschen Bundeshauptstadt Wurzeln Schlagen könnte. Nun ist es gelungen – schon zum fünften Mal fanden die "Intonations", wie der Ableger des Jerusalemer Kammermusikfestivals heißt, im Innenhof des Jüdischen Museums Berlin statt.

Eine Person steht als "Alma Mater" hinter dem Jerusalem International Chamber Music Festival und hinter "Intonations": Die in Berlin lebende Pianistin Elena Bashkirova. Sie nennt das Festival stolz ihr drittes Kind, zwei erwachsene leibhaftige Söhne hat sie ja schon. Auch dieses Jahr versammeln sich wieder international renommierte Vokalisten und Musiker - auf Einladung der Pianistin und eines kleinen, aber sehr aktiven Freundeskreises. Sie proben und spielen ein umfangreiches und vielfältiges Konzertprogramm.

Alle Mitwirkenden treten ohne nennenswerte Gage auf und nehmen die Anstrengungen des dichten Proben- und Konzertmarathons aus Zuneigung zu Elena Bashkirova und den anderen Musikern auf sich. Beste Voraussetzungen also für die Königsdisziplin der klassischen Musik, das intime Zusammenspiel einiger weniger Musikerinnen und Musiker.

An sechs Festivaltagen haben renommierte Solisten, Mitglieder internationaler Spitzenorchester und junge vielversprechende Talente in wechselnder Besetzung 30 Werke aufgeführt. Zu den prominenten Gästen zählen dieses Jahr der Bratscher Gérard Caussé, der Pianist Denis Kozhukhin, mehrere Mitglieder der Berliner Philharmoniker und nicht zuletzt Martha Argerich und Elena Bashkirovas Ehemann Daniel Barenboim. Die Besonderheit des Jerusalemer Festivals wie seines Ablegers in Berlin ist die unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Künstlern und die familiäre Atmosphäre im Glashof des Museums, dem Spielort. "Mittlerweile haben wir mit dem Festival in Berlin und seinem großartigen Publikum eine zweite Heimat gefunden" - das sagt Elena Bashkirova.

Musik von europäischen Komponisten im amerikanischen Exil ist das Thema des diesjährige Festivals. Damit möchten Elena Bashkirova und ihr Team auch auf die aktuelle Situation von Exilsuchenden aus dem Nahen Osten aufmerksam machen. 

Wir senden Teile des Auftakt- und des Abschlusskonzerts - wesentlicher Bestandteil der Intonations-Programme sind Werke zeitgenössischer Komponisten. Dazu gehören dieses Jahr das in Berlin uraufgeführte Werk "K'mihah" (Sehnsucht) des israelischen Künstlers Yinam Leef und das im vergangenen September in Jerusalem erstmals gespielte "Stabat Mater" von Saed Haddad. Der jordanisch-palästinensische Komponist lebt seit vielen Jahren in Deutschland und ist in ganz Europa und Nordamerika erfolgreich. 

Vor einem Jahr erschien in Koproduktion von Deutschlandradio Kultur mit dem Label Gideon-Boss-Musikproduktion die Doppel-CD »Intonations – das Jerusalem International Chamber Music Festival im Jüdischen Museum Berlin« mit Livemitschnitten aus dem Festivaljahr 2014. Diese CD ist immer noch erhältlich. Schwerpunkte damals waren der Beginn des Ersten Weltkrieges und seine Auswirkungen auf musikalische Kompositionen sowie der 150. Geburtstag von Richard Strauss.

Intonations - International Jerusalem Chamber Music Festival
Jüdisches Museum Berlin
Aufzeichnungen vom 16. und 21. April 2016

Sergej Prokofjew
Ouvertüre über hebräische Themen c-Moll op. 34

Elena Bashkirova, Klavier
Sergei Krylov, Kathrin Rabus, Violine
Gérard Caussé, Viola
Timothy Park, Violoncello
Chen Halevi, Klarinette

Sergej Prokofjew
Fünf Lieder nach Gedichten von Anna Achmatowa op. 27

Anna Samuil, Sopran
Elena Bashkirova, Klavier

Yinam Leef
Klarinettenquintett (Uraufführung)

Chen Halevi, Klarinette
Kathrin Rabus, Violine
Alexander Sitkovetsky, Violine
Gérard Caussé, Viola
Timothy Park, Violoncello

Saed Haddad
"Stabat mater" (Deutsche Erstaufführung)

Claire Meghnagi, Sopran
Shirley Brill, Klarinette
Kathrin Rabus, Violine
Madeleine Carruzzo, Viola
Timothy Park, Violoncello
Leitung: Daniel Cohen

Arnold Schönberg
Fantasie für Violine und Klavier op. 47

Michael Barenboim, Violine
Denis Kozhukhin, Klavier

Hanns Eisler
Duo für Violine und Violoncello op. 7

Michael Barenboim, Violine
Timothy Park, Violoncello

Igor Strawinsky
Le Sacre du Printemps

Martha Argerich, Daniel Barenboim, Klavier

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