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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.03.2011

Kabinettstückchen zur rückstandsfreien Erheiterung

Eric Saties "Wissen Sie, wie man Töne reinigt?" im Berliner Schillertheater

Von Uwe Friedrich

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Jürgen Flimm, Intendant und Regisseur (AP)
Jürgen Flimm, Intendant und Regisseur (AP)

Aus dem Geist des Minimalismus entwickelt der Regisseur und Staatsopernintendant Jürgen Flimm einen unterhaltsamen Satie-Abend im Schillertheater.

Wenn der Wecker klingelt, rasen drei Schauspieler und ein Pianist zu ihren Instrumenten und spielen die "Vexations" von Erik Satie, jenes kurze Werk, das der verschrobene Komponist in einer Aufführung 840fach wiederholt haben wollte. Immer wieder wird mitten im Dialog unterbrochen, rennen die vier Männer aus den verschiedenen Ecken der kleinen Staatsopern-Werkstatt zu Xylophon, Marimbaphon, Celesta oder Harmonium, um die schlichte Tonfolge mehr oder weniger synchron zu repetieren. Aus diesem Geist des Minimalismus entwickelt der Regisseur und Staatsopernintendant Jürgen Flimm seinen Satie-Abend "Wissen Sie, wie man Töne reinigt" nach einem kurzen Schauspiel Saties.

Es gibt keine nacherzählbare Handlung, die großen Probleme der Menschheit bleiben ganz bewusst ausgeklammert in diesem Kabinettstückchen zur rückstandsfreien Erheiterung eines kleinen Publikums, das auf Stühlen, Sesseln und Sofas um einen Billardtisch sitzt. Hier denkt sich der Baron Qualle eine besonders plumpe Falle für wen auch immer aus, während der nassforsche Astolfo seine etwas dusselige Tochter Frisette heiraten möchte, außerdem stört ziemlich regelmäßig der Diener Polycarpe.

Diese Konstellation nutzen vor allem Jan Josef Liefers und Stefan Kurt zu allerlei amüsanten Schauspielertricks, herzen und befehden einander, werfen sich die Stichworte zu und nehmen die absurde Situation für keine Sekunde ernst. Als dritter im Bunde verkörpert Klaus Schreiber abwechselnd die Tochter und einen tanzenden Affen, der auch schon mal seine Maske verliert. 40 Jahre vor Eugene Ionesco hat der exzentrische Musiker Satie bereits eine aberwitzige Version des absurden Theaters erfunden, mit dessen Umsetzungen auf der Bühne er übrigens nie zufrieden war.

Regisseur Flimm hat seine alten Schauspielkumpel aus Hamburger Thalia-Theater-Zeiten zusammengebracht und sie zu beinahe schwerelosem Spiel animiert, das ebenso leicht zerfällt wie französisches Schaumgebäck. Und ebenso wie die nur scheinbar leichten Kalorienbomben höchstes Geschick des Konditors benötigen, braucht auch schauspielerische Unterhaltung höchste Virtuosität. Im Resultat sind zwar einige unsubtile Witze aus der Probenphase übrig geblieben, etwa Anspielungen auf Baron Guttenbergs Kampfeswillen oder eine Pause für die Darsteller, die nicht zur Pause für das Publikum wird, aber insgesamt wird eine gute Stunde allerbeste Unterhaltung ohne Nachdenkzwang geboten.

Einen magischen Moment gibt es dann doch noch: Wenn die drei Schauspieler langsam um den Billardtisch kreisen und wie zufällig die unterschiedlich hoch gefüllten Wassergläser anschlagen. Wie von selbst ergibt sich daraus zur leisen Harmoniumbegleitung die erste Gymnopédie, Saties wohl berühmtestes Werk. Das Tempo zieht an, die ruhige Komposition entwickelt einen grotesken Sog, um schließlich langsam zu verdämmern. Das ist minutiös geprobt und erreicht gerade in der scheinbaren Improvisation eine beeindruckende Schwerelosigkeit. Selbst Teile des Publikums lassen sich zu einem langsamen Walzer stimulieren, der die Grenze zwischen Künstler und Zuschauer für einen Moment aufheben will. Zum Applaus gibt es noch Omelette für die Künstler, mit Rezept zum Nachkochen im Programmheft. Wenn sich der geistige Nährwert des Abends auch in Grenzen hält, so kann er doch nachhaltige Folgen am heimischen Herd haben.

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