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Samstag, 16.12.2017

Konzert zum Nachhören | Beitrag vom 28.11.2017

Justin Doyle und der RIAS KammerchorBrüder im Geiste: Poulenc und Britten

Aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

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Der designierte Chefdirigent des Rias Kammerchors, Justin Doyle, aufgenommen am 19.04.2016 in Berlin. Der Dirigent wird ab der Konzertsaison 2017/2018 als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter für den Rias Kammerchor arbeiten. (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Justin Doyle leitete sein erstes A-cappella-Konzert beim RIAS Kammerchor (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Musik, die Schönheit mit Modernität, Glaubensstärke mit politischem Engagement vereinigt – das klingt fast ein wenig zu euphorisch, um ganz wahr zu sein. Aber Francis Poulenc und Benjamin kommen diesem Ideal in vielen ihrer Vokalwerke zumindest nahe.

Was mit einer gewissen Folgerichtigkeit nahelegt, dass der Franzose (geboren 1899) und der Engländer (14 Jahre jünger) sich dann auch persönlich gut verstanden – zumal sich beide zusätzlich durch ihr frühes homosexuelles Outing (bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts ausgesprochen ungewöhnlich und durchaus auch riskant) verbunden fühlen durften. Beide tauschten sich über die Landesgrenzen hinweg aus, schätzten und mochten sich künstlerisch wie persönlich.

Doch was hier vordergründig vielleicht allzu wohlgefällig harmonisch klingt, spielte sich jahrelang in existenziell harten Zeiten ab: beider Heimatländer waren auf Seiten der Antihitlerkoalition und unter großen Opfern und Zerstörungen in den Zweiten Weltkrieg verwickelt. Ein Werk wie Poulencs "Figure humaine" (Das menschliche Gesicht) auf Texte von Paul Eluard, 1943 unter den Bedingungen der deutschen Besatzung entstanden, bezeugt Friedenssehnsucht und Widerstandswillen gleichermaßen, während andere Stücke von der tiefen und in schweren Zeiten Halt gebenden Religiosität beider Komponisten sprechen. Dass der neue Chef des RIAS-Kammerchores, Justin Doyle, sie im direkten Gegenschnitt präsentiert, wird neben den vielen Gemeinsamkeiten sicher auch die Unterschiede beider Handschriften unterstreichen – und in jedem Falle die anerkannten a-cappella-Qualitäten des Ensembles herausfordern.

Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 24. November 2017

Moderation: Ruth Jarre

Benjamin Britten
"Choral Dances" aus der Oper "Gloriana"

Francis Poulenc
"Fancy" für Gesang und Klavier

Benjamin Britten
"Fancie" für Singstimme und Klavier
"A Hymn to the Virgin" für mehrstimmigen Doppelchor

Francis Poulenc
Improvisation Nr. 13 a-Moll für Klavier
"Figure humaine", Kantate für gemischten Doppelchor

Benjamin Britten
"Hymn to St.Cecilia" für gemischten Chor op. 27
"Five Flower Songs" für gemischten Chor

Francis Poulenc
"Priez pour paix" für Gesang und Klavier
"Bleuet" für Gesang und Klavier

Benjamin Britten
"A.M.D.G." für gemischten Chor

Helen Collyer, Klavier
RIAS Kammerchor
Leitung: Justin Doyle

Konzert

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